Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 10 (1863)
- Issue
- 35 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Bolksvlatt Zur! Belehrung und Unterhaltung auf jüdischem stebielp. Herau«gegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippsou in Bonn. pH». 35. 1863.] ÄÄ ä [10. Isbrz. 3, tzmntsl.] ^Ephraim Kuh. i Ein jüdisch«« Lebensbild au« dem vorigen Jahrhundert. Von vr. M- Kayserling in Endingeu. (Schluß.) VI. Wie Uz, Kleist, Nicolai und die Karschin, ließ auch Kuh den Kritiker Ramler in seinen Gedichten gewähren; ihm übersandte er alle feine Produkte, und e« ist keine Frage, daß dieser mir feinem Feingefiihle die Unebenheiten oft tilgte. Ramler, der am Fellen und Verbessern freinder Arbeiten sein größte« Vergnügen fand, unterzog sich gern der Mühe, Kuh'« Gedichte druckfertig zu machen und -bergab sie haufenweise dem „braven Bertheidlger der Juden", dem Kneg-rath Dohm, für davon diesem herau-gegeibene „Deutsche Museum." Im Januarhefte dieser Zeitschrift wurden 1784 die ersten Gedichte de« „jüdischen Gelehrten" Mose« Ephraim Kuh veröffentlicht, in damaliger Zeit ein epochemachende« Erelgniß. Einige Wochen später wurde er mit folgendem, erst jüngst an die Oeffentlichkeit gezogenem Briefe Ramler«*) beehrt. Wohlgedorner, Hochzuehrender Herr! ' Daß Sie die kleine Pflege Ihrer galanten Gedichte so wohl ausgenommen haben, dafür muß ich Ihnen >«oK mehr banken, al« Sie mir zu danken Ursache haben. Durch da« kostbare Geschenk der Ovibischen Verwandlungen haben Sie mir nicht allein eine große Freude gem-cht, sondern mir auch Gelegenheit gegeben, die letzte Hand: an ein Werk zu legen, da« ich schon lange unter der Feder gehabt habe. Boa Ihren neulich übersandten Gedichten habe ichsogleich ein Dutzend zu denen hinzugeschrieben, die ich bereit« für unsere« Geh. Rath Dohm« Museum au«g»z«gen hatte. Ich werbe so lange mit dieser Arbeit fortfahiren, bi« ich Ihr Werk nach und nach zu Ende gebracht habe. Herrn Dohm, diesem braven Dertheidiger Ihrer Glauben«» genoffen, habe ich so lange einen Beitrag au« Ihren Gedichten für sein Journal versprochen, al« ich Bvrrath fipd». Au« seinem Journal können Sie nachmal« Ihre Spick« wieder herau«heben und selbst eine kleine Sammlung davon veranstalten, so wie e« auf unferm Parnaß der Gebrauch ist. Nach dem zu urtheileu, wa« ich bereit« in Ihren beiden Quartanten gefunden habe, glaube ich, daß die *)Au»derSammlungde«Prof.vr.KahlertzllBre«lau abgedtuckt in „Findlinge. Zur ^Geschichte deutscher Sprache und Dichtung vovHvfsmann von Faller«lebe n (Leipzig.1860), 903/! künftige Sammlung nicht zu klein werden wird; abier ich muß mir di« gehörig« Zeit dazu nehmen. Sie habe» oft «in halbe« Stück ganz nach meinem Sinne gemacht; lallela die andere Hälfte dazu zu machen, wird mir nicht allemal leicht. Und mit dieser kleinen, doch auch nicht zu kfeiae« Sammlung könnten Sie, nach meiner Meinung, dlesh Art von Arbeit rühmlich schließe». Bo» einer ArtSp^st, zumal von Konfekt, darf man den Gästen wohl nicht Allzuviel vorsetzen. Am wenigsten möchte ich Ihnen rathen, in der Drei- und viersilbigen Ber«art fortzufahren, dl«: nach dem Muster einiger Ausländer einige unserer guten Poeten versucht haben. So künstlich man e< auch Verstecks, so schwächt man doch Gedanken und Ausdruck, und wept zu Liede? Dem Reim. Mir klingen diese wiederholten Reime wie tausend Schellen. In dem dreißigsten Ihrer gedruckten Gedichte riethe ich nicht den Namen Friedrich einzuschieden: e« versteht sich ja doch, daß «in so großer König durch die gemeint ist. die sich mit Thare« balsamiren. Auch wollen wir für seine» Namen schon eine andere Stelle finden*). > Wäre ich jetzt nicht alle Tage mit den Gedichtes beseligen Jvh. Nie. Götz beschäftigt, die ich schon so lange bei mir verwahrt habe, fo könnte ich mit Ihren Gedichten geschwinde fertig werde». Diesen Götz werden Sie'ohne Zwejfel al« einen unserer angenehmsten Dichter au« Meiner „lyrischen Blumenlese" kennen**), worin achtzig Stücke von ihm stehen. Fast ebenso viele Hab« ich seit 1772 in die Musenalmanache und andere poetische Sammluageir gesandt. deren Verfasser mich um Beiträge mahnten, Mich, der ich nichts für mich gearbeitet habe, weil die fresnde« Arbeiten mir so wohl gefielen und meinm Fleiß so r«z^a, daß ich den Ehrgeiz, für mich selbst zu arbeiten, leicht vergessen konnte.! *) Da« hier gemeinte Gedicht „Da» Balsamiren" (Museum 1784, Januar, S. 48. Gedichte 1, 168) lautet: Balspmiren thut zwar viel, Doch erreicht e«'nicht Ziel; Zeit und Fäolniß dräuen Such den besten Specereie»; Und ergreift euch erst chr Zahn, Dann, ihr Großen, ist'« um euch gethau. Drum — darf euch ein Jude rathen — Balsamirt «ach hübsch mit Thateu k **) Bon ihm sagt Kuh (Gedichte I, 201): De« Sophroui»ku« Sohn verstand Die Grazien zu Neiden; Du giebst ein reizrude« Gewand Den Scherzen und den Freuden.