Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 10 (1863)
- Issue
- 34 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 135 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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135!— In einer Khille') lebten einmal zwei große Negidifn.") Beide führten ein groß HauS nach ihrem Staad;'sie machten Geschäft« nach aller Welt Ländern: muh Frankfurt, nach Hamburg, nach Leipzig, nach Warschau, nach ÄeterSbürg und wie all die Oerter heißen. Ader wie e« nicht selten vorkommt, daß ein gemeiner, geringer Mann durch Müh' und Arbeit ober durch eine gute Ierusche "*) mit der Zeit groß wird, was da kommt von Gott, von dem es heißt: di 'v-jrv, aus vem Staub richljet er auf den Armen, so fügt es sich auf der andern Seir^ daß mancher Große mit einem Mal von der Höh' herckbfällt und lernt einschn, wie dsn, Alles ist eitel. Sb hat es sich auch zugetragen mit den beiden Negidim. DaS Geschäft ging einmal fehl, ging zweimal fehl, ging dreimal fehl und so weiter', diS sie waren zu Grund gerichtet Don oben bis 'runter. Mir Einem Wort, sie waren ganz «ant. In der großen Khille war Keiner, der ihnen aufg'effolfen hakt', da sie m ihren guten Tagen nur lebten fütz sich allein, und aus ihrem Haus an Bedürftige nicht viel ^ut'S herauskam. Da sie aber leben wollten und leben mußten, haben sie beschlossen, sich in der weiten Well durch Schnorßens) ihr Brod zu verschaffen. Sie waren üdereingekontzmen, Alles unter sich gewissenhaft zu theilen. Um es deuilicher zu machen, mag der Eine von ihnen Leib, der Andere Wolf heißen. In dem ersten Orr gehr Leid von Harzzu Haus, ebenso Wolf. Im. AbstandSquartier treffen sie wieder zusammen. Jeder zählt sein Gelb. Leib hüt 3 Gülden, Wolf nur Einen, und daS Geld wird unter einander in gleiche Theile getheilt. Zn einem andern Ok. bringt Leib wieder mehr zusammen wie Wolf, und so mehrere Mal'. Zuletzt kann daS Leib nicht mehr gefallen und er meint: „Lieber Wolf, so kann das Geschäft nicht länger gehn; ich dring' immer mehr wie ihr und Hab' doch nicht mehr. Laß ihr mich dabei hintergeht, kann ich euch nicht zumuthen, aber ich will euch sagen, woran cs liegt: Ich geh', wie ich'S von früher gewöhnt bib, in einem dekoweten ff) Malbesch,-j-j-f-) und wohin ich komm', hält man mich für dekowet und giebt mir dekowet; ihr aber geht, wie «hrS nicht besser in den guten Zeitest gethan, weil ihr eS euch nicht habt gegönnt, wie ein richtiger Schnorrer §). Darum fertigt man euch als einen solchen ad. Nu möchl' ich kalben, da euer Geld noch nicht langt, ihr gehr noch 'mal heim, verkauft waS ihr vorfindet und macht euch ein dekowet Malbefch. Wolf sieht, daß sein Freund gerecht ist. geht heim, verkauft 'n großen kupfernen Kessel und Pfannen und was er noch vorfind't, und schafft sich für daS Geld eWeh feinen Chalatt htz). Nun ist er ein gemachter Mann; nust ist er sicher, daß fein Geschäft-nicht wird schlechter gehn wie LeibenS. So eilt er, waS ihn die Fuß' tragen können, zurück zu Leid. Aber, o weh,'wohin er kommt, lacht marr ihn au»; wilde Gassenjungen laufen ihm nach und necken ihn, werfen ihn gar mit Steinen; Ander, weichen ihm überall aus und Kerner will waS' von ihm wissen; man hält ihn für meschugge, für irr. „WaS thut sich denn mit mir?" — ruft er verzweifelt au^ — „WaSist mirdenn gescheht,?" Und wie er zu Leibkommt, kann der sich nicht vor Lachen halten. Und wie er genug gelacht hat, hilft er dem Verzweifelten aus seinem CbolemW): ') Gemeinde. **) reiche Leute. ♦•*) Erbschaft, f) Ähneln, t+i anständig, t+t) Gewand, tz) Bettler §8) Rock. 888) Traum. ^Wolf, Wolf, ich wunder' mich gar nicht über daS'^waS euch ist zugestoßen; denn seht — ihr &abt, euch gemacht ein fein Chalattchen; aber seht euch nur an eurk^Schuh', eure Strümps', eure Hosen, eure West', eure Binder, euer . Stramel*) — das ist All'S mitsammen zerrissen und zerschlissen. Eins muß passen zum Andern. —Der Chalau allein maHs'S nicht aus. Der frühere Chala t dar zum wenigsten gepaßt zu den andern schlechten D albui .schim"-!" — - „Nu, merkt ihr, wo ich 'nauS will?" — fuhr jetzt der große Maggiv fort. „Der Chalatt, daS ist die heil. Thora, das ist das eigentliche, daS gewichtigste Ge vand. Wo der Chalatt schlecht, d.' h. wo nicht viel Tho:a zu finden ist, dort pflegen die Menschen vom Mensch,nj auch nicht viel zu erwarten; wo aber ^der Chalatt ein guter und feiner, d. h. wo die Thora stark zu finden ist, dort wird gar viel vom Menschen begehrt, und wie unser W§lf in seinem feinen Chalatt, zu dem noch andere gute Malbufchim gefehlt haben, jst geworben schlecht ausgenommen untz verachtet, so wird? auch in jener Welt der schlecht aufgenostimen und verachtet, der nur -mitbringt die heil. Thora ohne die . guten Thülen, waS dazu gehören."- Bei ven letzten Worten sah man Red Menvel in ernstes Sinnen versunken. Darauf erfaßte er warm des großen MaggidS theure Hand, drückte sie Test und innig und sprach: „Redde, bleibt ihr noch langer hier, waS gewißlich jeder Einzelne in der Khille gern sehen wird, so bitl' ich euch, seid Tag für Tag mein lieber Gaftl" — Ob der Maggidwirklich noch länger verweilte, , kann für unS ganz gleichgültig sein; daS aber glaube ich nicht unerwähnt lassen zu dürfen, daß mir Red Mendel binnen Kurzem eine große Umwandlung stattgeftmben, daß es dann überall von ihm hieß: „Das ist ein Mann für Gort und die Welt.!" 1 * Glaubst etwa, geneigter Leser, du kommst mir heut so > leichten Kaufs davon? — Noch Eins muß ich dir er» j zählen vom Dudner Maggid, der, wie ich hoffe, bereits i deine regste Theilnahme gewonnen, noch Eins wenigsten«, selbst auf d>e schreckliche Gefahr hin, dich durch mein Reden diS ln dieselbe Potenz von Ungeduld hinanzuschraubest, in welche unser Maggid jene Gemeinde durch sein Nasencon. cert versetzte. Der Dudner M.iggid, so geliebt und geehrfürchtet er j auch allenthalben dastand, er harte doch, wie all» Großen | der Erde, seine Feinde, und da« zum großen Theil ist den | Chassidim. Er hielt einmal in einer Gemeinde, —' ob in! Kotzk, Radom oder Makowo oder sonst wo anders,! mag! sich uns gleich bleiben —. längere Zeit seine vielbesuchten | Borträge. Sei eS, daß er darin dem Chassidismus ^zegea» j über, dessen Wesen oder Unwesen er durchschaut hatte, nicht respektvoll genug auftrat und in unschonender Weiße sich j dagegen aussprach, oder sei eS, daß die Chassidim allen, die 'eS nicht partout mit ihnen halten, ^ram sind. —r kurz 1 unser Maggid stand in ihren Augen nicht im vorlbeilyvktesten Lichte. - t 1 Heut Abend herrscht im Beth Hamidrasch'") der Chassidim ein rege« Lebens Ein ganzes Rubel ist da^in versammelt und tobt, gewaltig gegen den großen M-ggid, der sich aber nicht unter ihnen befindet. Sie hattest ein» k) Kopfbedeckung. Klridungoftüüe. Ledrvaus.