Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 10 (1863)
- Issue
- 34 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 134 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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134 zwanzig Jahren recht sehr gefallen haben, die Fabeln ausgenommen, die mir durchgehend- Ihrer nicht ganz ^würdig scheinen. Je>r aber, so wie ich jetzt in mei lem drei und fünfzigsten Jahre empfinde, gefallen mir einj ig und allein Jdre „Morgengedanken", die in meinen Au, ea recht vorzügliche Schönheiten haben. Einige schwach e- Stellen in denselben, die der Dichter sicherlich so gut Ilehet wie der Kunstrichter, verdienen von Ihnen verbessern zu. werden, und ich j wünschte, daß Sie sich auf diese Gattung mehr ein ließen ich meine die malerische und lehrende Dichtung, die Ihnen am besten zu gelingen scheint. Für die Freimüthigkeit, mir welcher ich ttnem Manne wie Ihnen meine Meinung sage, mache ich inine Entschuldigung, wohl aber muß ich um Bergedung bitten, daß ich mit der Antwort so lange gezögert habe. Glaubet Sie mrr, desttt Kuh! seitdem ich Ihr Schreib,^,. zu erhalten da- Vergnügen gehabt, ist dieledie erste weitere Morgenstunde, die »ch meinen häufigen Geschäften aodrechen kann. Ich bin mir der aufrichtigsten Achtung u^ld Ergebenheit Berlin, den 25. Decdr. 1781. Der Ihrige. Moses Mendelssohn. Kuh. durch diese« Schreiben hoch erfreut, h,folgte genau den Rath des Freunde«: ec ließ die Fckbeln bei Seite und versucht, sich an einigen größere« . th«Üs malerischen theil« lehrenden Gedichten. Unter anderen schrieb er auch eine ,',£»< zum Lobe GorreS", welche ihm fo außerordentlich gefiel, daß ec sie Mendelss ohngleich nach ihrer Beendigung zuschickre. Sv mangelhaft in Bau uckd Einkleidung sie auch war. so batte sie sich doch auch seikje« Beifalls zu erfreuen; er verbesserte, feilte, fügte noch einige Strophen hinzu und soll sie einigen Freunden als ein Produkt Kuh'« in Abschrift mitgerheilt, haben. Man weiß nicht, woher es kam: dies« Ode galt von jeher für haS beste unter den wenigen Gedichten, welche MendelSsphn zum Verfasser hatten. Daß e« Kuh nicht wenig sshmerzte, gerade da« Gedicht, auf das er so stolz war, unter ssembem Namen gedruckt zu sehen, läßt sich denken. •) Dieser Vorfall machte idn so mißtrauisch, baß Niemand *i Jtt Sittlichkeit hatte Kuh gar kein stecht, sich über da« lhm von Mendelrsoha wenn auch indirekt zugeiigte vermeintliche Unrecht so laut zu beklagen. Die von M. mit dieser Ode vor-' genommenen Kerbe sierungrn und Einschaltungen find so bedenreov, daß von dem ur'prünglichen «uh'schen Gedichte sonst nicht« geblieben ist al« die — Ueberschrift. Zur Vergleichung stelle ich hier einige Strophen gegenüber Kuh. Lu, Gort Iedova, Hott der Götter! Lu krobst; e» zürneo Donnerwetter, Der slurni durchwühlet Lust und Meer. Du lächelst; und der Sturmwind finket. Die Donner stiebe«, die Sonne bliiket, Not stellt 'die Schöpfung wieder her. Du blicktest hold; und e« geronnen . Dl« Blicke schnell zu hellen Sonnen. Zu schwachen Funken Deine« Licht«. Du dingst, was Deine Himmel tragen, .Den Ängelfteru, den großen Sagen. V^ezj Ettdall und den Mond an Nicht«. - MesdelSjodu. Du bist rt, »on, mein gel«( mein Retter! Dein Hauch eulzündet Doanerwettef, stillt «ud entketterl Sturm und Hieerl Du schwingst geflügelte« Verderben. Machst Wetten so wie Hra« erßerbfn. Und die Natur gau; ireudeuleer: ei,eS seiner Gedichte abschriftlich von ihm erlangen konnte. Auch Mendelssohn wurde in der Folge nicht mehr mit seinen Produkten beglückt, ja er scheint mit diesem von ihm so hochverehrten Manne, an dessen „Freunde" er die schönen Worte richtete. Nein! lastet eurem Mendelssohn kein Denkmal stiften, Selbst Jaspi« und Porphyr verzehrt die Zeit. Gestiftet hat er selbst sich eia« in seinen Schriften, Und die« vrrschoner Zeit und Ewigkeit.*) des erwähnten Umstandes wegen vollständig gebrochen zu hadm. Kuh wandte sich an einen andern Kritiker und traf Anstalten, daß sein Nanrn noch bei seinen Lebzeiten unter die deutschen Dichter eingereiht wurde; er trat mit feinem früher» Bekannten, Ramler, in Verbindung. (Schluß folgt.) Der Dubner Maggi». Bon Moritz Grünfeld in Schwersenz. .Fortsetzung-, „Der Maggid stand betroffen da und fand nichts zur Entgegnung, während der Hausherr ihn mit triumphirendem Lächeln zu fragen schien: „Nun, wo bleibt die Antwort darauf V‘ — Aber du irrst, geneigter Leser, wenn du glaubst, daß der Maggid lange in solcher Stellung verharrte. Er müßte nicht der Dubner Maggid sein, wenn er nicht bald ein gleich") Wörtchen bei der Hand haben sollte. Er brauchte seine mir gelehrten Furchen durchzogene Stirn nur einmal mir der Hand zu bestreichen, und es blitzte in ihm auf, so daß er nur noch fern Käppchen zurecht zu setzen hatte, um da«, wa« er gerade brauchte, aus seinem scharfen Geiste hervorzuziehen. „Red Mendel — so begann er wiederum — ihr seid ein Lamdden, da« kann euch Keiner nehmen; — ihr seid rin vernünftiger Mann, -da« ist ebenso wahr; und darum, weil ich euch dafür acht', so mein' ich, ihr werd'S nicht bös' aufnehmrn, wenn ich mir euch von Herzen herunter red', wie'« einem Maggid gebührt. Red Mendel, wäc' mir ein Leichte-, eure Ansicht mir einigen Worten zu widerlegen und euch partout marsch zu machen, wenn ich euch sag': „Ihr habt jene Stell' nicht mit richtigem Verstand'aufgefaßt. Wenn e« heißt: iivrn d:d mm, da« Forschen in der heil. Thora geht über Alle-, so ist damit gemeint darichtige Forschen, wie eS gehört zu sein; und wer forscht in der heil. Thora, wie eS gehört zu sein, der thut und handelt auch darnach; und wer darnach thut und handelt. von dem steht eS fest, daß er alle jene aufgezählten guten Handlungen mir Herz und Grmüth übt. Aber laßt mich euch da« an einem Mofchel"') verdeutlichen: Du blicktest nur, und es geronnen Die Blicke schnell zu großen Sonnen, Zu Funken Deine« heil'geu Licht«; Und wa« de« Aerhcrö Gleise tragen, Dea Thierkrei«, Ungeistern und Wagen. Hing Deine große Hand an Nicht«. Kuh'« Ode (Gedichte II, 161) besteht au« acht, Mendelssohn'« (Werke VI, 3b6. Bgl. auch mein Mole« Mendelssohn. Sein Leben und seine Wette, TJ) hingegen au« vierzehn Strophen. Unverzeihlich ist e«, daß Herr Hirschel dieser Ode wegen Mendel«, sobn beschuldigte und seine wässerige Expeclcrarion gar mit den Worten schloß (1.131.): „der „ächte" Philosoph und Moralist zuckt zu einem solchen Verfahren die Achseln und sagt mit Montaigne seufzend: Ton» les bommrs sont p^tria des faiblesaes“. Gedichte II, 201. Äub ichrieb diese Zeilen nicht vor frühesten« Mar; 1786. Bgl mein Mendelssohn 472. "'angemessen, trefflich. ***! Beispiel. Gleichaiß.