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Jüdisches Volksblatt · 1863-01-01 · 34 (1863) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
10 (1863)
Issue
34 (1863)
Date
1863-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Bolksblatt. Zur .Keletzrulig uni) UnterhlkNung auf jüdischem «geklete HrrauSgegedeu von Rabbiner I)r. Luljwig Phttippson in Bonn.!| 1 io/iq i Bon dieser ZeiliSritl rrscheial «öa^iilich eine Nummer. Prei« de» Jahrr . i4 , n IJlO. o4 lOOD. I gang« I Thlr. Bieneljährig 7'^ Agr. »Ile Lu»haadiimgeu. Postämier I 10, ,|flhFQ. O ©UHfll 1.1 l*'1"* w-x. /v.j »nd Aciwng««r?evitio»et nehmen Bestellunge» an. L J v* ® i Ephraim Kuh. Ein jüdische« Lebensbild au« dem vorigen Jahrhundert. Bon Dr. M. Kayferling in Endingeu. > (Fortsetzung.)! V. Kuh'« Gedichte, bestehend auS Epigrammen, Liedern und Fadeln, welche wir später noch näher inS Auge fq sen wollen, fallen um so mehr auf, da er sie meisten« in eir em Mittelzustand zwischen Wahnsinn und Vernunft versa jte. Er war stolz darauf, seine „kleinen Spielereien", wie ein neuerer Literarhistoriker sie nennt, der Welt hinterlaffem zu können, und glaubt« sich dadurch die Unsterblichkeit gesichert zu haben. Man höre nur sein Epigramm An den Tod": Ich sürcbte mich mit mchten, o Tod, vor deinem Töbten:! . Du rödtest nur den Menschen, nicht aber den Poeten. *) Wie viele Dichter und Dichterlinge, besaß auch er pie leicht verzeihliche Schwachheit, sein« Produkt« Freunden v!orzulesen und da« Urtheil selbst inkompetenter Richter szu vernehmen. Nichtsdestoweniger war er streng gegen Hich selbst, nur selten befriedigten ihn seine Arbeiten und strenge, ja ' sogar -ungünstige Kritiken konnte er mit Rühe iptb Gelassenheit ertragen, ganz besonder« wenn sie von fachkundigen Männern auSgiugen. s Er konnte sich deshalb auch nur schwer entschließen, von feinen Gedichten bei Lebzeiten etwa« der Oeffentlich^eit zu übergeben und den Schauplatz der deutschen Literatur zu betreten; nicht« fürchtete er mehr al« die öffentliche Geißel der Recensenten. „Anden literarischen Pranger gestellt zu werden," sagte er einmal zu seinem Freunde und späterm Biographen, dem Doctor Hirschel, „ist für mich der fchrtcklichste Gedanke, die Recensentenstreiche sind so hart ifob schonen kein Blut, so daß selten Einer mit heilrr Haut davon kommt." Um diesen Recenfmtenstreichen zu entgehen und sich von dem Werthe oder I Unwerthe seiner Gedichte zu überzeugen, schickte er «inen Theil derselben an Lessing zur Aeurtheilung. Dieser, damal« durch die Herausgabe »er „Fragmente", durch feine Streitigkeiten mit dem Hainburger Götze zu sehr in Anspruch genommen, hat?e weder Zeit noch Lust, sich mit Kuh'« Gedichten;u befassen, ufld verwies ihn an Mendelssohn. Kuh befolgte den R^lh Lessing's und wandte sich an den Berliner Freund, der *) Gedichte II, 102. ihm in fügendem Schreiben mit aller Liebenswürdigkeit seine Ansicht über die Gedichte unverhohlen eröffnet«: Werthester Herr Kuh! Ihr Schreiben nebst den Poesien, die Sie mir tvor einigen Wochen zuzuschicken die Gewogenheit gehabt, hat mir viel Vergnügen -gemacht. Ich freue mich, daß Sie noch immer fortfahren die Musen zu lieben, und daß liefe Schwestern, die oft den jungfräulichen Eigensinn ha «n, dem'Jüngling günstig zu sein und dem Manne den Rücken zuzuwenden, Sie noch manche« freundlichen Lächln« würdigen. Mir sind diese Mädchen zwar nie recht gut gewesen, und wie ich glaube, au« Eifersucht gegen hre Schwester Krilkka, der ich manchmal die Aufwartung gemacht habe. Seitdem mir aber da« Höllenkind Mamr »on zuweilen mir eisemen Fingern die Ohren zupft und frogt: Wa« bringt e« ein? siitdeisn, mein Lieber! haben mich Musen und Kritik verlasse«, und ich^bin der Poesie wie abgestorben. Ich habe fafl kein Gefühl inehr für Poesie. Ich löse mir die Gedanken i!n schlichte Prosa aus. Woich alSdaun noch immer gediegenen Sinn finde, wie z. >B. in Nathan dem Weisen, da ist mir auch da« Stlbenmaß nicht unlieb. Dl« Schönheiten der Einkleidungen und de« Vortrage« -aber haben für mich jetzt keinen Werth mchr, und ich liebe sie nur au« der Erinnerung, nicht »u« Gefühl. i Sie sehen, mein lieber Freund! an wa« für einen ün, schicklichen Richter Sie sich gewendet, indem Sie mir Hhr« Gedichte zur Beuctheilung übersendet haben. Ich, Poesie beurtheilen, der ich mich gewöhnt, sie mehr mit der logischen Brille al« mit dem ästhetischen Operngucker zu betracht ml Ich, Richter über schalkhafte, niedlich«, scherzhafte Rien« (vergeben Sie! ich kann diese« nachdrückliche Wort^aicht übersetzen), über poetische« Oragöe, da« blo« den Gaurren kitzelt, ohne den Magen zu befriedigen? Vergeben Sie, Freund Leffing! da haben Sie unterm Freund Kuh nicht den besten Rath ertheilt, daß Sie ihn an mich gewiese . Sie verstehen mich nicht unrecht, bester Kuh! von Ihren kleinen Gedichten scheinen mir wirklich gut zu würden mir auch, wenn ich ander« meine vorigen pfindungen zurückrüfen kann,, vor zwanzig oder fünf *) Ich freue mich um so mehr, diesen Brief Mendelssohn'«, der den vollen Stempel der Aechrheit an sich trägt — Hirsches hatte den eigenhändigen Brief M'« vorliegen — hier mittheifen zu können, al« er mir bei Abfassung de« Werke«: Mose« Mendelssohn. Sein Leben und seine Werke (Leipzig, Iö6I) wegen cher Seltenheit von Kuh'« Gedichten leider entgangen ,ist. Gedichte I. 120 ff.).

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