Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 10 (1863)
- Issue
- 33 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 131 (sequence 3)
- Language
- German
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bU heil. Thora, d. h. er.hat sie verachtet, weil er hak sie hingegeben für lumpige anderthalb Gülden. Dafür soll er auch erhalten mehr wie Jene — 400 Schnitz ." — „O weh' Über mir, Rabbaussaileben! Habt Rochmone», habt Erbarmen! Es soll mir nicht ergehn wie jenem Maggid. Rabbaussaileben, ich bitt' euch, legt mir zu, legt mir zu!'{ — Darob war Alles auf» Tiefste ergriffen, und der:gutherzige Borsteher, dem eine Thräne de» Mitleid» ©on1 den Augen herabkollerte, ließ ihm alsbald durch den Schamme» da» Vierfache anbieten. Jetzt erst begann der Maggid feinen richtigen Text und darfchente— wa» soll ich sagend — gewiß nicht schlechter.— wie der Dubner Maggid. Da die Wochentage eine» solchen Maggid» zu einförmig sind, al» daß sich» lohnte, hierüber auch nur ein Wort zu verlieren, weün man nicht just Lust haben sollte, durch Mittheilung seiner Strapazen da» Mitleid der gefühlvollen Leser zu erregen; so fei hier ohne all« Einleitung gesagt: Und e» war wiederum an einem Sabbath, und wiederum war unser Maggid in einer größeren Gemeind« der Heldde» Tage». In vielen Hausern war heut da» RachmittagSschläschen, da» .sonst kein richtiger Balboß* *) — nicht zu vergessen, «» war heut Sabbath — zu halten unterließ, nicht recht heimisch; denn wer mochte sich woh^ h» Gefahr au-setzen,. die Minchadrafche") zu verschlafen. Beiläufig sei erwähnt, daß in jener Zeit gewöhnlich, zumal in größeren Gemeinden, am Sabbath Nachmittag die Vorträge gehalten wurden. Der große Maggid entsprach allen gehegten Erwartungen. Wie ihr bereit» wiffet, schüttelte er Alle» au» dem Aermel seine» langen Ehalak»,und bedurft« daher keiner Notizen; viel weniger kam e» ihm ln den Sinn, seine Vorträge nieder, zuschreiben. Don den eigentlichen Vorträgen dürft ihr also eia für alle Mal nicht» wissen wollen. E» seieuch damit genug, baß da« Kopffchütteln der Zuhörer, welche» zu bedeuten hatte: „O wie wohl und wie wahr gered't!" während de» ganzen Vortrag» kein End« nehmen wollte. Ai» man erst! die Schul' verlassen hatte, da stellte man sich gruppenweisej in sogenannten Rädchen, und äußerte gegenseitig durch Äjorte sein Entzücken, und fand in jedem einzelnen Worte, -da» er gesprochen, «inen Schatz von Weisheit. Al» vor einem solchen Rädchen eben der reiche Reb Mendel vorüdergliag,! bemerkte Einer: „O, wie hat sich'» heut Reb Mendel nehchen können! Wa» thut der mit all seinem Geld? Rur aufschütten und auffchütttn, und läßt Andere sich quälen und hungern und darben! — Doch, dieser Mendel, — fuhr er dann gedankenvoll fort — dieser Mendel, mein'^ich, so ein großer Kamzen***) er auch ist, gehört doch noch nicht zu den Aergsten; möglich, unser großer Maggid, denn!da» könnt' nur er allein, bringt ihn noch auf den rechten Weg; wen« er nur mir ihm allein zusammenkommen und ihm kräftiglich zu Herzen reden könnt'. Aber wie strnn da» so leicht geschehn, da Reb Mendel noch keinen Fremden zu Gast gebeten hat?" — j Einer der Anwesenden, dem die»,, wie mehreren Xnbjrm, einzuleuchtk» schien, macht« sich nach einigem Besinn,« zu dem Kunststück anheischig, die Beiden womöglich noch heut zusammenzubringen. Er begab sich auch alsbald zu (R»b Mendel, der auf einer Bank vor feinem Hause sich schab- *) Hausherr. **) Religiöser Bortrag nach dem RachmilckgS- Gebete. "») Geizbai«. be-lich niedergelassen hatte, und e» konnte ihm nicht schwer werden, den Maggid zum Gegenstand der üntechhltung zu wählen, da dieser ohnehin da» Tagesgespräch bildete. „Run, Reb Mendel, fragte er — wie hat euch denn die Dräsche gefallen?" — „Wie st« mir gefalle« har? So alt ich bin, Hab' ich fo.wa» noch nicht gehört. Da» ist ein Maggid! Groß! groß! sag ich euch. Da» hat die Welt nicht mehr aufzuweisen! Tage lang könnt' ich ihm zuhöremi" — Da» war Pulver auf der Pfanne. „Run — erwiederte Jener — wenn ich euch noch heut' den Genuß verschaffe, mit ihm zusammen zu fein? Ihr wißt, «in Maggid ist auch kein Verächter von einem guten Stück Kisch und einem hübschen Gla» Wein.. Wie, wenn ich ihn euch zu Schobiudi Sudoss*) zu Gast bring'?'' Reb Mendel gab sich 'nea Kniff in die Back und lagt«: „Er sollheut mein Gast sein." — i Hoch erfreut über des» Gelingen seine» Unternehmen» eilte Jener zum Maggid,!um ihn die Eialabuug zu über» bringen. Er unterließ es hichr, den Charakter Reb Mendel» zu schildern, verheimlichte ihm auch nicht den Zweck, den er im Auge habe, und wie sehr verdient sich der Maggid um die ganze Grmeinbe machen würbe, wenn er es vermöchte, den reichen Reh Mendel, der bei gutem Willen recht viel Gute» stiften könnte, auf den rechten Weg zu bringen. Der Maggid versprach hierin fein Mögliche» zu thun. — Gar freundlich wurde er v.on Reb Mendel empfangen Da Letzterer ebenfalls ein großer Gelehrter war, entspann sich allmählich ein Dk»put, baß e» ein« Art hatte, und Einer staunte od der weitumfassendea Gelehrsamkeit de» Andern. Trotz mancher Verschiedenheit ihrer Ansichten hatten doch Beide binnen kurzem einander recht lieb gewonnen. Da- Essen wurde hierbei selbstverständlich nicht HÄ Seit« geschoben. Die Fische, von nicht unedler Herkunft, wollten schwimmen, und behagten sich gewiß wohl in gutem. Wein, dem recht fleißig zugesprochen narbe. Heute hatte sich Reb Mendel wirklich recht sehr angestri ngt; denn er reicht«, wenn auch nicht mit voller Hand, doch mit vollen Flaschen. Und wo der Wein nicht fehlt, da fehlt auch nicht die Heiterkeit und Gemüthllchkeit; do bist du ich, da bio^ich du. Und unser Maggid, ein fi> gebrückte» Leben er auch sonst in der Woche führte, verstand ,< doch, am heil. Sabbath recht fröhlich und ieiter zu sein. War e» doch früher überhaupt in jeder jüdischen Familie schöne Sitte, bei Ankunft be-cheil. Sablath» allen Sorgen den Laufpaß zu geben und den fröhl lchrn Sinn in» Gemüth etaziehen zu lassen. Da mir aber hier der On^nicht geeignet erscheint, der Jetztwelt ob der Vernachlässigung jener schönen Sitte Borwürfe zu machen, eile ich nur bald wieder zu meinem lieben Maggid zurück. Also, er schwamm ln Frohsinn und Heiterkeit, Ein Mal von wegen de« heil. Sabbath», da» andere Mal von r^egen de» lieblichen Weine». „Der W«in aber löst die Zchige" heißt e» in allen alten und neuen Bücher«, die sich mit ihm beschäftige«, und baß er bei unserem Maggid nicht dieselbe Wirkung hervorgebracht haben sollte, ist nicht Grund anzunehmen. Tritt hierzu noch der Umstand,! baß der Maggid sonst auch dem größten Manne gegenüber, sto zu sagen, kein Blatt-vor den Mund nahm, so er ihm . > | *) Da« dritte Mahl am Sabbath, da« man gegeu Au», gang desselben hält.