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Jüdisches Volksblatt · 1863-01-01 · 33 (1863) · p. Seite 132

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
10 (1863)
Issue
33 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 132 (sequence 4)
Language
German
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— 132 — Kapitel zu sagen hatte; so wird folgmde Anrehe an Mendel de« freundlichen Leser gar nicht Wunder nehmen: „Red Mendel" — begann er, als er ln Gemeinschaft mit dem Gastgeber so recht fest in der Gemöthlichkeit steckte — „Reb Mendel, wie ich feh', seid ihr (m gediegner öambdea,* *) wie ich ihn noch nicht leicht kennen gelernt; ihr seid ferner, wie ich seh'« ein großer Nogid")!— wie ich aber hör', geht auS eurem Hau» nicht fo viel Eute» 'rau», wie eS sollt'. Eryärt mir nur da», ich bitt' euchj drum!" — Red Mendel, ob etwabefangen, ist nicht bekannt worden, besann sich nicht lange und erwiedert»: „Es steh» geschrieben beim Aofzäblen der einzelnen Handlungen, die dem Menschen schon ein Genuß in dieser'Welt und «in bestehend Gur sind für jene Welt: vra ia:a min na sri Forschen in der heil. Thora gehr über Alle», hält »(tat andern Handlungen da» Gleichgewicht. Darum befcha rig' ich mich anhaltend mit der heil. Thora, und thu' somft Alle». (Forts, folgt.) Jüdische Fabeln und ein von Albert Roseobaum in Schöf^laad. Fortsetzung.! 5. Mit glanzend glattem Felle, zierlichen Füßen und majestätischem Kopfputze rannte der leichtfertige Hi, sch au» dem Dickicht hervor. „O schön, schön," rief e, au», „baß ich -endlich die langentdehrte Freiheit habe ui d die Jager Frieden mit mir geschlossen! Wohl! ich will »lese Freiheit auch benutzen, und fort, immer fort soll e» ge n, gleichviel wohin, und ovschon ich de» Weges^ w cht kundig, wenn ich nur au» dem einengenden Walde ko nme, in die liebe Freiheit, ftei von allen Sorgen und Landen da» Leben genießend!" So rannte er, jede» Stäubchen von sich abschürrelnb, blindlings fort, ohne die Gegen > zu kennen, wo er sich jetzt befand, und plötzlich stürzte «c über einen Felsenabhang in den tiefen Abgrund. Auch der Kreb» hatte seinen Ächlamm t erlassen, um den wärmenden Strahl der Sonne zu genießen, und «qr eia Stück Wege» gewandert, als ihm zu Ohim kam, wie e» dem Hirsch ergangen sei, worauf er rüc!wärt»gehend seinem alten Schlamme zueilte. Da begegrete ihm die Schildkröte. „Wohin geht die Reise?" fragte diese. „Ja den Teich zurück,"" antwortete de Krektz. „Und warum dahin ,Ja. siehst du, ich habe bereit» die Erfahrung am Hirsche gemacht, wie diejenigen, die zierlich u td aufgeputzt und jede» Stäubchen von sich abschüttelnd da siueilen, nur den Weg de» Verderben» einschlagen, und vors chtig gemacht gehe ich in meinen Schlamm zurück."" ,Was!" rief die Schildkröte verwundert ar», „weilein unbesonnener, leichtfüßiger Hirsch den falschen Weg einge- *) Gelehrter. **) Reicher Manu. Lerau verl-g »01 schlagen hat, drßhalb willst du in den Schlamm zurück, und nicht da» belebende Sonnenlicht genießen, da» heute di, Erde bestrahlt? O, so habt ihr Beide Unrecht und handelt Beide thöricht!" ,,„Ei nun"" sagte der Kreb», „„wenn du denn die Weisere bist, fo sage mir doch, wie du e« machst?"" „Ja, siehe! ich genieße die Wonne de» Tage», indem ich allmählich, langsam und bedächtig vorwärts wandele." „ „Und glaubst du denn nicht, daß auch dich eine Gefahr treffen kann, während du dich am Lichte des Tage» erwLmst?" " „Da» hoffe ich nicht," antwortete die Schildkröte, „denn dafür schützt mich — mein Schild von oben!" 6. Sorglos segelten die Schiffer auf den leichten Wellen des Meere» dahin, als ein Schwarm Möven, vom heraanatzenden Sturm getrieben, sich ängstlich schreiend an den Masten de» Schiffes anklammerte. Sofort erhoben die Schiffer ihre Klinten und feuerten auf die geänastigre Schaar, worauf ein Theil derselben tobt oder verwundet heradfiel, die übrigen davonflogen. Im Sterben noch seufzte eine der Unglücklichen: Wahrlich, es ist doch besser, in die Hand Dessen zu fallen, der den Sturm über unS hereinführt, al» in die Hand de» Menschen. Ihr aber, o thörichte, sündige Schiffer! was war denn unsere Schuld, unser Unrecht gegen euch, daß ihr uns so unbarmherzig behandelt? Etwa, daß wir zu euch kamen, und durch unser Kommen euch Sorglosen, Unbedachten an euern Untergang mahnten, dem ihr durch eure Fahrlässigkeit zueilet? Müßtet ihr uns dafür nicht gerade al» dir wichtigsten Vögel unter dem Himmel ansehen? Wisset aber: Er, der dem Meere und dem Sturme gebietet, fthützt un» doch vor eurer Hand, daß es euch unmöglich bleibt, un» sämmtlich und gänzlich auszurotten; denn seht, schon eilen unsere erretteten Brüder andern Schiffern zu, sie an die drohende Gefahr zu mahnen, weil wir die» ewig al» unfern Beruf ansehn, von dem uns abzudringen Nicht» im Stande .ist. Darum schießt nur, schießt nur immerhin. Aber, o, e» ist doch besser, in Gottes Hand zu fallen, al» in die Hand de» Menschen!" Hier verschied sie. — (Forts, folgt.) Allgemeine Zeitung de»3udenthum». No.32. 1883. Leiteode Artikel: Wochenschau. — Literarischer Doche»- berichr. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Darmstadt,Leipzig. München. Preußen: Magdeburg. OesterreichischerKaiser» staat: Wien. Frankreich: Pari». Italie n- Aus Oberitalien- Schweiz: Eadingen,Baden,Bern. —Nachtrag: Philadelphia, Wen, Wien. 'Zn beziehen durch jede» Postamt und jede Buchhaudlnug. Jährlich 3 rhaler. vierteljLhrlich yA Thaler. wörtlicher Redaeteur G. Aritzschr. * SvAMstüs« i» — Dr>S »ob ». flt« 8 f i n g in Leipzig-

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