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Jüdisches Volksblatt · 1863-01-01 · 30 (1863) · p. Seite 118

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
10 (1863)
Issue
30 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 118 (sequence 2)
Language
German
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118 \ Umsonst hoffte er in Hessen, nee er sich in Kockenheu» nicberließ. auf einen freieren Albemzug, da eder die Emanzepakion dorr ausgesprochen worden, um stch zu glößern wissenschaftlichen Arbeiten vorzubereiren; ater das Bürgerrecht wurde ihm verweigert. Hassenpflug darre semen Einzug gehalten, um das Werk Solvester Jordan» \i vernichten. Stall einer milden, wohlwollenden Regierung, wie fl. in ^ambr^cg walrere, fand er eine wiche, di« mit Hohn upd 'Gewalt das Volk zu quälen begann. Die Vorsehung ließ idn nicht los. sie dielt idn in dem Kample est, dem er sein Leo.n gewidmet. Durch den Einfluß Saio ncn Heines erbiete et eine Notarstelle in Hamdurg, die für feine reich« Hegadung freilich, bei der Last rrockner, mühselig« r Geschäfte, wenig geeignet war, der der ihm aber allgemeine i Vertrauen in reichem Maaße enrgegenkam und «eine äußere Nnaddängigkeil völlig-sichgrstellre. Doch hörte er dabei nic,r auf, rur seine Glaubensgenossen zu kämpfen, gegen Bruno Bauer, gegen Srreckfuß. gegen den vereinigten Landtag, telS schlagfertig, bald mir größerem, bald mir geringerem Erfolge. So kam das Jabr 1949 heran, mir ihm i er mächtige Strom einer ungeahnten Bewegung, Cie auch v. » Volk jetzt antried, die Emanzipation der Juden, gu verlan. en, oasselve Volk, in dessen Namen die Herrschenden disber den Juden Recht und Freiheit versagt halten. RießerS Mi den fa.rd.n letzt ihrep Lskn. er ''eldstj wurde in« Vorparlam«nk berufen, vier fand er sich inmitten alter Freunde, um «eue zu gewinnen. In die Paulstirche wurde er von La^estburg entsendet, einer Stadt, wo bis dahin kein Jud' auch nur übernachten durfte. Bewältigt von dem Ei! druck einer Versammlung, welche so viel« Größen der Na'ion in sich vereinigte, mißtraute er der eignen auf wichen» Kamfplatze noch unerprocten Kraft und trat in den erste« Monaten nicht hervor. Endlich, am 29. Apnt. warf?J!ori& Modl einen Handschuh hin. den Rießer aufoesen mußte, oa Modl zu H. 13 der Grundrechte cen Verd.fferunesanrrag gestellt Hane: „cie eigenkoumlichen Verhälknissr r »Jüdischen Volksstammes einer d,sondern Ge etzgedung durc ca« Ru» vorzud^halren", und dabei Oie ganzen Vorurtbei < »eraiker.r voikswirltzfch tfrlicher Docrrinen :n einer leide r chaftUch.n Rrdesim vermeinten Interesse der Handwerker wo Bauern auskrqmte. Zum erstenmal bestieg Rießer bi«? tccnerdühn« und wies den schnöden Angriff mir einer Hoheit un» Uederlegenheir zurück, welche ihm die Herzen d.r ganzen Versammlung und den Ruf als eines der beten Rednrc gewann. „Rieß,rs Starke als Redner", sagt B»ed rmann mir Recht, „beruht hauptsächlich auf einem starke >. sittlichen Pathos, daneben auf einer scharfen Dialekti' und einer geistreichen, sinnigen Weise, moralische und politische Wahrheiten aut der umhüllenden Schaale verwo rener Tharfachen wie einen leuchtenden Stern in großartiger Einfachheit und Klarheit hervortreten zu lassen. Er besitz ein..ußerordentliche« Feingefühl für die verstecktesten Ver weigungen, sowohl des ihm gleichartigen Edeln, al» des ihn abstoßenden Gemeinen, und er weiß mit wunderbacer Kun \ für jenedie lebendigsten Sympathien, für dieses die tiefste Entrüstung in den Herzen seiner Hörer zu entzünden". Wenige Tage spater, am 7. Septbr.. wurde er in den Drrfassungausschvß, am 20. Lrtdr. unter Eagern und Simion in bas Präsidium der Reichsversammlu lg gewählt, und gehörte der Neuner Comission an, welche I ie von den verbündeten 3 Fraktionen des rechten Centrum» >u fassenden Beschlüsse vorzuderathen hakte. In allen diesen Stellungen har er einen bedeutenden Einfluß ausgeüdl; seine vereinst zu sammelnden Reden werden davon lebendiges Zeugniß geben, wie er neben dem reinsten Wollen die ruhigste Besonnen- . heit vorherrschen ließ. Die Kaiseroepulauon führte Rießer ' nach Berlin, Oie Erklärung vom 2. April, welche Graf Brandenburg gab. war zustünmenv, Des,Irr und Rießer wuo.n adgeorünel, die zu erwartende Antwort in Empfang zu nehmen, welche eine zustimmendr Zusage enthielt. AlS aber am 4. April die königlich« Antwort nur auf ein Anrecht lautere, welches der Beschluß der Frankfurter Versammlung für Preußen enthielte, und bi« Annahme der Kaiserkrone von der vorgangigen Zustimmung der Deutschen Regierungen abhängig machte, da war es wieder Rießer, der da» von Simson formulirre Protokoll niederschried, durch welches dem Könige die Unterschrift offen «ihalken blieb, wenn er wieder auf den Standpunkt des 2. April zurückkäme. Nach Stuttgart zog ec nicht mit dem Reste der Frankfurter Versammlung; er wollte da« Schiff, welches Deit'chiano» Hoffnung getragen. nrchl an den jähen Klippen der R.volukion scheuern lassen. Ai» nun Preuß.n sich dazu hergab, in der Unionsverfassung eine Handhabe für den Deutschen Bundesstaat zu schaffen, nahm ec von seiner Dalersiadl, welche am 23. April lv40 in Aus^üorung Sec Deutschen Grundrechte, die bürgerliche Gleichstellung vollzogen haue, das Mandat - nach Erfurt an. Allein erfühlte bald, baß auf den Sturm eine lrude Gleichgültigkeit gefolgt sei, „denn die Segel jcMouern in dürftigem Lurrzug", rief ec bedauernd au», „und so lange sie nicht von ernem frischen Wehen der öffentlichen Sympathien geschwellt werden, wirb ter Gedanke de« Bundesstaalk« nicht verwirklicht werden, den Gleichgültigen unterliegen. die ihn nicht wollen, und über Bord geworfen w.rden." -Die» geschah; Rießer kehrte zu seiner gewohnten Thäligkeir zuruck, die er nur curch Reisen unterbrach, von denen e.ne ihn nach NorchÄmerika führte, welche er auch m den ^Preußischen Jahrbüchern oeichrieden. Da er unvermählt gebjirden, umfaßte er mit seiner aufmerksamen Lieb, alle feind kleben und Freunde. Er suchte auf Reisen Verwandte und Bekannte in ihrer Heimarh auf und war so für Viele ein Lereinigungs- und Berührungspunkt, wenn sie noch in kein persönliche» Verhältniß zu einander getreten waren. Seine Briefe werden deshalb für die Kennrniß Deutscher Zustände eine zuverlässige Duelle, für den Ausrausch Deutscher Hoffnungen ein treuer und kundiger Vermittler werden, sobald sich die ^Freunde entschließen, sie der Nachwelt ■ zu überlassen. Niemals har er es fehlen (affin. Die Gedenktage seine - weiten Familienkreises durch Brief« zu feiern; sie trafen auf Tag und Slunde ein, j denn die Verwandten und Freunde waren ihm ein Schatz, den er getreulich pflegt«; insbesondere mit hochgebildeten Frauen har er einen Briefwechsel geführt, der, mir Aus- , wähl veröffentlicht. den Dahingeschiednen in vollster Klarheit un» adspiegeln würde. Vielen Hunderten ist er eia Helfer in der Noth geworden; in ihrer Seelennoth. wie in ihren äußern Bedrängnissen har er ihnen zur Seite gestanden, denn in ihm wa^ der Zug echten Wohlthun«, der in dem Umgang mir der Nord da» eigne Selbst zu täurem und zu »rweirem wußte, und den Standpunkt freier und reiner Sittlichkeit

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