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Jüdisches Volksblatt · 1863-01-01 · 30 (1863) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
10 (1863)
Issue
30 (1863)
Date
1863-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Bolksblatt. Zur Kelehtimq unk) UnterGaftung auf jüdischem steGiete. (No. 30. 1863.1 Herpusgcgeben von Rabbiner vr. LsdwigsPhiliPps«« in Bonn. - -_i. -i- - _ ■ Vou bidtr ädtfArift erfdeioi w»«h»Utch ei», IRBnan. Preis de« a»brft-ug« l Tblr. «icneliabrift 7 X sigr. SUe V«bda»vl»«»e». Pcüämlcr und Zeini»a«er»ediliöa«n a«h«e» Peftellunge» au. [10. Jahrg. 3. ^usrtfllI' Gabriel Rießer, eia jüdische« Lebensbild von ZuliuS Pilippjon, »aüsmann in Magdeburg.' (Schluß.); Sein Schi war musterhaft, der Erfolg der Schrift j weichinreichenv, denn von nun an warb die Frage der Judenemanziparion eine Forderung aller FreiheiKfrei^nd« Deutschland«. Um so reger wurden nun die Feinde, und j al« Professor Paulu« in Heidelberg, ^einer jener rationa» j lististhen gehaltlosen Mäuldelbm de« kirchlichen Liberali«- > mu«, in einer weitschweifigen Denkschrift „da« Opfer! einet unschuldigen Eeremonie" von den Juden, per» | langte, wenn sie von den Deutschen al« gleichberechtigt, betrachtet werden sollten, da erregt« er Rießer« Zorn in so! hohem Maaße. daß dieser, de« Schlafe« beraube und auf-! gebracht, in 8 Tagen die denkwürdige Gegenschrift: „Verchei, j digung der bürgerlichei^Aleichstellung derJuden gegen die Einj würfe de« Dr. Paulu«, den gesetzgebenden Versammlungen j Demschland« gei^ibmet", anfertigte. Mit schneidender Polechik,! wie sie di« dcchin noch kein Jude gegen einen Edristrn ] geübt, packte er den Gegner, zerschmetterte er b«n Widersacher und zeigte ihm die Blößen seine« Denken« und Standpunkte«. So mußte er gegen Liberale wie gegen Conservativ« gleichmäßig antämpfen. Da von jetzt ab dir Judenfrage in allen Kamnier» Verhandlungen Deutscher Staaten zum>Durchdruch kam, degrünbete Rießer die Zeitschrift „der 3»ta", in welcherer diesen Verhandlungen eine eingehende Darstellung und Kritik widmete. Schon der Name bezeichnete, da sowohl Juden wie Christen bisher denselben ängstlich gemieden und da« Wort Jude nur al« Kränkung betrachteten, daß sich Rießer diese« Namen« nicht schämte, und ihn zum Schiboleth der höchsten Güter der Menschheit machte. Er hatte dabei die traurige Aufgabe, selbst den Führern der liberalen Parsei, wie Jtzstrm, Pollack, Welker, den Abfall von ihren eigisen Grundsätzen bei der Judenfrage nachzuweisen, und da Batzen mir den freisinnigsten Jastiturionm voranging, nur in der» Gleichstellung der Juden die Stände den alten Bourtheilen Gehör gaben, trat Rießer furchtlo« und kühn gegen di« obigen Männer auf, um ihnen ihren eignen Wibertzruch ' Kar zu machen. Nur Karl Welker hat seinen Jrnhum > freimüthig und männlich eingestanden. Der allgemeinste Beifall wurde dem kühnen Borfechter zu ^lheil; die Gemeinden Baden« sorgten für die Der drettung feiner Abhandlung durch besondere Abdrücke derselben, die Baierischen Stände sprachen schon ein kräftige« j Wdn zu Gunsten der schmählich Geknechteten, in Kurheffe» ward die volle Gleichberechtigung zum Gesetz erhöhen.! Schon früher war er zur Einsicht gelangt, daß kein politischer Fortschritt auf irgend einem Gebiete de« staatlichen Lehen« für Deutschland "gesichert fei, wenn Preuße« hinter demselben zurück^eide. Einer meisterhaften Schrift: „Betrachtungen über die Verhältnisse der jüdischen Unterthanen der Preußischen Monarchie" 1834 har er mehrere archere folgen lassen, von denen wir nur „die Besorgnisse und Hoffnungen für die künftige Stellung der Juden in Preußen" 1842 wegen de« Reichthum« an Gesichtspunkten hervorheben, die er für die Beurtheilung der nebelhaften Romantik der damaligen GesetzgedungSversuche aufstellt. Alle Phasen der legislativen Arbeiten in Preußen, von den Gutachten der Provinzialstände di« zu den Verhandlungen 4>pn 1860—1861, hat er mir seinem einsichtigen Rath, seinem Einspruch, mit seinen Warnungen begleitet. Hatte chan hier „den ChriMchen Staat" erfunden, um von ihm au« die Juden in ihren Rechten verkürzt zu halten, so lbe» üuchtete er auch diese Frage nach allen Seiten hin, bekund^« er auch hier seine tiefe politische Einsicht in da« Wesen he« Staate«, wo man jetzt versuchte, brutale Gewalt für wahlbegründete« Recht auSzugeden. Diese Schriften bleiben kür all» Zeit eine Fundgrube der Belehrung, denn ihr sittlicher Emst, die Wckrme .be« Mitgefühl« für di, Leidm uaster Brüder, ihre künstlerische Form machen sie würdig, m« Bibliothek jede« Judm zu zierm, sein Herz mit Liede für unfern Glauben zu erfüllen. | Auch in Hamburg suchte jetzt Rießer für die Juden zu wirken; sie hattm nicht die freie Erwerd-thätigkeit, von allen Gewerben warm sie durch Zunftdmck ausgeschlossen, e« war ihnen. nicht einmal gestattet, zu wohnm, wo sie wolltm. Eine l Denkschrift von 1834, meisten« Rießfe« Werk, wurde darüber dem Senat überreicht, der die Same bessemd »n die Hände nahm. Da stacheltm die Geg^eer dm souverainen Pöbel gegm die Judm auf, der in Ktawallen und feindlichen Demonstrationen seinen Haß bekundete, und der eingeschüchterte Senat ließ die Angelegenheit 41« unzeitgemäß fallen. Dieser Vorfall, so wie die aiederfchlagenden Folgm, bi» sich daran knüpften, — Rießer hatte di« unschuldig Angeklagtm ohne Erfolg vor dem Geriet verteidigt — bestimmten ihn, seiner Baterstad« den Rücken zu kehren, ein Entschluß, om seine Freunde nur ehwa konnte». Am 27. April 1836 überreichten sie ihm estre Dmkmünze, die' sie ihm zu Ehren hatten prägen lassen,, um „dem Streiter für Recht, Wahrheit und Freiheit i^re Dankbarkeit zu bekunden.

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