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Jüdisches Volksblatt · 1863-01-01 · 29 (1863) · p. Seite 114

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
10 (1863)
Issue
29 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 114 (sequence 2)
Language
German
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114 - Stellung eingenommen haben. wenn schon er kein eigentlicher Stubengelehrter war! Ihn wiesen vie IZücher mehr auf da- Leben zurück, und dadurch bildete er ich dir Gabe aus, durch Beobachtungen an dem lebendigen Lei >e des Lebens den G.i'etzen seiner Krankheit und feine, Genesung nachzugehen und durch persönliche Berührungen aas Reisen Mit den Leitern der A.itocrnaltnissr einen unmittelbar.n Verkehr zu erhalten. ‘ ’ So kcbrte er 1840 nach Hamburg zur« t, um srine Kenntnisse als Anwalt zu verwerthen. Oie l aduldiamkeit seiner Vaterstadt trat diesem Vorhaben enigegln, zu dessen Realisirung man von ihm nur „eine unschuldig Eerewonie" verlangte. Er wies dies zurück, und so veranl »ßke ihn dieser Widerspruch zwischen dem vollen Bewußtsein deS RechtS und den herkömmlichen Satzungen, die an dessen Stelle getreten, der Anwalt seiner unterdrückten Glgzi densgenossen, de» Rechts und -der Gewissensfreiheit zu werden. Um dirse.de Zeit, wo Börne seinen Glauben verl issen und im finstern Unmurd d,e Waffe zur Seite warf, d e ec für baS Recht seiner ehemaligen Glaubensgenossen gef» hrt, denen er ein bloßes „Schreit, Schreit!" zurief, erstand diesem Rechte in Rießer ein treuer, beharrlicher Dorkämpfei. Nicht der Zorn war sein Pathos, sondern di, Liede u» d die Ehrenhaftigkeit, mit der er die ewigen Wahrheit, i des ZudenlhumS, die ein trefflicher hochgebildeter Barer der kindlichen Seele eingeprägt hatte, verföchte Und eben a iS dieser Liebe, »fl, stammte Aeußecungen wegsetzt unc Alz gesunder dirrern Entchen Naturen htt Glaubens Nach dem weil sie das Ewige und Unvergängliche umf « e Humanität und sein Rechtsstnn. beide du einer starken und gesunden Seele, frei von jedem. Auge weichlicher Sentimentalität, die sich leichtsinnig hber die realen Bedingungen des menschlichen Daseins hi häufig eine Weit von Men'chenwobl erträumt. K.aner des Mcnschenrhuzn« dlicben ihm die täuschu'ngen erspart, durch weiche bei phanrasti die Lrebe sich so leicht in Haß.verwandelt. Und wohl thar es Noch, daß den Zud^n wieder ein Mann erstand, der mir dem vollen Bewußtsein den Gegnern und Abtrünnigen entgegenrrak. Tode Mendelssohn» hakte sich ein jüngeres Geschlecht herausgedildet, welches den verschiedenen Mißbrauchen des rabdinii'chkn Herkommens enraegenwirtre. E > .rrak damit ein Streben berdeiq,führt, alle Einseitigkeit de» Iudentduins aufzttgeden. und die Herstellung eine« vom < ilauben Nicht bedingten Meni'chenthum» nrt Leben jtf' erreichen. Diese von allen Serren wlesechaUenben Rufe fanden ihren Weg auch «n die Synagoge, wo sie oie Mwdr uche in Zulle vorhanden. Dabei war noL der U-belstanv, drß'öie Mknge dem Klug» Einzelner nicht folgen ronnre, de stch um so mehr deshalb den Banden der Geourc ui d väterlichen S'lre entwanden. -Welcher Widerspruch entstand ferner unter den bUnden Anhängern de« Herkömr »lichen, wenn das B.ourrniß nach wahrer Andacht h.rvor rar, so daß viele deshalb au» Verzweiflung oder ( igenuutz der Sonagoge entsagten, die nach dem Preußischer Gesetz keiner Ordnung in ihren veralrrten Formen uul.cr»orfen werden sollte. Oie Regierungen, aller neuen Sekt rcrei abhold, standen auf Seiten dft Menge, welch, r jede Bewegung zuwider war, und wir stehen verwundert dl, wenn wir jetzt die seltsamen Verfügungen einzelner $ eHörden lesen, welche statt zu prüfen, die Gutachten unwisse ider Rabbinen einbolren, um,, auf sie gestützt, die Entwicklungen gänzlich zu Hemmen. Der Grund lag in dem Mangel aller jüdischen Wissenschaft und in d.m oberflächlichen Streben der leitenden Geister, der äußern Erscheinung des Zudenthums eine gefälligere Form zu geben, anstatt sich deS KecnS zu de, mächtigen und ihn mir Festigkeit und Wahrhaftigkeit geschichtlich darzustellen. DaS ganze Gebiet des innern Religion-- wei'enS zerfiel, denn von dm allen Polnischen Rabbinen wollte Niemand etwas wissen, das Gebier der Religionswissenschaft ward immer dürrer und öder, und so war eS wenigstens ein Glück, daß in dem Hamburger Tempel 1808 ein würtigeS Vorbild für die Synagoge erstand. Lgmit wurde wenigstens die Theilnahme an gottesdienstlichen Reformen wieder erweckt, in den Streitigkeiten darüber di« Blldungsfähigkeit des ZudentbumS bekundet und somit der Erkenntniß seines geschichtlichen Berufes als Welrreligion oie Bahn gebrochen. Man fing an zu fühlen, och bas ganze Leben des AwenthumS von innen heraus;u> kräftigem Bewußtsein, zu wohlgeordneter wissenschaftlicher und bürgerlicher Tyäligkeir, wie zum vollen Eintritt ii^ die Europäisch.' Gesellschaft hingeleiret werben müsse. Als nun während dieser Versuche die Rückschritte der Gesetzgebung auch die Regsamsten durch Vernichtung auf Aussicht einer Verwendung der ausgeaildelen Fähigkeit.« zum Abfall vom Glauben brach len, und, wi. Eduard Gans, 'stk den väterlichen Glauben verließen, da war es das schöpferische RectnSgefühl des lung.n Ri.ßer, welches diesem Treiben ein Ende machte. Ltnn fiel oie Aufgabe zu, ererbtes Unrecht, fehlerhafte Maßregeln der Gesetzgebung, Ojr^ Willkür der Machthaber sriner scharfen, immer zutreffenden Kritik zu unterwerfen, die Juden und ihr Rechtsdewußtfein auf sich selbst zurückzufuh^en. Ec 'übte diese Polemik, aus Pflicht und sie ward durch ferne Humanität innerhalo der gebührenden Schranken gehalten; nur um der Ehre und um der Wahrheit willen, denen er durch irjnern Beruf verpflichtet war, delrac er den Kampfplatz. Rur der Rohheit und adsichrlichen Verdrehung gegenüber zefgke er oie tiefste sittliche Entrüstung, der er die gediegensten £ßort» unterzulegen wußte. Gegerianstchren wußte rr;ulrichtzuieg'N und mit dem reichen Aufgebot seiner geistigen Mittel zu bekämpfen. Als er sich von der Ausübung der Advokatur zurückgi sitzt sah, „schrieb er unter dem Einfluß dieser Stimmung se n Buch" „über die Stellung der Bekenner des mosaischen öhauoenS in Deutschianv", daS in wenigen Monaten die zweite Auflage erlebte.! Oie reife Durchbildung und Klarheit feines GeisteS, d» Unabhängigkeit und Entschiedenheit seines Eharaklers, der ganze Mann, wie ec leibte und lebt,, ira: gleich in dieser ersten Schrift zu Tage, die insofern epochemachend nar; als sie fortan jeden politischen Ma»ln nöthigre, eine distimmle . Stellung zur Frage einzunehmrn. Von jetzt ad n|ar die Zuvenfrage nicht mehr ein Tummelplatz lheotogis^)er und volkswirthschaftlicher Balgereien, sondern R. wi«S den Zusammenhang derselben mir allen übrigen Zwecken der liberalen Partei nach, von dem diese bisher Äine Ahnung gehabt, die sie als unbeuksch bisher streng v m sich gewiesen. Mit einer Umsicht und Geduld musterl d r sonst feurige junge Politiker die Ansichten der Gegner, eiltträftet sie, deckt ihre Fehlschlüsse auf, weist die Unhaltb lrkeit der geschichtlichen und staatsrechtlichen Grundlagen niid», und dringt mir schneidender Logik in jede Falte deS

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