Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1863-01-01 · 28 (1863) · p. Seite 110

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
10 (1863)
Issue
28 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 110 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/4908862-5999384-6026604--2466-4910821
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

110 vorhanden vom Hause Lesfing-" im buchstätticlen Sinne. Und, gottlob, auch in diesem Sinne sind t» c heule so glücklich, diese Frage bejahend -erwiedern zu k innen.— Von nah und fern sind sie herbeigeeilt, die um Hause Lesungzählm; von nah und fern sind sie gelommen die Familienglieder Dessen, den wir den Stolz D urschland-, die Aier der Menschheit nennen: bei un-, in ur serer Nahe weilen sie, die theildemselben Stamm entspnssen, theil« denselben Namen führen. Möge, wie die Familienlradition, der Fanilienname unter ihnen sich forterbt, also auch Lessingjcher Geist, Lessingscher Sinn, Lessingsche« Streben ei.ne bleib nde Statte unter ihnen finden: ihnen, den Namenstragern, den Kamiliengliedern, den Angehörigen LesfingS gilt uns r donnemdeS Hoch!!" j Mein Garten. l d Luft Ich habe einen Gaiien. Darin sind Bäume und Kräuter gepflanzt, -die ich sorgsam gepfle« von ihnen haben sich zu herrlicher Blüthe entfi l haben köstliche Früchte getragen, jene an Dufi schmuck und schöner Gestalt so reich, diese ladend u Und daneben stehen andere, die nicht aufgekom'mHi kümmert oder verdorrt ihre nackten Reiser in die dann und wann durch ein grüneS Blättchen verrathej» nicht alle Lebenskraft darin erloschen. Warum frage ich. Ist eS doch derselbe Boden, der sie sie doch dieselbe Sonne beschienen, derselbe Rege» Mein erfahrener Nachbar belehrt mich: Dl. deinem Garten viele Pflege gewidmet, aber Pflanzen darin dieselbe. Sieh, einige von ihn> lässiglest du, weil du sie nicht achtetest und i! nicht.kanntest, und glaubtest, daß sie ohne Wa von selbst gedeihen würden. Ader du irrtest, nun verkümmert und abgestorben dastehen, f Lücken und den Mangel.! Aber dies nicht alle von den Pflanzen liebtest du allzusehr, freuces Keimen-. und Wachsen« in zu großem Maß du sie übermäßig befeuchtet, ihre zarten Bläkt betastet und gereinigt; daS konnten sie nicht v« gingen auS. Ich war betroffen und gedankenvoll. Ist ei so, sprach ich leise, im Garten der Familie? mit der Pflege und Erziehung der Kinder? ebenso wenig vernachlässigt, wie allzusehr gezoger oder verzärtelt werden, sollen sie gedeihen. Und sich dann die Eltern, wenn sie an ihren Kin schieden« Erfolge gewahren, so verschieben von nungen und Erwartungen. Noch mehr, fügte der Nachbar hinzu, ebenso um. unser eignes Selbst? Unser Geist ist von der Hand de-Herrn bepflanzt; und er hat selbst alS Gärtner angestellt. Ader die ma Gaden und Eigenschaften in unserem Berstan und Charakter «erden von uns sehr verschieden köstliche Anlagen gänzlich vernachlässigt, dieser Trieb dagegen unmäßig gepflegt; jener verkümr > überwuchert. Und da staunen wir denn, wenn und Mängel an unS überall offenbaren, wem SträUcher '. Einige let, einige 'FardenfLuigend. die verstrecken, d, daß noch dienun? trägt, hat getroffen! hast zwar nicht allen m vernachcm Werth lung schon und da sie du die n. Einige dich ihreda hast r allzu oft kragen und nicht ebenebenfo < rie dürfen , bearbeitet, a wundern so verhrea Hoff- £ licht und Krankhaftes, Heilsame- und Schädlich,- in dem Garten unsere- Geistes durcheinander wächst, und es in ihm zu einer regelrechten, harmonischen, an Blüthen und Früchten reichen Pflanzung nicht kommt. Ich habe einen Garten. DaS fruchtbare Erdreich wuchert mitten unter meinen Pflanzen zahllose- Unkraut hervor. Ich bin eifrig dahinter und mit Hacke und Spaten suche ich ehinweg zu hauen, wo ich «S find,. Aber eS hilft mir wenig, und nach kurzer Zritchrängt eS -sich wieder da hervor, wo ich eS weggeschnkiten. Mein verständiger Nachbar belehrt mich. Daß du die üppigen Schößlinge de- Unkrautentferntst, genügt wenig. Du mußt esorgsam mit der Wurzel herausreißen; nur dünn, wenn diese entfernt ist, kommt eS nicht wieder. Das' heißt, diesekommt nicht wieder; aber die Luft ist vom Samen de- Unkrautgleichsam erfüllt; sie trägt die unsichtbaren Körnchen und Federche« von allwäct« her, läßt sie hier und da fallen, und wo sie fruchtbaren Boden finden, sprießen sie auf. Stein und Wüste freilich geben ihnen keinen Raum. Du mußt also immer wachsam sein, um auch daneue Unkraut immer wieder au-zujäten. Doch noch eine Vorsicht: wenn du das Unkraut mit der Wurzel entfernst, nimm dich in Acht, baß dein Spaten nicht auch die Wurzeln nützlicher und schöner Pflanzen zugleich trifft, so daß du dieser mit verlustig gehest. Ich schwieg betroffen und sann nach. . Da blickte mein Nachbar lächelnd mich an und sagte: Zch weiß, wadu nach deiner Weife herbei denkst. Mit dem Garten unsrer Seele verhält eS sich ebenso. Gerade in dem reichbegabten Geiste wuchert da- Unkraut böser Begierden und Leidenschaften am ehesten, und dazeitliche Weäschneiden derselben, d. i. die Beseitigung irgend eineschlimmen Gedanken- und Wunschehilft nur wenig, sondern der böse Trieb muß mit der Wurzel au-gerottet werdens, wir müssen mit Achtsamkeit und Entschiedenheit die schlimme Neigung zu erkennen und völlig auS uns hekau-zudringen streben. Dabei müssen wir wobl bedenken, daß kein Alter, keine erreichte Stufe der Sittlichkeit davor geschützt ist, daß nicht Ver' hältaiss«, Umstände und Ereignisse zum Bösen auf unwirten, und den Samen verderblicher Leidenschaften, die wir bidahin nicht gekannt, in den Boden unsere- Herzenstreuen. Jedennoch müssen wir wissen, daß der Schöpfer mit Bedacht unsren Geist der Erregung, der leidenschaftlichen AufzvallunA der treibenden Kraft fähig gemacht, und daß e« ohne diese in unS leben-matt und tobt wäre, sind auch nicht- Edle- und Schönesprießen könnte. Nehmen wir unalso wohl in Acht, daß wir, wenn wir den Trieb de- Bösen au« unhinweg schaffen, nicht auch die Wurzeln de- Guten und Erhabenen in unverletzen und unsre Seele zum tobten Brachacker machen vor der Zeit. st e< nicht in Garten, - bei un« ichfgjtigen ^Herzen ^handelt; und jener ert,. dieser sich Lücken Gesunde- Gnadengesuch von Israeliten für Protestanten in Spanien. Bekanntlich sind vor Kurzem in Spanien einige Protestanten wegen Verbreitung der Bibel zu LOjährigem Kerker verurtheilr worden. Bon den verschiedensten Seiten wurde bei dem Ministerium und der Königin von Spanien um Begnadigung gebeten. Lange stand die Sache an, di-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.