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Jüdisches Volksblatt · 1863-01-01 · 28 (1863) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
10 (1863)
Issue
28 (1863)
Date
1863-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Bolksvlatt Z°r Heiehrung und Unleehstlung «-ns jüdischem Heüiete n 9fo. 28. 1863.] Herauagegebeu von Rabbine^ vr. Ludwig Phüippfon in Bonn. * Dm Mefn AdNchrift trttdat »SNoNich die fhnaaer. Prrt» bd » I»»g« l Z»It vteNeljahd> 7 X «>,. Alle V»chb»R»l»»o«>, PoKti »d Adt»»o«ekv«dltloGe» «(an BefeuKSs» «a. [10. Jahrj. 3. chaartal. Das LesfmgSstft in Kamenz. Am I.Juni e. wurde zu Kamenz, der Gedurtsstabt LessingS, die kolossale Büste desselben unter großen Feierlichkeiten enthüllt. Zahlreiche Fremde waren .zu dieser Feier herbeigeströmt und Ehrengäste, unter denen auch einige Glieder der Lesfing'schea Familie, waren eingitroffm. Auch der Predigerve.Goldschmidt auSLeipzig war' unter den Tetadchlen, und als der Bürgermeister Eichel auf der Rednrrdsthae denjenigen den Dank aussprach, welche zup Herstellung ^es Denkmals thältg mitgewirkt, hob er auch unter diesen! den israelitischen Prediger ganz besonders hervor. Unser Gold, schmidt nahm aber auch an der Feier selbst einen thäffge« Antheil, und nachdem der Professor Wr Wuttke hie Festrede gehalten, sprach auch Toldschmidt, worüber der iBerichterstatter V«S „Oresdeper Journals" folgendermaßen sich ausläßt: : „An seine Rede schloß sich eine Ansprache des Herrn l)e. Toldschmidt aus'Leipzig an, die Anwesende« in ihrem innersten Innern packend und hinreißend, wovon wohl die feuchten Avgen der Hörer ein vollgiltiges Zeugniß abgelegt haben. * I AlS Jude trat er auf, um den Mann zu preisen, welcher ln seiner Geistesgröße und Gemüthstiefe, in seiner Kampfoereirhett gegen Unfreiheit und Selaventhum und für Recht, Licht, Menschenthum und Menschenwürde >den langen und schweren Kampf gekämpft und in seiner „Emilie Talotti" bi« Ehrenhaftigkeit, in seiner „Minna vvy B^rn-, Helm" die Batertandsliede und in seinem „Ratdaa" die HumanitÄ verherrlicht habe, um dem Manne inDKachen des gesachimren deutschen Judenthums zu danken, welker in den Mund des Juden „Nathan" gerade die Wbrte der Weisheit gelegt habe. — Bei der Feier eines solchen Mannes — fuhr ec fort — chürfe auch der Rabbiner nicht fehlen, um der Pietät des Judembstms Worte zu geben. Nachdem Hr. l)r. Toldschmidt in wahrhaft ergreifender Weise aufg,fordert halt«, daß sich gechde an dieser Grelle di, verschiedenen Eonfessionen zur Toleranz die Hand in Einigkeit reichen möchten, schloß er mit einem Gleichnlß: „„Gin Weiser deS^Morgealande» hade'^i»' müden Glieder durch das-Bad in einem-Hellen Lache j«r» frischen wollen. Beift»^ Untertauchen habe er eine Schpllr ergriffen und aus dieser sei ihm ein lieblicher Duft chit« gegengestrswt. Auf seine Frage, wie es komme, daß >geradr sie so bevorzugt sei, habe die Scholle geantwortet, es habe früher ei» Rosenstock in ihr gestanden und daher sei ihr der liebliche Dnft geblieben. Kamenz fei di» Schöffe, aus welcher ein herrsicher Baum, unser Lessing mpdrgewachsen sei." " ' Nachdem der Redner unsrer Stadt ein „H ch" gebracht, tönte seinen Blatte« ein langer, anhaltend« Judel¬ und Beifallsruf nach. . Bei dem Dkstmlahle wurden* stlbstverständii h viele Toast» ausgebracht. Auch Toldschmidt thal du», und zwar zu Ehren der Anwesenden Ttieder der keff Ng'scheN Familie und zwar mit folgenden Worten: Bei einer dem ANdenken des bibelfesten Lesfim gewidmeten Feier »virb es wohl nicht unangemessen s ln, an rinr Bidelstelle anzutaüpfen. Bon David, dem gkrösite« Psalmmsänger, von David, dem Mann mit dem »eiche«, fühlenden Herzen, lesen Wir, - wie er, ergriffen on der Todesnachricht seines Herzensfreundes Jonathan l msaldea betrauert und beweint: doch kaum hatte er von de»» eisten Schmerze «ulZetrnaßea sich erholt und ln eine« v»n dem Hauche der zartesten Emstfindung durchwehten L ede der deidersttrigen Freundschaft ein dauerndes Denkmal «reichtet da rief er ans: „Ist Niemand mehr vorhanden vor > Haus Sauls, auf daß ich Liede ihm erweise um meinet Freundes Jonathan willen?" Und also schwebt gewiß Allen, dft der heuti zr Tag hierher gerufen, um dem großen Sohne Deurschla »ds ein Denkmal zu errichten; Allen, die hier versammelt st >d, um das Andenken Lesstngt zu feiern; Allen schwebt ge »iß! die Frage auf den Lippen: „ist Niemand mehr Vorhand» vom Hause Leffing«, auf daß wir um seine« großen »« klätten -Ahnen willen kkrdjz ihm erweisend" Sprächen wir vom „Hause Leffings" in bilsilchem Sinne: fürwahr, nicht weit brauchten wir fl« zu fache«, di« zu diesem Hause zählen und gewiß, nicht gering «ffrde die Zahl derselben sein, denn All« die. in deren Geist und Gemüth die Saatkörner sind aufgegangen, die der wafflose Leffing ausgestreut, zu seinem Hause-zählen fie; «l^der sind sie jener großen Familie, die, wie räumlich ajrch! gelrennt, doch aufs Innigste mit einander sind v and inniglich einander angehören, und gar rmmchch Ausspruch unseres Lrsstng selbst^ möchte za solcher Anffasstng eine gar treffliche Handhabe bitten. Im keffingstden> Sstme ist der Kreis der Angehörigen so enge nicht gezogen, daß er innerhalb der nur durch l Sande des Blutes Verbundenen seinen Adschlaß fände: sein der ganzen Menschheit nur Menschenkinder als Glieder umfahr. —' Gleichwohl fassen wir jeae Frage: „ist Niemand schrankenloser Geist konnte! ü» di« Grenze finden, die allle einer Familie einfchließt tut nif^r

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