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Jüdisches Volksblatt · 1863-01-01 · 27 (1863) · p. Seite 106

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
10 (1863)
Issue
27 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 106 (sequence 2)
Language
German
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106 In London lernte « Miß Anna Gokdschn ivt -mm», die 12 feiner Predigten 1839 in« Englische S »erseht harre und an allen 'Geiste«produetea der Juden m ch jetzt den regsten Antheil nimmt; in Dresden wohnte er bei der Freundin, Frau Clara Bondp, di« in ihm tat geistigen Vorkämpfer de« Judenthum« und den Fr« und MofeS Philippfon'S, de« Manneverehrte, durch den sie i rit Salomon bekannt gemacht wurde, und den sie bei Lei zeit so hochgefeiert, wäbrend sie selbst in ihrer Wohltk ätlgkeit und Einfachheit ein Muster für alle jüdische Fraue i sein kann; in Wien fand er bei Mannheimer gastlich« Aufnahme. Er predigte dort am 17. Septbr. 1833 übe« die Bedeutung de« Monal Elull, erntete den größten Leifall, der auch von dem Vorstand« in Uebersendung e ner goidnen Tabatibre und eineanerkennenden Echreiden« seinen Ausdruck fand. So feierte er am 1. Novbr. 1854 siinen siebenzigsten Geburtstag, umgeben von Kindern und Enkiln, beglückwünscht von nah und fern, denn man ehrte in ihm den Mann der Wissenschaft, der thatkcäftig in sein rt Gemeinde wie für die Ferne gewirkt und gestrebt. Der Mensch aber ist da« Product seiner Schicksale, seine« Wir enS, wie er sich dasselbe zurecht zu legen weiß. Die Verhältnisse, unter denen er sich entfaltet «mb bewegt, die Erfahrungen, die ihm das Leben und sein Herz auferlegen, de Umstande, welche ihn hemmen oder fördern, prägen sein Wesen auS, gestalten fein Verhälrniß zu den Mitmenschen Salomon hatte in feiner Jugend und in seinem Manne alter so viel deunerwarteten Guten erfahren, er war di für dankbar und der Sonnenschein des Glücks befähigte ih t noch mehr mit heitrem Gemürh« die Seinigen zu erfreu«,; wie nach allen Seiten hin Gutezu thun, wohlthäl g zu wirken und die Achtung der Ebeln zu verdienen. Inzwischen fingen di« Kräfte de« so geif ig bewegten Mannean sich zu mindern, der am 13. Mar; erfolgte Tod der treuen Lebensgefährtin beugte ihn noch mehr, und so entschloß er sich im April 1857 se n Amt at« Prediger und Lehrer niederzulegen. Schon a n 16. April geschah die- und rief er seiner Gemeinde in sein:r AdschiedSpredkgt zu: „bleibet treu dem Gott unsrer Täter und bewahret mir Eure Liede", welche ihm auch bis zu seinem Ende gttreulich zu Theil wurde. Er lebt« noch still im engsten Familienkreise bis zum 17. Novbr. 1862, wo er nach 12tägig«r Krankheit au« diesem Erdendasein schied, umgeben von Kinderrs und Enkeln. Sein Begrabniß war feierlich und feinem! Wirken entsprechend; Oe. JonaS hielt die Grabrede, di musterbaft« : Todtenfeiec noch einmal Lehrer und Gedächtnißrede des Oe. Frankfurter, bei de im Israelitischen Tempel gesprochen, führt« da« Wirken beS Verstorbenen al« Mensch, Prediger der trauernden Gemeinde vor, undj in allen gebildeten Gemeinden des übrigen Deutschland« wurden dem Verstorbenen Gedachtnißfeier veranstaltet, so aß sein Andenken stetS zur Nacheiferung in der Geschiche de< Jubenthum« bleiben wirb. Das AdelSdiplsm des Herrn S. W. Schoßberger in Pesth. Bekanntlich wurde Herr Schoßberger, Präse« de« Vorstände« der Pesther Jsraeliren-Gemeinde, in den Adelsstand des ungarischen Königreicheerhoben. Unsre Leser werden eine Abschrift deinteressanten Dokument« gern lesen, dessen Bedeutung durch die Erinnerung sich steigert, daß der Jahrzehende noch nicht, viele verflossen sind, wo der ungarische Edelmann sich durch eine winzige Geldbuße mit dem Gesetze adfand, wenn er einen Juden ruhigen Blute« erschossen halte! Wir Franz Joseph der Erste, von Gotte« Gnaden Kaiser von Oesterreich, König von Ungarn, Böhmen u. f. w. u. s. w. (folgen alle kaiserlichen Titel) geben hiermit kund allen, die e« betrifft: baß Wir in gnädiger Berücksichtigung und huldvoller Anerkennung der steten Treue und nützlichen Diensten, durch welche Simon Wilhelm Schoß« derger, Pesther Großhändler Unser Getreue zu verschiedener Zeit und Gelegenheit gegen unsere Majestät, und Unser erhabene« Herrscherhaus, so wie im Interesse Unsere« König« reiche- Ungarn sich bekundete und au-zeichnete, namentlich jene Verdienste, welch« er um vaterländische Lanbwirthschaft, Production, Industrie und Handel zu Unserer Zufrieden» Herr, zum Vortheile dcS Staate«, wie zum allgemeinen Wöhle Unsere« Königreich« Ungarn sich erwarb, der al« Besitzer großer Oelfabriken chie RapSproduclion und Oelerzeugung in Unserem Königreiche Ungarn mächtig hob, und den Aufschwung deS vaterländischen Tabakbau«« mit unermübetem Fleiß« durch Thal und Geldopfer außerordentlich förderte, auf diese Weise die Quellen der Einkünfte fleißigen Volkes und Besitzer« mehrte, der 1852 zur Gründung de« MilitärspitalS, 1853 zur Unterstützung der im italienischen Feldzüge verwundeten Krieger, 1858 bei Gründung der wohlthatigen Anstalten zur freudigen Erinnerung der Geburt Unsere- Sohn,« Rudolph, Erzherzog und Kronprinzen, dann zur Bildlmg der Töchter im acliven Dienste stehender ungarischer Soldaten, zur Gründung der Pesther Handelsakademie und Förderung anderer Gemeinzwecke, stet« mit Bereitwilligkeit und reichlicher Freigebigkeit beitrug und da er endlich gegen Un« und Unser Allerhöchste« HerscherhauS seine unerschütterliche Unterthanentreue in den gefahrvollsten Zeiten thatsäcblich bewiesen, und wie Wir gnädig glauben auch in Zukunft beweisen wird, mir ähnlicher Treue und Standhaftigkeit, haben wir ihn, diesen Simon Wilhelm Schoßberger, uttd die mit seiner ehelich angetrauten Gattin Regina Sachgezeugten Söhne, Sigmund und Heinrich, und Töchter Therese, Laura, Emma, Amalia und Louise, und alle die durch Gotte« Segen ihm noch befcheert werden sollten, beiderlei Geschlechtsammr allen seinen Adkömm« lingen und Nachkömmlingen; sowohl au« dem Gesagten alau« Unserer kaiserlich königlichen Huld, mit welcher Wir, wie Unsere Vorfahren glorreichen Angedenken-, die seligen Könige von Ungarn jeden, der sich um Unsere Majestät, Unser allerhöchste« Herrscherhaus, und um die heilige Krone Unsere« Königreiche« Ungarn, Verdienste zu . erwerben — den Pfad der Tugend zu wandeln strebt, um ihn zu noch größeren Handlungen anzueifern, überhäufen, und durch ein auSzeichnende«, bleibende« u»d wirkliche« Zeichen zu schmücken pflegen, au« Unserer Königlichen Machtvollkommenheit, besonderer Gnade und Huld ln den wirklichen.

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