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Jüdisches Volksblatt · 1863-01-01 · 26 (1863) · p. Seite 103

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
10 (1863)
Issue
26 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 103 (sequence 3)
Language
German
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108 — sinn gefördert, von den philanthropischen Bestrebungen seiner Zeit durchdrungen, versuchte er eaus seinem Läadchen eine Stätte der Wissenschaft ju machen und besonders für Er» ziehung und Unterricht möglichst zu wirken. Wenn auch die von ihm berufenen Basedow, Eamo, Wolko, Salzchann so manche- Unentwickelte schufen, so ging doch von ihnen der Anstoß aus, den Unterricht umzugestolten und nur Deutsch als Unterlage zu geben. Eine gleich« Umgestal» tung sollte nun auch für die Juden geschaffen werden. Mehrere Familienväter vereinigten sich die armen Kinder ihrer Gemeind« zum Unterricht zu versammeln, es wurbm Lehrer berufen diesen Unterricht zu leiten! der Anfang, welchen dieser fand, veranlaß« auch die reichern Aiden ihre Kinder in die Anstalt zu schicken, und so entstand die Jüdische Freischule, nachherige Franzfchule, der bald von Nah und Fern die Zöglinge zuströmtea und die so viel bei» getragen hat, allgemeine Bildung und Wiffmschaft unter den Juden zu verbreiten. Der Herzog Franz ga»a eine namhaft« jährliche Summe so wie das nöthige Holz als Unterstützung, erlaub« der Anstalt sich, nach ihm „Franzschul«" zu nennen, und wohn« wohl.selbst de» Examen bei, die jährlich adgehalren wurden. An der Dessauer Franzschule wurde zuerst ein systematischer Religionsunterricht gelehrt, eine regelmäßig« Unterweisung im Deutschen und in allen Elementarwissenschaften elngeführt, wo» bei die theils »och unerfahrnen L»b«r in Mäoaem wie Oliver Tillich und Richter, welche in Dessau lebten, Unterstützung und Rarhgeber fanden. Im Umgang mit diesen Männern so wie mit seinen College» Moses Philipps»», I. Wvlff, David Fränkel, welcher Letzterer Dirertor der Schule war, entwickelt« sich unser Salomo» immer mehr, und bet de« dürftigsten Verhältnissen gewährten ihm die Studien jene erhebende Stimmung und Anschauung, welche so leicht die Sorgen dieser Erd« vergessen läßt. Schon jetzt wurde es eingefühtt, bei den öffentlichen Prüfungen durch Borträge einleitend di« Grundsätze des Unterrichtsgegenstandes zu beleuchten, und da diese Prüfungen von Christen wie Juden vielfach besucht wurden, fing uhser Salomon an sich darauf vorzubereiten und hielt dm 30. Mai 1806 seine erste Rede über die Entfaltung des inner« verborgenen Lebens durch die Rede. Jetzt begann er attch in der vom Direktor Fränkel begründeten Zeitschrift Salamith seine Ideen über Religionsunterricht zu entwickeln, und als Mose» Philippson eine Uedersetzung und Erklärung der 12 kleinen Propheten mit seinen Freunden übernahm, wurden Haggai und Sacharia von Salomon bearbeitet. Das Werk fand allgemeinen Beifall und weite Berdreitung, die schonen Uedersetzungen begannen den Geschmack am Deutschen in allen Schichten der Juden zu eröffnen, und mit dem wachsenden Erfolge vermehrte sich auch die Lust am Schrsft» stellern und öffentliche Borträge zu halten. Schon 1818 wurden einige dieser Reden veröffentlicht, während schon viel früher eine Abhandlung de- Maimonides ins Deutsche übersetzt diesen größten aller jüdischen Forscher der Menge bekannter mach«. , Inzwischen hatte sich unser Salomon bereits 1810 »it einem wackern Mädchen, Rosette Hohn, verhelrathet, welche ihm eine treue sorgsame Hausfrau wurde und alle die sittlichen Eigenschaften besaß, welch«'da- Haus eines Geistlichen und dessen Familie zieren können. Als man im Jahre 1812 in Berlin damit umging, eine Umbildung des Gottesdienste« vorzunehmen, wie ihn.besonders derwürdige Schüler Mendelssohn'«, der Essadt« t rarh David Friedländer, herzustellen wünsch«, nahm auch Salomo» daran Theil, indem er feine Ideen in 2 Briefen 1813 bekannt mach«, die er unttr dem Titel: kiche und Wahrheit, die Umbildung des Israelitischen Kultus betreffend, hernusgad.' Freilich hielt der damalige Rabbiner in Dessau diese Schrift' für so gottlos, daß er bei dem Vorstände auf öffentliche Verbrennung antrug, allein sie trug doch dazu bei, hie Aufklärung über diesen Gegenstand vorzudereilm. ' Zur selben Zeit starb leider auch im 30. Lebensjahre Salomon'« treuer Freund und Förderer, Moses Philippfon, dem er in einer Biographie dssselben ein bleibende« Denk» mal zu fetze» versuchte. Ja Jean-Paulischer Weife de» leuchtete er darin die Schattenseiten im Leben eines jüdischen Lehrers und Schriftstellers. Als 1813 di« Professoren Rieß und Fries das Judenthum und sei»« Bekenner angriffen, über die Gefährdung des Wohlstandes und de« Eharakters der Deutschen durch die Juden schrieben, da waren es Salomon und I. Wolff, welche in ihrer Gegenschrift „der Charakter des Judemhums", siegreich die Gegner widerlegten und die ohnmächlMDeutsch» thümelei systematisch vernichteten. ■ | Inzwischen entwickelte sich in unserm Salomon immer miehr der Drang, homiletisch auf feine Glaubensgenossen einzuwirken; wenn er Anfangs in Schriftm wie „Selimas Stunden der Weihe" religiös moralisch rinzuwirken versuch«, so «leb es ihn später »och mehr in öffentlichen Vorträgen seinen Rednettaleat zu entwickeln und sich als Pndiger ei»ea Ruf zu verschaffen. So fiel denn auch 1818 die .Wahl als Geistlicher des neuen Tempelvereias in Hamburg auf ihn, den er durch line lauge, segensreiche Wirksamkeit ruhmvoll entsprach. Hier fand er einen seiner Talkate würdigen Zuhörerkrei«. zahlttiche Freunde und Verehrer. Gfine Predigten, bl« sich durch Originalität, durch eigen» rhßmliche Behandlung der Schriften unter Benutzung alrerMi» dchs-Him auszeichneren, besonder« aber den Nerv des jüdischen Leben«, dikFamilie, innig und «rgreifmd behandeln, machen ihn würdigX da er nur audem ureigene» Geiste desZuben» rhums schöp», ihn als Battr der jüdischen Kanzelderedsam» keit zu bezeichnen. (Schluß folgt.) BlumeMe ans hebräischen Werken. Bon Josebh Rawicz in Breslau. Zwei Reisende setzten sich an einen Tisch um ihr Mittagsbrod zu verzehren. Eia Fremder, der Mittel zum Lebt« aber kein« Lebensmittel bei sich hatte, kam auf sie zugsgangen und bat sie, an ihrem Tische' auch seinen Hunger stillen zu dürfen. Die beiden Wanderer erklärten sich bereitwillig dazu, und gaben sofort ihre» Reisevorratb, der eine drei Brote, der andere zwei Brote zum gemeinschaftlichst» Mahle her. Nath beendigtem Mahle dankte der Fremde in «ohlklingmhen Worten und auch in wtHl« klingender Münze für'« Genossene und zahlte für die ge» stattqte Theilnahme fünf Gulden. Eia Streit fiel n»n zwischen den Gastgebern über die Tbeilung der Geldstücke vor. Der, weicher drei Brote gespendet, beanspruch« drei Gulden, und der, welchex nur zwei Brode gespendet, ver» langte gleiche Theilung des Geldes und begründe« seinen i L

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