Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 10 (1863)
- Issue
- 26 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 104 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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104 Anspruch mit der Behauptung, daß der Kre ade von den Broten de« Einen so viel gegessen wie von den Broten des Andern. Die Streitenden gingen zu eine n für scharfsinnig und gerecht geltenden Richter, und dieser erkannt« dem von drei Broten kommen vier Gulden und i em von zwei Broten kommt nur ein Gulden zu. Man kvn >te über diesen unsinnigen Ausspruch von Sinnen kommen, nrf der zweibrotige Spender, beschwörte sich über diesen dichter beim Eden Esra und brach in mürrische Klage öl er den Allerhöchsten auS, wie der Richter der ganzen Welt einen Richter auf Erden dulden könne, der die ganze Welt zu Grunde richtet. Der Eben Esra pflichtete der En> scheidong des ersten Richters bei, und sprach zu dem Bes hwerbefthrer: Du bist nicht im Stande Dich mit Deinem s Zerstäube zum Faßlichen zu erheben, und erdrelstest Dich, di ■ Leitung des Unbegreifdaren zu tadeln! Höre den Grund zt dem gefällten Urteil. Ihr Drei aßet fünf Brote, von jeiem Brote aß Jeder gleich viel, nämlich ein Dritttheil, txfa fürzf Broten aß Jeder firnf Dritttheile; Du gabst zum Mahle zwei Brote, die-sind sechs Dritttheile, steuertest also zur Gastfreundschaft ein Dritttheil, wofür der freundb che Gast Dir einen ÄMsN zollte; Dejn Gegner gab zw» Mahle drei Brote, di^ stad neun Dritttheile, fünf verz hrte er, und vier der Gast, er erhalt rechtskräftig vier Tuln«. Ist Dir dieses klar? Klar wie die Sonne, erwiderte er Betretene, thur aber auch wie Vkest^zneinen Augen welr, ich schäme mich meiner Voreiligkeit. —Erwärme dich an >ea Strahlen, die auf die Erd« fallen, «olle aber nicht de«« Lichte nahe kommen, welches den Unsichtbaren umhüllt. (■}r335V32Ka""rna in seinemWerke nvv 'jr Seite 168.) Notizen des Tages. Aus dem Monat Mai. Am 22.April verstarb Dr Gabriel R gerrchtsrath in Hamburg. Die schmerzliche über diesen herben Verlust war allgemein, Synagogen des In- und Auslandes wurde» lichkeiten abgehalten. — Lei dem böhmischen Landtag wurde ein Entwurf neuer Kultusordnung für die Israeliten in Böhmen eingebracht und darüber «in Commissionsbe icht erstattet. Doch kam dieser kn der gegenwärtigen Ses io« nicht zur Verhandlung. Der Graf von Kaunitz hat der israelitif hen Gemeinde zu Böhmisch-Laippa zu ihrem Synagogendau Baustoffe im Betrage von 12000 fl., die in zwölfjährig n Raten unverzinst abzuzahlen sind, geliefert, und in se nem Schlosse Lokalitäten für den Gottesdienst und die dreiflassige Schule bis zue Vollendung des Baues angewiesen Die Israeliten in den Donaufürst nthümern habe» durch den Tod des Professors vr. stö a r a sch zu Bukarest einen herben Verlust erlitten. Au Triest wurden bei einem israelitift>en Leichenbegängnisse die Theilnehmer von der niedere i Dvlksklasse Vera 6erUfl »oh 6>>H|iiti< ießer, Ober- Theiknahme und in vielen Trauerfeierlnsultirr und geworfen. Die Rädelsführer wurden verhaftet und streng bestraft. — Ja Ferrara fand vom 12.—17.jMai ein Congreß von Abgeordneten vieler italienischer Jsraelitengemeinden statt, umuber die wichtigsten Angelegenheiten des israelitischen Kultus gemeinsam 4« derathen. Derselbe ging in der größten Einigkeit vor sich. — Am Geburtstage des russischen Kaisers ist ein Ukas erschienen, nach welchem unter Anderem auch alle Geistlichen jüdischen Glaubens und ihr« Kinder, die Lehrer der Volksschulen und die Personen, welche mit Erfolg eine Distriktschule besucht haben, von allen körperlichen Strafen ausgeschlossen werden. — Kuriosa und Notizen. (Eine Rettung.) Don der polnischen Grenze wird der „Ostd. Zeitung" geschrieben: „Nach der für die Polen bei Sokvlniki so ungünstigns Affaire wurde «in im Reiten besonders ausgezeichneter. Jnsurgenten-Kavallerie-Ofstzier von Mßh^ren Kosaken verfolgt. Vertrauend auf feine Fähigkeit it« Reiten galoppirt er sorglos dahin, als plötzlich, indem er um die Ecke an der Dorfschenke bog, die Sattelgutte platzten und ec in Fplge dessen vom Pferde stürzte. In dieser peinlichen Lage wußte der herzueilende Gastwirth, ek»Lsiaelit, Rath. Er nahm den Verfolgten schleunigst in sein Wohnzimmer, hüllte ihn in einen Gebetmantel, (egt« ihm die zehn Gebote an und gab ihm ein hebräisches Gebetbuch in die Hand, während der Hausknecht auf Anweisung seines Herrn bas Pferd aus allen Kräften nach der gegenüberliegenden Wiese peitschte. Kaum war dies Alles in kaum nur erdenklicher Eile geschehen, als auch die Verfolger um die Ecke an der Dorffchenke bogen und das herrenlose Pferd in nicht weiter Entfernung gewahrten., Der Verfolgte mußte nach ihrer Ansicht in der Dorfschenke eine Zufluchtsstätte gefunden haben; es wurden Hofraum, Stall und Haus in allen Winkeln durchsucht, nicht minder die im Wohnzimmer sich befindenden Betten und Spinde; aber daß der banedenstehende, andächtig betende, vermeintliche Jude der Verfolgte fei, das auch nur im Entferntesten zu ahnen, kam keinem der Verfolger in den Sinn. Allgemeine Zeitung der JUdenrhums. No.25. 1863. Leitende Artikel: Der rechte Gedanke fürs die Rießer- Stiftung. — Gabriel Rietzer. — Fonsetzung der Spenden-Liste zur Rießer-Snfmug. — Ausruf zum Ankauf dxs «eburtShausis Moses Mendeisohn's zu Dessau. — Iiraelitische Bibelanstalt. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Deutschland: AuS Mittelfranken. Preußen: BrrSIau, Berlin. Oesterreichischer Kaiserstaat: Wien, Gr.-Becskerek. Frankreich: Paris. Italien: Ferrara. Rußland: Libau, vrüfirl. RhoduS: RhoduS. Au beziehen durch jedes Postamt und jede Buchhandlung Jährlich 3 Tbaler, vierteljährlich Thaler. 1 ttPi örtlicher Redaclenr Z. H. Luder. '« in reivrig. — Druck »VN «• äte»(tag in Seiozig.