Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 10 (1863)
- Issue
- 25 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 98 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/4908862-5999384-6026601--2451-4910809- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
98 poetisch läßt der Dichter den Acker und dieKurch'n, deren er fich unrechtmäßiger Weife bemächtigt hätte, >ie Klage erheb,n, während der frühere Besitzer in Elend vers-machtet und sich zur Anklage seinemächtigen Uaterdrüchernicht erheben kann. — So ging der erhabene Sänger seinen Rundg^ng, ausgehend vom Grund« all,- Bösen, der dösen Begi hinansteigend dis zu der Höhe der Sitklichteir, gedung seiner Feinde und dem reuigen Bekennrtnß seiner Schuld. DaS Wort ist alt—aber dritthalb Jal rtausende sind seitdem verflossen — aber es ist noch so ^»ahr und erhaben, so außergiltig und ergreifend wie an dem eS niedergeschrkede« warb. Hören wir eS, hörön wir eöftcc‘ und fragen unsjede« Mal: dürfen wir |» fragen, wie hier der fromme Dulder fragt? und wmy wir so fragen, welche Anworten müssen wir unS geben? Spruchredcn für Lehrer, Erzieher Eltern. *) Lehrst Du im rechten Sinn das Kind, sich selber Dann wird ihm zum Gewinn ein immer heilig Tr» und rchten, chcen. Unliebend Necken und gar Spotten und Veracht?» Soll zu vermeiden sterS der Lehrer ernstlich trachten? Die Blühte edler Scham, wie bald ist sie verletz. Wie bald des Kindes Herz zum Zwiespalt aufgeletzt! WaSeinst* e« werden soll, schon in dem Kleinen ehren, DaS wird eS selber auch nach Dem verlangen lchren. Die Liebe stbrt allein, ihr nur mag eS gelingen. Der Menschheit alten Geist der Trägheit Zu bez, ungen. Daß mir gar großer Zier und „wie ein Buch" >e spricht, DaS macht den Lehrer mir zum guten Lehrer nicht; Und war' er selbst mir noch-rin guleS Buch genesen. So dab' ich immer auch nichts als /in Buch.g 'lesen; Und lesen werd' ich stets nach meiner eignen Ar Auch hakt ich leicht den Gang zur Schule mir rfpart. Lebendiger entflammt als selbst das beste Buch, Wenn er von Herzen stammt, wie schlichtgefprochaei Spruch; Sieh, wie der Klage Ton des Hörer- Auge feueret, Sieb, wie die eigne Lust Dir schön entgegen leichter! Sieh, wie Gedanken Gedanken entzünden. Wie sie sich runden Und wieder schwanken, Wie sie sich ranken. Und wieder verbünden! ThatloS Wort Schlimmer Hort; Werthlofe Thal Der beste Rath. War noch so gut mein guter Rath, Anderes fordert vft die Thar; Drum soll eS immer bleiben beim alten; „Alles prüfen, das Beste behalten/' Lieber zehnmal straucheln mit Füßen. Al< mit der Zunge eS Einmal müssen. j Hoch schätz' ich Dich, wenn Du dem Nächsten GuleS thust,; Roch hoher, wenn Du selbst darüber leiden mußt; : Und wenn Du gar von dem, dem GuteS Du gethan, j Schlimmes erfährst, dich nimmt der Herr zum Erden an. Zähl' immer auf Undankbarkeit Und halte Dich stet» zum Guten bereit. Daß wir enimmer uns verhehlen: Wer Wahrheit sucht, darf nicht die Stimmen zählen. Volk,-stimme Gottesstimme — so mag ich'S hören. Aber Pöbelstimme soll mich ni, betkören. Zeder für sich, und Gott für unS alle — DaS ist die fromme selbstische Falle. Den Kleinsten verachtet der Große nicht. Doch jeden Größern der kleine Wicht. WaS ich gefehlt vor tausend Tagen, Können sie mir noch beute sagen; Doch waS ich heute Gutes vollbracht, DaS vergessen sie über Nacht. „Ob sie Dir Dank wohl alle sagen?" Gar nicht allen wollt' ich behagen. DaS ist einer von ihren klügsten Streichen, Daß sie funden, ich sei nicht Ihresgleichen.' * Unter diesem Titel erschien so eben eine trefflill e Sammlung von Otto Sutermeister. Leipzig, Brandfte ler 1863.) Wir empseblen dieses durch Gedankenfülle uud ei-gar le Diciioa a«eg«;elchnere Schnstcheu angetegentlrchst. j_ £. Das deutsche Gauncrthum. (Fortsetzung.) Bon der Neuwiedec Bande zog sich aber noch ein Theil, namentlich da» mersener Contingent. durch den Spessart in di« Gegend um Ansbacb, und dann nach Schwaden, wo ihnen dt» verschiedenen sich durchkreuzenden kleine» Territorien einen sichern Aufentkall versprachen. Die berüchtigtesten Brabanrec stießen zu ihnen, von denen der Major (Matthias Rouchet, auch la Roche, Dubois, Keil, Pyndray und Stalder genannt) und Zohann Müller (Daumen genannt) eine große Bande um sich versammelte, von welcher die Bandende» Zakod Waldmann, de» SüSkind Bockenheim, des Picard und Damian Hessel*) (bas Scudentchen, Bocherle, Dahl, Beutel, Corneli und Cordula genannt) kleinere Destandtheile bildeten. Zahllose Diebstähle wurden von diesen Räubern in Franken und Schwade« verübt. Zm damaligen Departement d,S DonuerSdergeS und in den benachbarten Gegenden zu beiden Seit«'de» Rhein hauste die meisten» au» Scherenschleifern bestehende Bande des Anton Keil au» Quirnheim bei Grünstadt (auch Barthel Barli'ch, Anton Reiter und I. Schmidt genannt). Die schon stir vielen Jahren epistirende gefährliche Bande de» berüchtigten großen Zaintof trieb ihr Unwesen ungestört im westlichen Deutschland fort. An de« Heiden Ufern de» Main, im Spessart und im Odenwald« hauste eine große aus den Rudimenten der ') Lgl. Rebmann, a. a. O.