Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1863-01-01 · 25 (1863) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
10 (1863)
Issue
25 (1863)
Date
1863-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/4908862-5999384-6026601--2450-4910808
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1 Jüdisches Bolksvlatt. Zur J.klef)r»ii.ii uiiö Anleehattung auf jüdischem HeKiele.! Herau »gegeben von Rabbiner vr. Luywlg Philippson in Bonn. Il-»» ap 1 #0« bi*f«t 3di|(brlfi «tfÄri«! »M*»UiÄ flne Ramm*». Prei« de« 2«hrer I lWo. 25. 18(>3.] SBEgg'S: *0|h"m ■ L1®» ^ahr$* 2* *u*™tll Die Sittcnlchre des Hiob. (Lchlutz.) An diesen Einblick in fein Innere- und den sittlichen Charakter, den er sich sein k'eben hindurch zueigen gemacht, lehnt der Dichter einen zweiten, der, wie im Vorhergehenden sein Verhalten zu den äußern Gütern und Erscheinungen geprüft worden, nunmehr sein Verhalten zu seinen Neben- Menschen, wie. es aus der innern Beschaffenheit des Oe» mürhes hervorgchk, untersuchen soll. Wenn ich an meines Hassers Sturz mich freute,' Ich jauchzte, daß ihn Unheil traf — Doch nicht zu sünd'gen ließ ich meiner Zunge zu, Zn Fluch zu fordern seine Seel,; — Wenn nicht die Männer meines Zeltes sprachen Wer wurde nicht von seinem Fleische satt! Kein Fremdling übernachtete mir draußen. Und meine Lhüren hielt' ich offen auf die Srraßf. Der wahrhaft edle Charakter zeigt sich insonyers darin, daß »» an dem Unglück seines Feindes, der selben Zorn gegen ihn in Worten und Handlungen dethätigr und ihm Kränkung und Schaden reichlich zugefügr hat, dennoch keine Befriedigung und Freude empfindet, sondern ein Aufrichtiges Mitgefühl, das zu äußern und mit rettender Thar zu hekräfrigen er nicht zögert. Aber noch mehr: In der Stunde, wo ihn der Haß feines Gegners am Empfdrblichsten getroffen, hielt er seine Zunge zurück, Berwünschung und Fluch aufjenen herabzurufen. Wenn ader ein Herz so voll Edelsinns ist, dann lebt in ihm überhaupt kein Geist des Hasses und der Rache, sondern großherziger Vergebung und Versöhnlichkeit. Je natürlicher in dem Menschen, wenn er sich drleidigt und mißhandelt sieht, der Wunsch nach Vergeltung, der Durst nach Rache ist, desto größer ist der Sieg der Sittlichkeit, welche diese natürliären Empfindungen überwindet und sich über sich selbst erhebt. Jlnftrc Vers, sprechen die Wahrheit aus, fern von jener Uebertreidung, welche verlangt, man solle dem Räuber der Hälfte seines Gutes auch noch die andere andieten, was ebenso widernatürlich wie gegen das Recht und die wahr« Liebe ist, welche dem Sünder nicht die Gelegenheit, seine Schuld zu verdoppeln, geben werden. Wie aber den Feinden gegenüber, so erweist sich der' edele Sinn auch an denen, die mir uns verbunden sind oder in Berührung kommen. Es ist aber wohl zu bemerken, daß hier der Dichter nicht wieder die Behandlung der Hausgenossen und dre Uebung der Gastfreundschaft für sich als That berührt, sondern die Gesinnung, welche dem zu Grunde liegt. Er har feinen Leuten stets reichlich geben, den Fremden sein Hauoffen gehalten, und z>^o r aus her innigen Freude des Wohlrhuns heraus. Es i|t demnach nicht blos die strenge Erfüllung der Pflicht, dolgenaue Admessen der Schuldigkeit, sondern die freuktkge Hingebung für das Wohlbefinden und dcn Genuß Andere«, \ namentlich solcher, die abhängig sind und sich mit de« begnügen mußten, was ihnen geboten wirb. . j Hieran schließt sich nun die Lösung der für den Mens^ey schwierigsten Aufgabe: Wenn ich nach Menschrnbrauch verhüllte meine Fehl«,! Im Busen bergend meine Schuld,! Weil ich den großen Haufen scheute, I Mich schreckte der Geschlechter Schmähung, Daß ich verstummen müßte, Nicht vor die Thüre gehen dürft,. — | I Wenn über mich mein Acker schreit. Und seine Furchen klagen allzumal, Wenn unbezahlt ich seine Kraft verzehrte, Und feinen Herrn verschmachten ließ: Satt Walzen mußte Dorn aufgehen. Statt Gerste Lolch! — Ein gewöhnlicher Dichter hätte die Schwierigkeit det Aufgabe darin gefunden, daß der Mensch sich selbst erke^ns und feine Kehler und Kehle als solche klar begreife, der Mensch sich s» lange er kcknn-hiergegen sträubt, bei sich selbst entschuldigt und rechtfertigt, und die Sat ' so lang« hin und der betrachtet, dis sie ihm im Lichte Rechts erscheint. Der h. Sängrr greift höher fstnau , »Vs schwerer wird dem Menschen bas freimüthlge Bekenntnis seiner Schuld vor^Anderen. Denn da die wenigsten Mensü^ei die Hochherzigkeit eines solchen Offenmuths zu begreife« vermögen und sich immer Schmähung und Schmach dasan knüpft, so sucht derjenige. - der selbst vor sich seinen Fshl^ tritt nicht verheimlicht, ihn doch vor den Augen der Mensc^e^ zu Mrbergen, während doch hierin wieder eine Verletztsnß der Wahrheit liegt und die Zueignung der Untadelhaktigp teil, auf die man kein Recht mehr hat. Das offeist Bekenntniß feiner Vergehen, trotz der Schande und ^en Rachtheilen, die darauf folgen, umschließt und setzt voraus a ich dar Lrlbstbekennlniß, und brr Dichter, indem er jenes herv rr» Hebt. har sogleich dieses mit angedeuret. Eine >sö1 che Bereitwilligkeit, der Wahrhaftigkeit und dem Rechte höchst« Opfer zu bringen, wird uns aber auch davon zu» rückhalken, da Unrecht zu thun, wo die Anklage von einem Lebenden nicht erhoben werden könnte und die Befürcht» ng nicht vorhanden wäre, angeschuldigt zu werben. Höchst

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.