Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 10 (1863)
- Issue
- 23 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 91 (sequence 3)
- Language
- German
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— 91 ist ihr Treiben furchtbar genug, um sie unter allen Räudcrgruppen, welche jemals die Ordnung und Sicherhe t in Deutschland erschütkerk haben, obenan zu stellen. > Sie war die Erdnehmerin der in schauerlichem geheimen!Erbgang fortschleichenden Gaunerkunst, und wußte mit der Erbschaft einen Ungeheuern Wucher zu treiben. 3n den Tausenden von Verbrechen erkennt man überall das vollendete Räudergenie fast aller Genossen, die feinste List und Verschlagenheit und die größte Sicherheit und Verwegenheit') in Ausführung der ausgedachren Plane, di« ungeachtet der Meng« der Verbrechen und der Gleichartigkeit ihrer künstlichen Formen, bei jedem neuen Verbrechen neues Erstaunen erregt. Empörend ist dabei der durchgreifend« Zug herzloser kannibalischer Barbarei, mit der die Räuber häufig aug bloßem schändlichen Mulhwillen die entsetzlichsten Greuel verübten, entkleidete junge Weiber mit Ruthen halbkodt peitschten"), ober mit glühenden Zaügen zwickten, abgelebte wehrlose »Greise aufhenkten, stehenden lindem die Ohren herunterhieden oder sie sonst schwer mißhandelten und verwunderen, um durch ihr Wimmern die mir Licht und Schwefel vergeblich gebrannten Aellern zum Nachweis ihres Geldes zu zwingen*") u. s. ». 2« jener Zeit des beginnenden weit und breit gepriesenen modernen Humanismus fällt dieser Gegensatz pm so mehr aus, alS eine mchr gering« Zahl jener Räuber ^Anspruch aus Erziehung machrn', ja zum Lheil zur gebildeten und einzeln sogar zur gelehrten Klasse sich zählen durfte. Allem jene Rauderweise, welche man wohl nicht ungeeignet mir dem Ausdruck Bestialität bezeichnen kann, findet ihre Erklärung in einem andern durchgreifenden Zug, den man durchwegs bei allen diesen Räuberbanden findet, nämlich in einem lhierisch wilden Hange zur Wollust und in emer GeschlechtsauSschweifung ohne Gleichen. Jen« Kunstsicherheit und jener Hang zur Wollust und Schwelgerei gab den Räubern den Muth, furchtlos in das gedrängte Leben der Städte zu bringen und inmitten des städtischen Treibens in den Freudenhäusern ein Asyl zu suchen, das auch noch heutigen Tags bei der nur auf eine sanität-polizeilich« und ein« Art zuchtpolizeilicher Eon» trole beschränkten polizeilichen Aussicht dem Vecdrecher^tin sicherer Zufluchtsort bleibt. Zn der Geschichte der rheinischen Räuberbanden spielen die Freudenhäuser fortlaufend im« sehr wichtige Rolle. Nur aus ihrer Existenz und Einrichtung kann man eS begreiflich finden, wie frei und Ungebunden der räuberische Verkehr mitten im bürgerlichen Leben und Treiben sich bewegen, und wie verwegene Unternehmungen angefangen werben und glücken konnten. Beinahe zehn Jahre hatten diese Bandelst in den Ländern auf dem linken Rheinufer jMdex entsetzlichsten Weise gehaust,, alS endlichnach jenem mehrjährigen anarchischen Tumult in diesen Ländern, mit der consistent gewordenen neuen französischen Verwaltung im Mär; 179$, auch nun, unter eifrigem Beistand der französischen GenSdarmerie, der gewaltige Kampf der SicherheitSdehörden j zogen sich nach Holland und Deutschland zurück. Picard'S Gefangennahme war aber die ganze Bande tt» )fes evi, gegen die Räuber begonnen wurde. Die treffliche preußische Justiz hatte die Initiative mit dem rühmlichsten Eifer und Erfolg ergriffen. Di« meistenschon nach Neuübecgesiedrlke Crefelder Bande wurde 1797 und i798 durch Ergreifung und Verurtheilung einer berrLchtpichen Mitgliederzahl, wie z. B. Nicola- Rauen, Jakob Dahmrn oper Dohm, Johann Hammel, Heinrich und Jochann Friedrich Kurz, Diedrich Kampmann. Klostermann u|i A., zersprengt. Am 10. Sept. 1709 wurden zu Koblenz |fed>6 Hauptmitglieder der Moselbande, Bruttig, Krämer, D»hm, Esuk, Schwarz und Simonis*?, zur Guillotine, sichandere Mitglieder zu schwerer und langer Freiheitsstrafe verurteilt. Am 21. Nov. 1803 wurde SchinberhanneS mit]1 19 Mitgliedern seiner Bande zu Mainz guillotinirt; 21 attdere Mitglieder wurden zu Kettenstrafe oder Zuchthau- Iver» urtheilt. > Schon im Jahre 1798 wurde die Brabarjter Bande gesprengt. Die Hauptanführer wurden bei r nem beabsichtigten und der Polizei verrarhenen Raub in, der .. Nähe von Brüffel überfallen und nach heldemnüth tzem Widerstande von einem Volonrärcommando überwältigt. Manu- David mit mehreren Genoffen fiel in die H snbe der Justiz. Ebenso der fürchterliche Picard Katzo, de doch aus dem Gefängniß zu Tournay entsprang. M Mainzer entfloh ebenfalls Abraham Jakob, Lion Mafchoker entkam nach Paris. Die Brüder Bojtbeck Kit vollständig avSeinandergesprengt. Zwei Jahre später ging die-Merseiner Bande Auseinander. Die zehn verruchtesten Mitglieder der Bch de, Picard, Franz Bosbeck, Afrom May, Jona« Lichtttt \tx, Kaufmann, Overtüsch, Salomon Bacharach, Kessel Iznd Clemens von Köln hatten mit zehn andren Räubern!am 18. April 1798 zu Euprn bei dem Wechsler Acken «nun verwegenen Raub begangen, bei welchem der Wechsler 1 Acken 60,000 Franceinbüßte. Der Raub, bei welchem die lärmenden Räuber mit Waffen in der Hand inmiNm eine« volkreichen Städtchen« daS Hau« de« Wechslers!»»» Sturm forcirt hatten, erregte ungeheure« Aussehen. Das Departement der untern Maas wurde mit streifenden G^yS» barm« überfüllt und eine große Strenge gegen alle Fremdeichd Reisende geübt. Die Bande wußte sich nicht mehr sinder und vertheklt« sich daher nach Holland, Neuwied und Essen, wie später gezeigt werden wird.") Die Holländische Band« war inzwischen ebenfalls mit großem Eifer und Aufwand« verfolgt worden. Der Unermüdlichkeit de« GeneralprocurakorS van Maanen j besonder« gelang e«. einer Anzahl Mitglieder der Lattd« habhaft zu werden. Franz BoSdeck wurde im Mai 1ÄV0-^. mit sieben Haupträubern im Haag gehenkt. Andere wurden zu ieben-wierigtm oder zeitigem Gefängnisse verurthirlt. Die übrigen Bandenmitglieder flogen auseinander, sodaß m diese Lande um jene Zeit völlig gesprengt wurde. E^ Ein« der verwegensten Räuberthalen ist j. B. da« lärmende , Einbrechen mit dem Rennbaum von seilen de« Fetzer, eeieudecker, > _ *) 2hr Hauptgenoffe, Han« Bast Rwola^ wurde erst 1k Bogel us. w bei einem Juden in dem m»r Soldaten reich-! Tuchhanne« (Joh. Schlstmaon) and Johann Müller erst 1k besetzten Nettesheim. Becker, „Rheinische Räuberbanden", 11. lüb. , hingenchlel. **) Wie z. B. bei dem Einbrüche zu Seven-Syten. Bgl. s ") Der mörderische Kessel wurde eiuige Zeik darauf wezeu rcker, a. a. O-, II, 29. de« Eupeuer Raube« in Brabant (an seinem Hochzeilbtage) xr """ . Becker, a. a. O-, II, 19 u. 126. \ griffen und guillonnirt. Ebenso Overtüsch in Lüttich. Becker *»*