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Jüdisches Volksblatt · 1863-01-01 · 23 (1863) · p. Seite 90

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
10 (1863)
Issue
23 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 90 (sequence 2)
Language
German
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90 sprach da« Mäuschen, „laß mich die Welt, zunä chst unsere Umgebung kennen lernen; ich möchte gerne i > dem an unsere Wohnung grenzenden Zimmer mich ein Wenig umffh,n.". „Kind," rief die Mutter, „wisse, daß ditdie größte Gefahr droht; in dieser Stube befindet sich oft < in Rozeach (Mörder), der, sobald er deiner ansichtig wird, dich ohne Erbarmen erwürgt." Da« Mäuschen unterdr ickte einstweilen seine Neugierde, konnte aber nicht lang sich überwinden, wenigsten« vom Rande ihre« Loche« in die Stube hinein zu schauen, fuhr aber mit größtem Ent etzen gleich zurück; die Mutter erschrak und fragte nach der Ursache ihre« Entsetzen«. „Liebe Mutter, der Anblick d « Rozeach, den ich eben gewahrte, al« ich, meine Neugierie nicht bezähmend, in die Stube hineinschauere, jagte mir diesen Schrecken ein." „Wie sieht denn der Rozeach a>«r" fragte die Mutter. „Ein Mann von hoher Statu mit gen Himmel gerichtetem Haupte, aufrechter Halt! ng, einen Stock mit gewaltigem Knopfe in der Hand fest »altend, im Zimmer auf- und adschreitend, dessen Blick nach allen Richtungen der Stude^ umherschweift, er schenk in sehr gereizter Stimmung zu fern; dieser grimmige Blick schon verrätk nichts Gutes." „Vor diesem Rozeach ." versetzte die.Mutter, „brauchst du dich nicht zu ängstige», der thuk dir nicht«." Kurze Zeit darauf begab sich da« Mauscher wieder an den Rand ihre« Schlupfwinkel«, um zu beobach en, was in der Stube vorgeht. Mutter und sprach: Mit Freude sprang e« .Liede, gute Mutter! je n wirst du mir gewiß erlauben, in die Stube zu gehen, e« befindet sich gegenwärtig blo« »in Chassid in derselbe»." „Wie sieht denn dieser Chassid aus?" fragte die Mi Her. „Es ist ein sehr niedliche« kleine« Thierchen mit ei» em runden Kopfe, den e« beim Gehen herunter hangt, d n Schweif gekräuselt, zuweilen läßt e« auch diese« unten rangen; e« sieht so milde und sanftmülbig au«, als wäre <6 die Güte gleich, daß Hab,. „O und Sanftmuth selbst." Die Mutter erkannte die Klein« ihre Todfrindin, die Katze, gesehen Kind", rief die Mutter au«, „vor diesem Chass d mußt du dich am meisten hüten, dieser ist eben der wähl e Rozeach." Wie oft machen wir im Leben solche Erfahr» »gen? Wie oft werden wir hintergangen und gefährdet heuchlerische Frömmigkeit? I. Cohn, Kultus-Beamter in Waldenburg Das deutsche Gaunerthuu Fortsetzung.) Die Berücksichtigung aller dieser Umstand erklärlich, daß das Räuderthum mit solcher wall und einer so rapiden Propaganda aufti» als Picard im Jahre 1790 an der Spitze der i tischen Bande') hervordrach und mit Adr«) Franz und Jan Bosbeck (den damaligen Holländischen Bande) verbunden, bald ir *' Außer Abraham Jakob, Picard Kctzo. Most« Ocker und den beiden Bosbeck traten brionder« noch Aren kr r au« Hamburg. Jakob Kessel, die drei Singer, der Paris» Wolfs, der Panier Joniken. Jan der Brüsieler, Abraham La, gnase, Mose« Mainzer, kecn kevi, Süskind, Simon Ga« u. A. in dtkscr Bande dervor. zurück zur durch solch Schlesien). macht e« nsivrn Ge, ten konnte, B radan - amJakob, Führern der dieser bald ' in jener größer» oder kleinern Truppe, bald in der dritten l großen Gruppe, der Mersener Bande'), mit jenen in! Gemeinschaft dem Räuderthum die offene Bahn brach,; und die Herrschaft desselben weithin proclamirte. Mit jenen Banden zugleich und in inniger Verbindung mit j ihnen trat die Crefelber") und Neusser Bande auf,;-jri denen die Namen de« Scherenschleifers Friedrich (des; Einäugigen) Fetzer, (Matthias Weber), Franz Gerard«, : Johann Bruckmann, Heinrich Pohr u. s. w. sich berüchtigt machten. Gleichzeitig trat mit den niederländischen Banden die Moseldande an der Mosel und auf den Hunbs- : rück auf, in welcher dem Jakob Mopse« analoge Erscheil nungrn, besonder« der Grobschmied Hans Bast Nicolai, der Teufelsbanner au« Krinkhof bei Bertrich am linken ' Moselufer, Philipp Ludwig Mosedach au« Lipshausen'"), i der Lehrmeister de« Schinderhanne«, und der ruchlose Johann Müller f) hervorragen. Endlich war mir dieser! großen Räudergruppe die Bande de« Schinderhanne« i (Johann Bückler, verbunden, welche im Anfänge nur un-! bedeutende Buschtleppereien, besonder« gegen reisende Juden verübte, und sich auf den kleinen Bezirk von Trier bi« Frankfurt und Manheim beschränkte, durch die Berüb-! rung und Vermischung mir den Niederländern aber i bald sich furchtbar machte und die berüchtigten Namen de« > schwarzen Perer (Peter Petri), Johann Leiendecker, des schwarzen Jona« (Christian Rcinhardt), Johann Nicla« ■ Müller aufzuweisen hatte. i Mit diesen Banden, aus welchen und neben welchen i noch eine Menge kleinerer ephemerer Banden in beständiger Connexität und Reciprocität und in immerwährendem; Wechsel au«- und zucückliefen, ist jene große Räudergruppe 1 geschlossen. welche ein ganze« Jahczehnd und darüber de- - sonder« auf dem linken Rheinufer, in jenen durch Kriege ' und' staatliche Umformungen bewegten Territorien, auf die Weife hauste wie ste oben gezeichnet ist. In der Thar *) In dieser zeichneten sich außer Bosbeck und Picard noch besonder« aus: Adolf Wever», Damian Hessel, Karl Heckmann, der starke Joseph, Lang Leiser, Asrom May, Leibchen Schloß, .Mose«' Maiirzer, Mansche Polack, Falk Mottchen, Hampel bol mich (Johanne« Vilmar», der Holländer Nathan, Augustin Lvertuich und ^rr dicke Matthie« (Matthias Kamp). **) Die besonders im Ruhrdepartement und im Verglichen hauste und anfangs nur scheu und unvermerkt austrat, bald aber rurch die Berührung mir den Mersener Bandenmitgliedcrn, namentlich mit Hampel hol mich. Leibchen Schloß und dem Holänder Nathan ganz mit derselben Verwegenheit und Ruchlosigkeit bauste, wie ihre Lehrmeister. *T* **)) Auf dem HundSrück im damaligen Tanlon Bacharach, (Rhein und Moieldepartemenl). Schon zur Zeit de« Siebenjährigen Krieges war hier Gesindel aller Art zufammengezogen, da« besonder« vom Pferdediebstahl lebte und von diesem zum offenen Räubetthum überging. - -f) Johann Müller, deffen Kopf erst am 17. Nov. 1802 auf dem Schafivt fiel, ist eine der ungeheuersten Räubererscheinungen. Er war der Sohn wohlhabender Aelrern in Schöuau «Tanten Rheinbach im Rhein- und Moseldepartement), machte.seine Stndieo bei deu Ex-Jesuiten in Münstereifel, bekam schon im vierzehnten Jahre einen Antheil seine« alterlichen Vermögen» und heirathete im neunzehnten Jahre. Die Verführung seiner Frau durch einige französische Dragoner brachte ihn zum tödlichsten I Haß gegen alle Franzoien und zu jener in den Annalen de« ' Räoberthum« nur selten vorkommenden scheußlichen und kalt-! ilütigea Ermordung eine« ganz unschuldigen französischen Fuhr- .j kriecht«, die bei Becker a. a. O., I, 59, in haarsträubender Weile i erzählt wird und nur eine von den vielen Greuellhatrn ist, deren ■ Fluch auf seinem Andenken hastet.

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