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Jüdisches Volksblatt · 1863-01-01 · 21 (1863) · p. Seite 83

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
10 (1863)
Issue
21 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 83 (sequence 3)
Language
German
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83 \ rt flüstert eine Stimme aus der Höhe mir das bessere Wort ln's Ohr: „Wer den Willen, timt meines Laterim Himmel, berseldige ist mein Bruder, meine Schwester und Mutter." Ja und „selig ist brr Mann, der die Anfechtung erduldet; denn, nachdem er bewährt ist, wird er die Krone des Lebens empfangen, welche Gott verheißen hat Denen, die ihn lieb haben!" So möge dem theuern Dahing,schieden,n das christliche Freuadeswort. das in sanfterEintrachtmitdenlnnige»Gebeten seiner Glaubensgenossen aufwärts dringt, ein letzter Zoll des Dantes ^rnd der Liede sein! Ein letzter hleni eben. Denn ist dieser Morgen nicht der eines sonnigm Tages, an welchem Millionen, deren Bekenntniß das meinig«, mit Geläut, der Glocken allwöchentlich die Auferstehung von den Tobten verkündigen? und ich frage Alle: „Habt Ihr nichts gelesen von der Tobten-Auferstehung. daß Such gesagt ist von Gott, da Er spricht: Ich bin der Gott Abrahams und der Gott JsaarS und der Jacobs. Gott aber ist nicht eia Gott der Lobten, sonder« der Lebendigen!" Wohlan, im festen Glauben an die Un>terblichkeit Deiner reinen schönen Seele, Du verewigter herzlicher Freund, befehlen wir sie unsrem Gott und geben Ihm die Ehre dafür, baß Er uns, unserer freien Stadt und dem deutschen Baterlanbe Dich theuern Mann gegeben hat, der Du unser bist und unser bleibst für jetzt und immerdar!" — Eine Symbolik der Uhr. Don Dr. M. Mielziner, Religionslehrer in KopeMha gen. (Aus einer dänischen Dankrede an meine Schiller, die mir »n meinem Hochzeitstage nq< Tafeluhr als Liebesgabe überreichten.) Keine schönere und bedeutungsvollere Gab« hättet Ihr, meine lieben Schüler, an diesem meinem Freudmtage. mir als eia Zeichen Eurer Anhänglichkert und Lied« überreichen können als diese Uhr. In diesem Kunstwerke find« ich nämlich eine schöne sinnbildlich« Beziehung sowohl auf den heiligen Stand der Ehe, in den ich heute trete, als auch auf den hei ligen Beruf, dem ich in Eurer Mitte odllege. Sehet hier diese zwei Zeiger. Sie sind verschieden von Gestalt und Größe. Verschieden auch ist ihr Gang und ihre Bestimmung. Und dennoch sind sie auf's Innigste vereinigt; dennoch durchlaufen sie gemeinsam dieselbe Bahn und erfüllen in dieser Vereinigung und in dieser gemein^ famen Bewegung eine gemeinsame Bestimmung. Ist das nicht eia Bild der Ehe? Auch Mann und Weib sind zwei Wesen, die verschieben sind in ihrer Natur und Befähigung; verschieden ist ihr Beruf und ihr Wirkungskreis, verschieden ihre Bestimmung. Ader bei all dieser Verschiedenheit soll Liebe und Treue sie auf's Innigste verbinden; in Lieb« und Treue sollen sie gemeinsam die Bahn des Lebens dnrchwandeln und in diese« Vereine eine gemeinsame höher« Bestimmnng erfüllen. Doch nicht nur ln Rücksicht auf diesen mein« Hochzeitstag, sonder« auch in Rücksicht auf mein« Beruf als Religionslehrer ist Eure mir überreichte Liebesgabe sehr beziehung-reich. Betrachtet einmal das innere Getriebe dieser Uhr. Sehet hier die verschiedene« Theile, aus denen es besteht, die viele» Rädchen und Zckhnchm, die Walzen, Schrauben und Drähtche»; da hat jedes seine Form «nd seinen Zweck. Aber alle dies« Theile würden in ewige» Stillstand verharren und köonten ihren Zweck nicht er? füll.», so nicht die Triebfeder da wäre. Diest erst bringt Bewegung und Leben in alle diese Theile, daß sie ineinander greifen und ihrer Bestimmung gemäß wirken. Also hat der allgütige Schöpfer mannigfache Kräfts und Fähigkeiten in unfern Geist nied>rgelegt. Jede Krafcund Fähigkeit hat ihre eigene- Natur und Bestimmung. Was aber die Triebfeder in der Uhr. das ist die Religion im menschlichen Geist. Die Religion erst bringt die rechte Bewegung und das rechte Lebeü in unsres Geistes Kraft und Fähigkeiten, daß sie ineinander greifend dahin wirten, baß wir die hohe Brsiimmuug unseres Daseins erfüllen. — Und sehet, geliebte Schüler, daß die Religion Euch dies werde, baß sie die Triebfeder Eures jugendlichen Gastes werde, di, ihn» die rechte Spannkraft und Bewegung > ver» leiht, daß alle edleren Kräfte Eurer geistigen und sittlichen Natur zur rechten Entfaltung und Wirksamkeit kommen und Ihr das wahre Ziel Eures Lebenerreichet, — dielst der Zweck de- Unterrichtes, den Ihr bei mir genäeßr, dies ist der heilig« Beruf, dem ich in Eurer Mirte oblilege. Kuriosum. __ i Der „Bund", die dedrulendste Zeitung der Schweiz, läßt sich aus Solothurn Folgendes schreiben: „Vieles ist in jüngster Zeit in unser« Solothurn Wt» gegangen. Ihr Eorrefpondevt hat geschwiegen, well er fafttt HUti zusammenfassen wollte. Die Dischofswahl ist ultramontan abgekartet. Die Einführung der Geschworneagerichte wird am 1. Juli ihren Anfang nehmen. Die Plätzrß des neuen Stabtquartiers sind ausgesteckt, nächstens wird die Versteigerung der Hausplätze stattfinden. Ueber Geschwornengericht«, nmes QuarUer, Bauten, kurz: über neu erwachendes Leben in unsrer sonst lodken und oft langweiligen Stadt «erde ich Ihnen nächstens berichten; für heute melde ich Ihnen nur eine einfache Hochzeit. Hr. Salomon Nordmann hat nämlich gestern in Solothum Hochzeit gehalten. „Gehört das in di« Zeitung?" «erben Ihr« Leser fragen. „Was geht uns der Herr Salomon Norbmann an?" Es ist wahn; nur wenn Fürsten und Prinzessinnen heirathm, setzt «an es gewöhnlich in die Zeitung, und auch der „Bund" vergißt es nie, seinen Lesem fürstliche Hochzeltsfeierlichkeiten zu meldm; es fiel ihm aber selbst nicht ein. die Vermählung eines Lundrsraths zu melden. Hmte müssen sie mlr deaadch gestattm, eine einfache bürgerliche Hochzeit Jhnm anzuzeigm. Die Hochzeit des Hrn. S. Hordmana mir Fräulein Kendil Braunschweig ist nämlich die erst« „Judmhochzetzk". bl« in unsrer katholisch-orthodoxen St. Ursenstadt üderhanpt oder wenigstens seit Jahrhunderten stattgefuadm hat. V. Rordmann ist in Solorhum niedergelassm. Die. Behörden fanden es ln dm letzten Jahrm im Interesse der Stabt, im Interesse des freim Verkehrs, des Handels und der Industrie überhaupt, eine humanere und christlicher« Derhaltungswels» gegm di« Israeliten zu beobachtcn, als dies unter dm früderm Reglemngm der Fall gewesen »sr. Es glebt nichts Erbärmlicheres ln unsrer geistig vorgerückten Zeit, als die Verfolgung und Beeinträchtigung der Juden. Alle größerm Länder, wie England, Frankreich, die meisten Staarm Dmtschlaads, find bei monarchischer Verfassung in Hinsicht ans die Gleichstellung der Jsraelitm mir dm

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