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Jüdisches Volksblatt · 1863-01-01 · 21 (1863) · p. Seite 82

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
10 (1863)
Issue
21 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 82 (sequence 2)
Language
German
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— 82 Ein besonders Aufsehen machte die Rede Aegi >i'«, sowohl de« Redner« al« de« Inhalt« wegen. In den Besitz derselben gekommen, theilen wir sie hier wörtlich mir. Die Redaktion. ,Da« Her; der Menschheit hat in Kamp en um da« Heiligthum de- Glauben« und Gewissen« * ahrhunderte lang geblutet. Aber über da« entwölkt, Firma, rent spannt sich nun ein seliger Friedensbogen. Oie Wu >d,n heilen. Da« gleiche Recht für Alle, weß Glauben« sie fr ra, bürgert sich immer heimischer ein. Die Stimme der Leidenschaft verhallt und da« Gewissen eine- Jeden darf ir der Stille zu Ratb« gehn mit seinem Gott. Ist e« doch ein einiger Gott, der da gerecht macht Alle durch den Glauben. Und getrenntem vir an da« Juden be- Aagesicht« de« Unsichtbaren, an den wir hier, ir Lekenntniß, einmükdig Alle glauben, treten Grah de« theuren Manne«, den Christen unk weinen — und einem der unjähkigen treuen j reunbe au« : der christlichen Gemeinde ist e« durch au«drücklii,m Auftrag : vergönnt, ehe die Gruft sich über der irdischen Hülle de«! Vielgeliebten Bruder« schließt, der Verehrung, i ie un« Alle > erfüllt, Worte zu leihen. „Da« gleiche Recht für Alle!" Wer mndt' dafür wieder dm volltönmden Ausdruck, welcher dem beredten Munde, dessen Verstummen Alle, di« ihm einmal in athemlosem Entzücken gelauscht, ewig schmerzen rv^rd, überreich zu entströmen pflegtet! Wo da« Recht so zu feinem Recht komn t, ja da ist e« frei von Beschränktheit! da ist seine Har e gemildert, da ist e« herzgewinnend und liebmswerth! Dein Gabriel R i e ß e r wahrlich — ich wag' e« zu behaupten — hat durch» geschaut in da« vollkommene Gesetz d k Freiheit und darinnen beharrt und ist nicht ein verge licher Hörer „ gewesen, sondern ein Thärer, ein Mann de« e hten Recht«! und gerechter Richter.! Wie e« nicht nur da« Privatleben beherr chr, sondern [ auch da« öffentliche Leben, so hat Rießer o i« Recht erkannt; und er faßte e« in« Auge für V-nerstadt und Vaterland. Ihm war e< da« ewig werbende und flüssige, nicht eine todte Ueberlieferung, nein, da« Re hr, da« mir ua« geboren ist und sich foltenrwickelt mit den so ^schreitenden Mächte» der Aeir in den sich forkpflanzenden l Geschlechtern. Dem Einzelnm und dem Ganzen wollte er e« gönnen; für die vom Recht Ausgeschlossenen wirkte <r erfolgreich Zeitlebens, gleichviel ob e« ihnen staatlicher < 'bsoluti-mu« oder religiöse« Borunheil versagte; da« werrenve Recht unsere« Hamburg, da« werdende Recht unsere« Deutschland da«e an ihm dm rastlosen Seelmsorger. -- Da« Bemühen aim Recht und Gerechtigkeit entjpram bei Rießer nicht kalter Erwägung, nicht boctrinairem Erme sm, sondern dem lebmdigen Gefühl in seiner Brust: wie Rechtlichkeit, Rechtschaffenheit, Gerechtigkeitsliebe ihn ereilt« t, so drängt e« ihn. Recht schaffen zu helfen. Und wie -rglüht« sein funkelnder Zorn über Unrecht und Gewaltthar! — O wie wenig versteht Der vom Wesen de« Recht«, brr nur festhalt an bestehendem Recht in dessen unerbitt rcher Starrheit und rauher Sprödigkeit: denn da« wahr« Recht ruht auf sittlichem Fuadammke. Doch unserem Ri ßer war der sittliche Zweck und der sittliche Grund de« Rechte« in tiefster Seel« eiagepragt. Schon in sein« in Panirell erganztm sich Recht und Etho«; eia Milderarer Zug zum Argon». zum billig Ausgleichmdm war sein > iharakterzug. So war er nicht im gewöhnllchen Sinne Jurist: er war durch Anlage, allgemeine Bildung und Leden«beruf der Gerechte. — Und seine Berebtsamkeit, die verdientermaßen vielbewunderke, war darum so mächtig, so hinreißend, weit die Gerechtigkeit ihre Seele war. Sie schöpfte au« vollem Born de« peetu«, au« kindlich reinem warmen ManneSberzen; die Wort« quollen au« echtem edlen ManneSwillen; sein Reben mahn» stürmisch, feurig zu au-gleichendem, für Alle gerechten Manneswerk. In Rießer war da« Recht G em u lh geworden. Darin offenbart« sich, wie er im besten Sinne de« Wort« ein Deutscher, so ganz der unsere war, und doch in allen Treuen Emer, von welchem Oer droben, wenn Er ihn nun zu sich kommen sieht, sagen wird: „Siehe, ein rechter Jsraelitel, in welchem kein Falsch ist!" Ern Deutscher war er in Allem, wa« den Deutschen auSzeictmer, vor Allem darin, daß er da« Allgemeinmensch» liche in anziehender, fesselnder, wvhlthuender, liebenswürdiger Erscheinung Freunden und Feinden vergegenwärtigt hat. Wohl oarf ich da« Wort de« christlichen Dichter«, eine« der größesten Deutschen, da« er einem Juden in den Mund legt, aus Gabriel Rießer anwenden: „Ich höre ja, der rechte Riog- Besiyr vre Wimderkraft, beliebt zu machen, Bor «Sott und Menschen angenehm." Ja in meiner Gemeine stehe ich mit glauben-voller Zuversicht; mir ist die Wahrheit die Eine; ich zweifle nrchk an meinem Ringe. Aber vor dieser Gruft hat meine« Le ff in g Wort ernen «underdaren Klang: „So glaube Jeder sicher seinen Ring Den echten!-Wohlan, E« eifee Jeder seiner unbestochuen, Boa Borurrhrilen freien Lieb» nach! . <£« strebe von Euch Zeder um die Wette, Die «rast de« Stein« in seinem Ring an Tag Zu legen! lomme dieser Kraft mit Sanftmuth, Mil herzlicher Verträglichkeit, mit Wohlthun, Mit innigster Ergebenheit in Gott Zu Hülse —" Und während ich die goldnen Worte wiederhole, da steht unser Freund leibhaftig vor mir! Ihn aber finde ich auch wieder, wenn ich in meinem Innern die große Antwort lese auf die Frage, welcheda« vornehmste Gebot im Gesetze sei —: „Du sollst lieben Gort Deinen Herr» von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüthe; da« ist da« vornehmste und größeste Gebot; da« andere aber ist dem gleich: Du sollst Deinen Nächsten lieben al« Dich selbst; ia diesen zweien Geboten hanget da« ganze G-retz und die Propheten." Und „alle Gesetze werden in Einem Wort erfüllet, in dem: liebe Deinen Nächsten al« Dich selbst." — Unsre« Freunde« Bild zeichnen mir di« evangelischen Worte: „Die Frucht de« Geiste« ist Liebe, Freude. Friede, Freund, lichkeit, Gütigkeit, Glaube. Sanfrmuth, Keuschheit." Und mit Dank gegen Gott werde ich ia Erinnerung an unsere Priester erkennen: „ein reiner und unbefleckter Gotte-dienst vor Gott ist der, die Waisen und Wittwen in ihrer Trübsal besuchen und sich von der Welt unbtfleckt erdalten." Ist diese« Freunde« ganze« Leben nicht eine Betbätigung de« „lasset un« Gute« thun an Jedermann, allermeist aber an de- Glauben« Genossen?" O von ihm möchte ich ausrufen, wa« Lessing den schlichten Klosterbruder vom Nathan sagen läßt — aber

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