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Jüdisches Volksblatt · 1863-01-01 · 19 (1863) · p. Seite 75

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
10 (1863)
Issue
19 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 75 (sequence 3)
Language
German
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und von ihnen dagegen recht freundschaftliche Gegendezeugungen zu rühmen habe. Ihr Sohn, den fte bei sich har, ist ein stiller etwa» in sich gekehrter wohl unterrichteter Jüngling, den Du schon ein gute» Wort sagen wirst, um sein schüchterne» Wesen zu verbannen, da» ihn sogar recht glücklich.von der allgemeinen Rare der jungen Leute auszeichnet. *) ■ Die Frau hat etwa» Orientalische» behalten, wie ich e» gern habe." Ja, sie hat ihren orientalischen Adel nicht abgeworfen — -si e ist al» Jüdin gestorben. K. Geschichte ver jüdischen Gemeinde in Stanislau. Loa Neh. Lande« in Bolechow. Die Geschichte der galizischea Juden ist ein sehr drache» Felb geblieben; theil» weil die Quellen sehr spärlich fließen, theil» weil selbst die vorhandenen grschichrlichen Daten, die über den Zustand und da» Schicksal unserer Glaubensgenossen daselbst einigen Aufschluß geben könnten, wie Stadtprivilegien und andere derartige Akten, in Kloster und Magistrat»archiven aufbewahrr und dem jüdischen Forscher noch unzugänglich sind. E» ist daher nothweadig, jede» geschichtliche, He galizischen Juden betreffend« Moment zu veröffentlichen, um dem einstigen Geschichtsschreiber der Juden Galizien» Anhaltspunkte zu bieten. Bon dieser Ansicht ausgehend, will ich eine kleine Skizze über StaniSlau zusammenzustellen versuchen. Di» Gründung der Stabt Stanislau') ist da- Werk der ritterlichen Familie Porocki, welche durch Verdienste ums Vaterland, durch Tapferkeit und Verwaltung hoher Sraal-Lmter auch über die engen Marken des Vater-- lande» berühmt ist. Die Gründung fällt in da» Jahr 1654, in eine Zeit nämlich, wo da» polnische Reich sowohl von äußeren al» auch inneren Kriegen stark heimgesucht war. Besonder» war Rothrußlanb und dessen Städte den häufigen Ueberfällen zahlreicher Feinde der Nachbarländer, die theil» in Gemeinschaft mir den Horben de- Chmietnicki, unter dessen graufamenStreifzügen die Juden am meisten litten, theil» auf eigene Faust diese Gegend plünderten, preisgegeben. Zur Vergrößerung der Einwohnerzahl ließ der Gründer der Stabt handelstreibenbe Armenier au» der Moldau und Ungarn kommen und gestattete auch dey Juden den Aufenthalt daselbst, damit der Wohlstand der Einwohner durch Handel und Gewerbe sicher gestellt werde. Die Anfledlung der Juden in St. fällt also mit dessen Gründung zusammen. Am 7. Mai erließ der Besitzer Stanislau'», Andrea» Potocki, da» Stabtprivilegium, worin die Juden außer mit dem freien Wohnrechte und der Anweisung eine» Platze» zur Einrichtung «ine» Lethause» mir Nicht» bedacht wurden. Bei den jährlich zu veranstaltenden Wahlen der Stabtbeamtea wurde ihnm weder da» passive noch aktive Wahlrecht zugestanden. *) Der noch in Pari» al« Professor lebend« Benjamin Mendelssohn. •) Nachstehende Notizen verdanken wir den in Lemberg 1868 erschienenen Buche „Ramiatki miaata Stamalawowa- (Denkmäler der Stadt Stanislaude» Herrn Sado Baracz. In dem unterm 0 November drsselbea Jahre»i zur I Dotation de» Pfarrer» und der römischen kath. Kirche vastldst ' ergangenen Erlasse wurde bestimmt, daß alle Einwohner St.'» ohne Uatrcschied der Religion und de» Skahde» (cojäacaaque religiooia et cooditionia) die Stolagetzühr dem Pfarrer zu entrichten haben; dagegen wurde den Juden in gedachtem Erlasse die freie Religion-Übung zpgestanden, indem ,» daselbst also heißt: ,,E» wirb hem Pfarrer wie auch seine« Nachfolgern da» Recht ringeräumt. Niemand zur freien Religionsüdung zuzulossen.(neaiaeai ad eiercitnM liberum religiooi« admiüeodj) mit Ausnahme der Einwohner griech. Religion und der Jude»/' Diese Privilegien wurden unterm 14. August 1663 vom Könige Johann Kasimir bestätigt, worauf di« Juden 1665 '-fast hart an . der Stadtmauer ihre Synagoge und zu d^ren beiden Seiten ihre Häuser erbauten. Nach de«, am 31. August 1691 erfolgten Tode de« Andrea» Porocki. übnnahm dessen Sohn Josef die Regierung der Srabt. Unter ihm wurde da» Rarhhau» errichtet, wo unter der Gallerie nach der Südseite fine Judengestalt au» Blech angebracht war, die auf dem K^pfe einen ungeheuren Laib Brot hielt. *) Trotz der Armuth und der Beschränkung, indessen, unter der hier die Juden gelebt, hätten sie sich doch all« mahlig durch Fluß und Sparsamkeit au» ihrer niedrigen Stellung herausardeiten können, wenn nicht unvorhergesehene Ereignisse so manchen Familienvater genöthigt härtenden kaum niebergelegten Wanderstad auf» Reue zu ergreifen, um für sich und die Seinigen eine neae Heimald zu suchen. In dem bekannten Bürgerkriege nämlich zwischm der. Partei de» entthronten August kl. und der de» nenen König» Stanislau» Leszczynski ergriff auch I. Potocki Partei für Leszczynski und die Schweden. Diese Parteinahme Seilen» de» Stanislauer Grundherrn harte zur Folge, dj»ß, nachdem da» Knegsglück August zum Sieg« verholst», dessen Hetman, um sich an Porocki wegen Theilnahme 'an der Sache Leszczynski'» zu rächen. St. überfiel, e» plünderte und zerstötte; hierauf quartirtt er in den Häuser«!der v* Bewohner russische Soldaten ein, die auf grausame Weist wie in Feinde» Land gegen Christen und Juden wütherstr. Er legre den Einwohnern große Kriegskonrndutlone» osrf, wodurch sich viele Juden veranlaßt sahen, die Stadt zu verlassen, um anber»«o eine Zufluchtsstätte gegen »te grausamen Erpressungen zu suchen. Diese» Unglück bauerte oim I. 1707 di» 1717. da« im Verein mit »er i« I. 17#0 an» der Türkei nach Polen herüdergebrachten Pest die jstd. Einwohnerzahl von Stanislau derimirte. I Rach dem Aufhören der Pest, die so viele Opfer da»* hingerafft, begannen die jüd. Einwohner ihrem Erwerb« wiederum nachzugehen, der einigen Wohlstand unter Ap selben gebracht zü haben scheint. Ader eben dieser unhe-! deutend« Wohlstand, welcher 'mehr der unter den Inden I gewöhnlichen Sparsamkeit, al» ihrem großen Erwerbe 1»- * zuschreiden ist, und die nicht sehr große Nüchternheit der! dortigm Bürger, die ihren früheren Wohlstand untergrub, *) Dieser blecherne Inde mit dem Brotlaib auf de« Handle bedenttte, daß damals ei« Brotboa solcher Gr»ße >w» etrch» Broschen verkauft wurde. Der Umstand de» Brotverkanf», der, wie e» scheint, ausschließlich dnrch Inden geschah, läßt wohl auf; den nicht allzu groß« Wohlstand der damaligen Inden St'» , schließen. Gegenwärtig findet man diese Figur nicht «ehr. >

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