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Jüdisches Volksblatt · 1863-01-01 · 19 (1863) · p. Seite 76

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
10 (1863)
Issue
19 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 76 (sequence 4)
Language
German
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— 76 — mtgtt den Neid der christlichen Bevölkerung gegen die Juden, was den den jüdischen Handel beschränk« nben Beschluß der autonomen Behörde vom 25. Ap il 1736 ' gegen dieselben bervorrief. In diesem Attenst icke wirb wegen Unterdrückung der Saffiangärbereien! urch die hebräische Nation (sie!) und deshalb, weil bieZinfre und die armenischen Kaufleute jedweden Leberhan-rl a rfgegeben, den Juden, obwohl der buchstäblichen -Gesetz »uslegung (ad litterasi) gemäß der Lederhandel ihnen »ich verboten ist, jedoch um die Saffian- und die Schusters nfte nicht herunrrrkommea zu lassen verboten, schwarz« aus zeardeitete Viehhäut« auf den Märkten zusammenzukaufen, tu ch selbe zu Schuhwerk verarbeiten zu lassen, — da kein Jude sich in der Schusterzunft befindet, — sie sollen d« der solche von den Schustern kaufen. Ferner wird ihnen verboten,! Saffianschuhe verfertigen zu lassen und dami , so wie : mit Stiefeln. Handel zu treiben bei Strafe von 00. Mark ' für'- Schloß. Dagegen wird ihnen gestattet, Soffianhäutr; bundweise außerhalb der Stadt aufzukauftn und eo gros; sowohl in der Stabt, als auch außerhalb bei selben zu l verkaufen; auch Bieh- und Ziegenhäute dürfen sie auSj warts eo gros zufammenkaufen, in der Stadt aber solche i dlos an die Zunftmrtzger verkaufen. Endlich i >ird ihnen! bei Strafe von 10 M. für's Schloß und! für die j Zi^nft und zweitägigem Arreste untersagt, auf bei i Märkten mit Ausnahme der Jahrmärkte Dreh- oder Ziegenhäute! von den Bauern aufzukaufen.')! Indessen hatte sich die jüdische Gemeinde nach und \ nach vermehrt, und «uchte, da die alte 16E5 erbaute : Synagoge nicht mehr in gurem Zustand war, d> L dem da- . maligen Erzbischöfe von Lemderg, Nikolaus Wi zycki, um die Bewilligung nach, eine neue Synagoge e richten zu dürfen. Dieser ertdeilre derselben unterm 12. £ um 1743 die Erlaudniß hierzu, worauf di« StaniSlauer Juden dkn Grundstein zu ihrer jetzigen herrlichen Synagoge legren.'*) Unterm 24. Juni 1743 befahl der damalige Besitzer von Stanislau wegen der in der dortigen An »eniertirche geschehen Wunder dieselbe zu renoviren.' Zur - Aestreilunq der Kosten bestimmte er die jährliche Summe >on 1000 pln. G. 242 fr. 24. 9 kr. ö. W., weiden Betrag die Jodeng,meinde von St. alljährlich m zwei i laren, d. i. am 1. Marz und am 1. September, insolange die Kirchenmauer nicht beendigt sein wirb, vorläufig (pro tenpore) dem armen Pfarrer auszuzahlen hat. Nach l Zeeadigung des Baues bestimmt der Grundherr bi, von dev Juden gezahlten lOOOp.GzuKicchenzwecken, damit für da Wohl und Heil der Polockischen Familie gebetet werde.'") (S hluß folgt.) —-• . *) Da« ganze Lk-enstück, welches sich in der L memerkirche zu St. befiudet, zeigt von Reib und Mißgunst aeger die Juden, und wie man jede« Herab»ommeu der christlichen Zevolkerung tzet« reu Juden zu Last zu legen gewohnt war. Lr Acti» castrensibu» Halieiensibns I elationum 1754, libro 263, pag. 1179 Litteraram permiss: z»ni* super extructionem fani Judaici per Archiepiscopam Metropolitnmnn Leopoliensem. Nicolaam Ignatium ch Wyxyce Wyiycki judaeis Stanislaopolieusibus die 12 lnuli 1743 anno datarum oblata. ***) Au« dem Aktenstücke, welche« sich in der Ai lvenierkirche zu St. befindet, ist nicht deutlich zu ersehen, unter w lchem Titel Berau Berlaq »», VaxxiAL^rxer's Kuriosa. Paris. Ein sehr geachteter junger Mann Namens Carl G... wurde arretirt, da er angeklagi'war, Drohbrief an den Bacon Rothschild geschickt zu haben. In den letzten Tagen de- Mär; empfing Herr von Rothschild einen Brief ohne Unterschrift, aber mit einem Wappen auf dem Siegel, in dem gesagt wurde, daß ein Mann auachtbarer und wohlhabender Familie, der eine hohe Stellung in einem wichtigen Geschäfte einnimmt, sich in großer Verlegenheit ßefände, da er sich in unglückliche Spekulation an der Börse eingelassen habe. Der Schreiber fahrt fort und verlaugt sogleich eine Summe von 100,000 Fr. und ersucht Herm von Rothschild diein Banknoten unter einem Sandhügel in der Rue Rossini zwischen 12 und 1 Uhr des nächsten Morgens hinzulegen. Der Bittsteller sagte ferner, daß er ,S feiner Stellung schulde, seinen Namen nicht zu nennen. Es wurde jedoch keine Notiz von diesem Briefe genommen, aber da sechs andere in schneller Aufeinanderfolge antamen, von denen der letzt« Drohungen enthielt, legte Herr von Rothschild diese sieden Briefe dem Distrikts PolizeikommissariuS vor. Es wurde dann angeordnet, eine Papierrolle auf den bezeichneten Sandhügel zu legen, und mehrere Polizeiagenten mußten den Platz bewachen. Zwischen 12 und 1 Uhr sah man einen Mann sich dem Platze nähern, dies Paquet hcrauSnehmen und dann fortlaufen. Er wurde verfolgt und in der Rur de la Victoire aufgrfangen. Als man ihn um seinen Namen defacgte, gab er diese» richtig an, und in seiner Wohnung fand man das Petschaft, welches er für die Briefe an Herm v. Rothschild benutzte. Durch Nachfragen erfuhr man, daß der Gefangene wirklich auS einer sehe ehrenwerthrn Familie. fei und in einem großen Handelsgeschäft angestellt war, aber daß er in schlechte Gesellschaft gerarhen war und Schulden in Belauf von 3000 Fr. habe, von Venen er seinen Eltern nichts fagm durfte, da diese schon viel durch seine Ausschweifung gelitten hakten. Unter diesen Umständen nahm er feine Zuflucht zu dem verbrecherischen Mittel, von Herm v. Rothschild 100,000 Fr. zu fordem, wofür er vor dem Gericht verantwortlich sein wird. (I. Ch.) die Vorligen Juden dir 1000 p. G. zu entrichten gehabt baben: ob eben deshalb, weil sie Juden waren, also gleichsam zur Strafe ihrer Ungläubigkeit t oder ob die jährlich zum Kirchenbaue zu erstruhtwdeu 10« Dp. G. Gefammtsteuer der StaniSlauer Juden wardst« sie jährlich dem Schloßherrn zu zahlen hatten, womit er nutz/ auf die oben gedachte 'Weise .toetfiigtt. Letztere Ansicht ist die wahrscheinlichere, al« sonst die Entrichtung der gevachten Summa bloß^für die Zeit de« Kirchenbaues geschehen wäre. Allgemeine Zeitung de« Judenldum«. No. 18. 1863. Leitende Artikel: Da« Judeathum de« 19. Jahrhuudert« uud da« Ehristenthum- Literarischer Wochenbericht. ZeitnugSuachrichten: Deutschland: Lu« Mittelfranken. Preußen: Berlin. Bielefeld. Oesterreichischer Kaiferstaat: Przemysl, Prag, Pefih. Schweiz: St. Gallen- Frankreich: Pari«. Niederlande: Au« den Niederlanden. Rußland: Warschau. — N ach tra g : Berlin, Venedig, Wie», Darmstadt, Kairo. S59T* Zu beziehen durch jede« Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich '3 Thaler, vierteljährlich y» Thaler. rwärtticher Redacteur I. H. Luder. BaAtaxMxag ix iieivMg. — Drxrk von <v. Srrvsiug ix Leir,ig. i

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