Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1863-01-01 · 19 (1863) · p. Seite 74

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
10 (1863)
Issue
19 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 74 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/4908862-5999384-6026594--2421-4910785
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

74 - der historischen Wissenschaft der Juden, den 3 erdiensten L'S volle Gerechtigkeit widerfahren läßt. W c wollen unS bestreben diesen Brief dem Originale so treu alS möglich wiederzugeben: „Schmerzlich berührt war ich," schreibt Jos. „als ich Deinen Brief laS: ich erfuhr daraus, das 3)u, mein Freund, sehr krank bist. Möge der Allmä< »tige £>u Seine Gnade und Sein Angesicht zuwenden, und Dich wieder auf Deinen Posten stellen, auf we chem Du Deine Liede zu unserm Volke berhätiget hast, zu n Ruhme unserer Brüder und zu meiner geistigen Erquick mg. „Du erinnerst mich, daß bereit- 10 Jahr« verflossen sind, seitdem ich von Dir Briefe empfing. Ich empfange fortwährend eine Unzahl Briefe au- Deinem 3 .arerland«, deren Porto eine bedeutende Summe ausmach r, fo daß ich nicht im Stande bin sie zu bezahlen-; ich habe mir daher zum Grundsatz gemacht unfrankirte Brie t von der Post nicht anzunehmen, wenn ich nicht weiß, von wem sie geschrieben sind. Ich bliebe sonst ohne eir en Bisien Brod und ohne Kleidung, wenn ich diese 9 egel nicht beobachtet hätte. WaS die 10 Exemplare Deir es Werkes „Teuda-be-lsrael“ betrifft — habe ich sie ni hr gesehen und weiß nicht was aus ihnen wurde. — Die P.- :sönlichkeit deS Herrn M. Bernstein ist mir ganz unbekannt: nicht nur baß er sich in meinem Hause nid t befindet, sondern ich hörte auch nie seinen Namen." „Die Bücher, die Du für den gelehrten Creizenach geschickt, habe ich empfangen. Ader dieser, me n Freund, ist , zu meinem größten Leidwesen, bald hara lf-erkrankt und zum ewigen Leben eingegangen. DreS gescha > im September deS Jahres 1842. Creizenach ist nicht me >r, und ich blieb allein zurück! Um baS Unglück zu cpmpletiren starb nach einiger Zeit meine liebe Gattin und ich war eistig und körperlich so zerrüttet, daß ich zu Nichtfähij war. — Im Geiste bin ich stelS mit Drr. mein lhrut r Freund, und ich danke Dir für Deine Güte, die Du m r bewiesen hast: Du warst der Einzige, der sich meiner er nnert har, und die Frucht Deiner Kenntnisse habe ich ver rauet; — sie war süß, wie der süßeste Honig. Dein W rk „UetKhaozer“ habe ich bis jetzt nicht gesehen, uv) ich habe dloS „Teuda-be-lsrael“, „Efes- Dänin“ u ld „Betb- Jebuda“. Wisse, baß b« „Efes -Damim“ o n unserm gelehrten Or. Löwe inS Englische übersetzt wurl e und daß diese Uedersetzuug sich bei mir befindet. — \ öaS Dein Werk „Jeatn-Zidki“ betrifft — so muß ich Oir sagen, baß ich rS hier durchaus nicht drucken kann, di ich durch Sudfcription Zch viel Gelb nicht zujammemreht rea werde, um -i« Ausgaben und Spesen zu decken. $ Btt haben hier dicht solche Männer, die sich mit dem Talm ld befassen, und überhaupt wird dieser Gegenstand mir j, dem Tage mehr vernachlässiget, so baß eS hier keinen Ich «gen giedr, der Alleversteht, was für oder gegen ihn gefchr eben wird; bei der kleinen Zahl der Liebhaber fehlt eS an materiellen Mitteln. Ader bei Euch in Rußland giebt eS v el« gelehrte und reiche Juden — warum wollen sie n cht Theil nehmen an diesem göttlichen Kampf') und waum unter» *) Das Werk „Jemm-Zidki“, von dem oben die Hede ist, befindet sich »och jetzt im Manuskript Der Inhalt »effelben ist eine Polemtk, gegen einen Schriftsteller gerichtet, der unserer ftdigioa sowohl. aU den rabbioische» Lchrtfte» fei, stich gesinnt ist. Siehe unten. stützen sie nicht die Kämpferl Und wenn sich bei Euch wohldenkeadeMannrrfindrn werden, die bereit sind, die Unkosten zu bestreiten, so bin ich gerne zu Diensten bereit und werde ich vielleicht nochl.mein« Uebersetzung hinzufügen. In diesem Falle kannst Du mir Deine Arbeit zuschicken. I „Was soll ich von den Ungerechtigkeiten sagen, die unsere Glaubensgenossen gelitten und jetzt noch leiben von der gemeinen Derläumdung, als ob sie Ehristenblut denöthigen? Wer kann diesen Blinden die Augen öffnen, die in der Dunkelheit und in Finsierniß umhertappen, und die da- Blut rächen wollen, welchenie vergossen wurde! — Wenn Du mir „Jemin-Zidlti“ schicken wirst, so lege auch die Dokumente im Betreff dieser Angelegenheit bei, welche sich bei Dir befinden, und worin faktisch unsere Unschuld gewiesen ist. „Möge der Allmächtige Dir Heilung für Deine Krankheit senden, von der Du heimgesucht bist, möge er; die Tage und Jahre Deines theuern Lebens verlängern und Dich in dem heiligen Kampfe unterstützen, in dem Du^ emporgewachsen und zum Manne herangereifr bist, , damit Du am Abend Deines Lebens Dich brr Früchte . Deiner guten Thatrn erfreuen mögest."') (Schluß folgt.) Die Wittwe Mendelssohn. i Vor einigen Wochen sah man in drr Jäqerstraße zu ' Berlin vor dem einstöckigen Hause, baS mit Nr. Ü2 und I dem kleinen Schilde „Mendelssohn & C." bezeichnet ist, den jüdischen Leichenwagen und eine große Menge der elegantesten Equipagen stehen. Es war ein imposanter Zug, der sich nach dem jüdischen Friedhofe bewegte, und! ein prächtig,- Gefolge, würdig der Persönlichkeit, welche ] zu Gxabe getragrn wurdr. Die Schwiegertochter MosrS Mendelssohn'-, die Frau seineim November 1848 verstorbenen ältesten Sohnei Joseph, war in hohem Aller verstorben. Diese Frau! hat ein ganz große- Stück Geschichte mit durchgemacht ' und durchgelebt; die bedeutendsten Persönlichkeiten nicht . allein Berlin-, sondern Deutschland- und auch de- Ausland«- frequentirren ihr Hau« und gehörten zu dem engem j Kreis ihrer Bekannten und Freunde. Frauen wie Henriette I Herz und Rahel, Frau Resaumier u. A. standen in inniger ' Beziehung zu ikr; Darnhagea von Ense, die beiden Humboldt- und die bedeutendsten Gelehrten und Diplomatm der preußischen Hauptstadt genossen den Umgang der dian ihr Ende geistig regen Frau. Auch Gölhe blieb sie »icht unbekannt. Durch seinen Freund Zelter wurde sie durch folgende- Schreiben im April 1816. dji ihm eingeführt: „Madame Mendelssohn, eine verständige, liebenswürdige, ehemals sehe schöne Frau, die ich al- Mädchen gekannt, ja geliebt habe, wird sich glücklich haltrn. Dein Angesicht zu sehen. Sle ist die Frau deältesten Sohnevon Mose- Mmdel-sohn, und geht mit ihrem Sohne über Weimar nach Parizu ihrem Manne. Ich habe ihre Bitte um einm Brief an Dich nicht versagen mögen, indem ich an der ganzen Familie von Jugend an Antheii genommen *) Diesen Bries fanden wir, nebst vielen anderen, unter den Papiere» deverewigten.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.