Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 10 (1863)
- Issue
- 19 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/4908862-5999384-6026594--2420-4910784- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Jüdisches Bolksvlatt. .ßeteörung uni) Zlnterhattung aus jüdischem gebiete Herap-gegeben -von Rabbiner vr. Ludwig Philippso« in Bonn. [Mo. 19. 1863.] Boa drrser Oritlchnkt erschriitt woch«»Uich «in« Nummer. Prei< de» Jahr« r. A . gaag« l Thlr. «»eneljährig 7 ‘X »zr. Sllc «uchhaadlaagai. Potzä»rer! 11I JahTfl. 1 dßltttrt .und AnmagSexpeditionrn nehmen BeSelluuge« a». I1 * » T,u Die Sittenlehre des Hiob. In der Klage über das unermeßlich, Unglück, das ihn betroffen, und über die Schmerzen de« Siechlhum«, denen er unterlag, beruft sich Hiob auf die Schuldlosigkeit feine« Leben«, auf die Gerechtigkeit feine« Wandel«, auf di« Pflichttreue in allen feinen Handlungen. Da liegt die Frage nahe, wa« verstand dieser Dulder unter Sittenreinheit und Schuldlosigkeit, daß er sie sich zuschreibr? Und die<e "Frage beantwortet er un« im 31. Kaptzel. Freuen wir un«, daß wir diese Sittenlehre noch besitzen, die, abgesehen von den bestimmten Vorschriften des Gesetze«, ein freier Ausfluß de« jüdischen Geiste« jener Vorzeit war, und al« solcher noch heute von unschcktzbaüem Werthe ist. Lassen wir daher diese Aussprüche de« sittlichen Bewußtsein« an uns vorübergehen. Er hebt an: „Einen Bund hakt' ich mit meinen Augen geschlossen: Wie hält' ich auf die Jungfrau da geblickt! Was hatte ich vom Gotte droben dann erwartet, Don dem Allmächr'gen au« den Höh'n erworben?" Die zweite Hälfte -de« ersten Satze« soll al« erklärende« Beispiel zur ersten Hälfte dienen, welche da« Allgemeine auäspriljht. „Einen Bund halt' ich mit meinen Augen geschlossen" — da« ist, denn ich hatte bey sittlichen Grund in meinem Herzen und Wesen grwo/fen, jede böse Begierde in mir zu beherrschen und zu unterdrücken, jede unsittliche und unkeusche Leidenschaft von mir fern zu halten. Wa« auch meine Augen gewahrten, e« durfte kein böse« Gelüste dacau« entspringen, sie durften nicht wieder darauf Hinblicken, um durch ihr Schauen die böse Lust aufzufaugen. Die« ist die feste > Grundlage alle« sittlichen Wesen«. Wie die Zehnworte zum Schlüsse dahin resultiren: „Oq sollst nicht begehren nach Deine« Nächsten Gut," als der eigentlichen Quelle alle« bösin Thun«, aller Uedertretung der göttlichen Gebote, so läßt Hiob den Baum der Tugend und de« Recht« au« der Wurzel, der Entfernung und Verhütung aller dösen Begierde, entsprießen. Und ist die« nicht eine ewige Wahecheit? Nicht blo« die Vermeidung der Sünde, sondern auch die ganze Heilighaltung unsrer Seele, die Reinheit unsre« Geiste« und Herzen« hängt davon ad, daß wir einen Bund schließen mit unfern Augen, daß wo und wie, mit welchen Reizen und Locktönen, mit welches gleißoerischer Hülle und an« muthiger Erscheinung unsre Augen dem Böse« begegnen, sie sich abwenden, und in unferm Herzen nicht der Hauch der Lust danach aufsteigt. So müssen wir wachen über un« selbst, so Gewalt haben und übe« über die Regungen unsrer Seele. Nur dann bleiben wir fern von dem Brr» derben, da« dahinter lauert. Glaube nicht, rhörich rr Jüngling, daß e« gleichgültig sei, welchen Bildern sch deine Phantasie, welchen Wünschen sich dein Herz wenn diese Bilder "und Wünsche nur verschlossen blie lin den Kammern deine« Innern und nicht hinausttäi!zu Willen und That, so hätte e« nicht« auf sich. Nej diese unlautern Bilder und Wünsche entheiligen de Seele, beflecken deinen Geist, - und arbeiten von inr herau« den -Eingang, durch welchen Sünde und Las hineinschlüpfen werden. Kommt bann die Versuch«, g so sinder sie den Zugang zu dir leicht und bequem, denn e« ist nur ein kurzer Steg, der von Bild und Wun zu Wille und That führt! (Forts, folgt.) hkitge k, bm im \ ne m x Isaak Ber Lewinfohn. Eine Biographie von K. Hausner. (Aus dem "Russischen de« „Zrvn" von Löon A- Trachtenber^.) (Fortsetzung.) VI. Lewinsohn war ein. unerbittlicher Feind gegm allda Lug und Trug. Sein Herz war ein Tempel für. aste« Wahre, Erhabene und voll tiefer Verehrung der Vorsehung- Unter Andern har die Regierung ihm mehrere Mal die Stelle eine« Oderrabdiners mal) angeboren (wie er es selbst kn vetd-äebaäa Seite 360 erzählt); |tr lehnte aber jedes Mal dieses Amt ad, indem er sagte, daß sowohl feine geistigen Fähigkeiten, al« feine physisch n Kräfte einem solchen Amte nicht entsprächen. Auf a le Fragen seiner Anverwandten und Freund« über die Ursaä e, nach ihrer Meinung so sonderbaren Ablehnung, erwiederte«r: „Für mich ist Ihre Frage besser, warum Du diese« Amt nsi ht Pmimmst, al« die andere: warum hast Du es ar> genommen?" — Und doch war damals, seine Lage e! re wahrhaft traurige, was übrigen« au« dem unten folgend n Briefe eine« seiner treuesten und gelehrtesten Freunde in AuSlande, de« verewigten Dr. I. M. Jost ersichtlich it, dessen Bekanntschaft L. noch im Jahre 1833 machie, wie er im Laufe seinemehr als 70jährigen Leben« die Freundschaft und die Liebe aller unserer berühmt Schriftsteller genoß; wenn wir diese Namen herzähli wollten, so würden «kr alle Vertreter der jüdischen uqd jüdisch-deutschen Literatur zu neunen haben. Jost'« Br ist im September 1848 in hebräischer Sprache geschnebe Er hat für un« de«halb Interesse, weil darin der Koryphue