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Jüdisches Volksblatt · 1863-01-01 · 18 (1863) · p. Seite 70

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
10 (1863)
Issue
18 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 70 (sequence 2)
Language
German
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Als Beweis dafür kann folgender Brief des Direktors d,S Krzemenetzer Lvceum«, Hofralb« und Oe. der Philosophie Andrei Thad,«witsch Lewizkv bienen: „Ich tkette Dir mir/' schrieb er an Lewinsohn, „daß die polnische Uedersetzung Deine- Werteüber bas Judenrhum von allen Gelehrten de« hiesigen Lyceum« gelesen wurde. Gebe Gott, baß Du den erwünschten Zweck erzielen mögest, den Du seit Deiner frühesten Jugend anstrebst, nämlich: Dein, Brüder um,ubilden in Bezug der Religion, der Wissenschaft und der Moral; sie zum Ackerbau urd Fabrik«, deschäftigungen anzueifern u. s. »."*) Unter den hinterlassenen Papieren de« ve ewigren I. B. Lewinsahn fanden wir «inen handschrifrlic en Aufsatz, worin er ausführlich erzählt, mit weichen Sü wi'engkeiten ec zu-kämpfen hatte, sowohl bei der Zusammen lellung al« auch beim Druck diese« Riesenwerke«. Nach Empfang der Fragen vom Fürsten!ieven, die deutlich bewiesen wie wenig man da« sittlich« md religiöse Sein der Juden kannte, hielt e« unser Geehrter für GewissenSpflichr, die Jcrthümer so schnell al« möglich zu widerlegen. Weder fein kränklicher Zustand noch die Mittel erlaubten ihm indessen nach irgend ein m Orte zu übecsiedlen, wo er die fa nörhigen Quellen fü sein Werk finden konnte, al« die« in Krzemenetz möglich war; da er den Stadtlärm nicht vertragen konnte, fo wol nre er nicht in Krzemenetz, sondern in einer Dorstadt. Die einzige Bibliothek, die er hier benutzen konnte, war die d « damaligen Lyreum«, welche« später in ein Seminar verw-adelt wurde, und eine sehr kleine jüdische Bibliothek de« ketd-8 amidrasch; von Privatleuten konnte er sehr wenig entleihen. Krzemenetz war zu jener Zeit eine kleine, arme Srad'r, ir der wenig Juden wohnten, und unter diesen waren webrr Gelehrte, noch Schriftsteller. Diejenigen, di« 2000 Rz del besaßen, wurden zu den Reichen gezahlt, und die Besitzer von tausend Rubel wurden al« Capitalisten (Gwi'renPatrizier betrachtet. Bei einigen unter ihnen könnt man eine kleine Sammlung hebräischer Bücher finden, die zufällig in ihre Hände gerathen, entwedll al« Erdschafl. oder sie erstanden sie für einen undedgMnden Preis von irgend einem ruinieren Kaufmann. Oie Bücher wcfren größkenrheil« zerrissen; nicht« desto weniger aber Besitzer auf sie stolz, besonder« wenn sie ist verschiedenfarbigem ledemen Einband waren; ,,e« ist bei annt," fügt Lewinsobn hinzu, „die Anmaßung solcher kleinen Leute und die Neigung, die sie besitzen, jede Sach, .gehört, di« in« Unendliche zu erheben. Kummer litt von ihnen unser armer L., da sie keil seiner Arbeit nicht begriffen und daher Mitgefühl hegten, so gaben sie ihm nicht gerne und wenn die« geschah, so war e« nur für Zeit. Dann hatte er auch Niemanden, Bücher holen sollte, und wenn er Jemanden fand, so waren die Besitzer der sogenannten Bidliothekei beschäftiget und hatten keine Zeit gerade da« Buch aufzuf «chen, dessen L. denöthigte. . Nicht selten entledigten sie fi h in solchen' Fällen durch humoristische und sie charakterisiread Antworten: die ihnen Picht wenig die Wichtkgsür sie kein ihre Bücher, dir kürzeste dser ihm die Dreier Brief, vom 19. Januar 1629 lateinischer -Sprache abgefaßt und befindet sich i Beth-Jehada. ti i alin, ist in Borwort zu „Warum," fragten sie den Boten, „braucht er gerade brese« Buch? ec kann auch au« einem andern lernen: die Bücher, die wir jetzt zur Hand haben, sind für ihn gut genug." Und in der Thar, sie sandten ihm nicht selten dasjenige, wa« er nicht verlangte. Man kann sich nicht genug wundern, wie er bei. solchen traurigen Verhältnissen eine solche Arbeit wie „Betb-Jehuda“ erschaffen konnte. Um die« zu erklären, erzählt L. in dem obengenannten Aufsatze, daß er einen großen Theil seine« Leben« in großen Stäben zugebrachl hat, und daß ec jede« Buch, daß der Zufall in seine Hände spielte, sei e« ein alte« oder ein neue«, ein hebräische« oder nicht hebräische«, von Anfang bi« zu Ende gelesen hak. An Belesenheit, wie man sieht, fehlte e« ihm nicht Im Bewußtsein seine« eigenen Werthe« weist er noch auf eine andere Eigenschaft hm, außer seiner ungewöhnlichen Wißdegierde, auf fern — starke« Gedächrniß. Sonst könnte man sich in der Thal nicht erklären. wie er im Stande war in Krzemenetz „Beth-^ebuda" zu schreiben, und noch dazu in einer so kurzen Frist: da« Werk ward in demselben Jahr« 1827 beendigt, in welchem ihm vom Fürsten Lieoea dwHragen vorgelegt waren. — Ader mit Beendigung der gelehrten Arbeit endeten nicht für unfern L. die Sorgen und die schweren Prüfungen anderer Art. Die Erlaudniß zum Druck wurde im Jabre 1828 von dem Wiluaer (Zensur - Comil« ertheilt. Aber wie e« drucken! Wo Mittel hernehmen? Anfang« wollte der durch seine Gelehrsamkeit berühmte Prager Odderradbiner Mose« ka»dau dieses Werk auf seine Kosten drucken; aber diese Angelegenheit kam, au« einer un« unbekannten Ursache, nicht zu Stande. Im Jahre 1830 schickte e« L. nach Bcody an seinen gelehrten Freund Bermann Blumenfeld, ohne sich eine Copie zurückzulassen, denn sonst hätte er doch selbst eine anfertigen müssen. Von Broby wanderle da« Werk nach Ungarn, dann nach Prag, Wien und von dort kam e« wieder retour nach Bcody. Hier war e« nahe daran ganz vernichtet zu werden. In dem angrenzenden Hause von Blumenfeld entstand eine Feuer«- drunst,'und unter andern Sachen, die verloren gingen/ erwie« sich auch L'« Manufcript, welche« nach einiger Zeit zufällig ein Freund Blumenfeld'«, der Rabbiner von Smela, in den Händen ein« armen Juden fand, und diese« seinem temporären Besitzer zürückgad. Endlich entschloß sich der Inhaber der Wilnarr hebräischen Buchdcnckerei e« für einen gewissen Betrag beim Verfasser zu kanfen unv ihm eine Anzahl Freiexemplare zu geben. Im Jahr« 1834 wurde e« nach Wilna geschickt, wo e« nochmal« dem Lensur-Eomitö vecgelegt werben maßte, welche« im Iah« 1836 zum zweiten Male die Erlaudniß zum Druck ertheilte. Endlich nach Verlauf von drei Jahren, nämlich 1839, ward r< diesem Werke befchieden da« Licht der Wett zu erblicken; aber auch hier vernichtete «ine Feurr«- brunst im Hause der jüdischen Typographie einige hundert Exemplare. Ja! nicht wenig Energie, Willenskraft und aufrichtige Liebe zur Wahrheit und zu feine» Volke muß man besitzen, um unter solchen Widerwärtigkeiten tat Math nicht zu verlieren, und eine solch« mühsame,'geistige Arbeit nicht bei Seite zu legen. — Findet man in der gegenwärtige» Geschichte irgend einer Literatur noch eia Beispiel, daß eia Merk, da« so viel Werthvvlle« enthalt, im Laufe von zwölf Jahre» .

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