Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 10 (1863)
- Issue
- 17 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 57 (sequence 3)
- Language
- German
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67 Initiative in der Findelhausftage veranlaßt, daß jüdische Findlinge nicht ihren Glauven entfremdet «erden. Frankl'« 2Hörigkeit beschränkte sich aber nicht allein auf di« Gemeinde in Wien, zahlreiche Gemeinden Le« Kaisirstaale« und Deutschland« wenden sich fort und fort an ihn als einen natürlich erfahrenen Rathgeder; so zitiren wir, um nur Einiges zu nennen, seinen Organisation«» plan für die jüdischen Gemeinden in Siebenbürgen und die Statuten für die Gemeinde Dedreczin in Ungarn. Ebenso verdankt ihm die erste jüdische Gemeinde in Nreoerösterreich, die sich nach 400 Jahren wieder organistren durfte, in Krems, ihr Statur und dis praktische Einführung desselben. Diese Verdienste stehen um so höher, als e« ein allgemein anerkannter Charakterzug Frankl'« ist, baß er stet« mit unverbrüchlichster Uneigennützigkeit sich dem Dienste seiner Glaubentgenossen gewidmet hat, wa« ihm natürlich mehr Arbeiten zuführte, als die Verehrer feiner Muse wünschen konnten. Auch kann nicht nachdrücklich genug betont werdm, daß die literarische und soziale Stellung Frankl'« in seinem amtlichen Verkehr mit hochgestellten Persönlichkeiten und Behörden der Sache, die er in Gemeindeangclegenheit vorzutragen hat, sehr förderlich ist. Ueber sein urdane« und höchst lieben«wür0ige« Benehmen in feinem Verkehr mit Parteien herrscht nur eine anerkennende Stimme; sein Rath und seine aufopfernde Bereitwilligkeit hat schon in zahlreichen einzelnen Fallen, wie in Gesammrangelegenheiten nah und fern viel Gute« für die Dauer gestiftet. Raphael Käftcubaum und seine Stiftungen. Line biographische Slizz«. von I. I. Rosevmeyer in S. 8. Ujhely. In strengster Einsamkeit lebend auf einem Dörflein vergraben, nur höchst selten sich in da« Treiben der Welt stürzend) war es dieser schlichten Persönlichkeit vergönnt, den Impuls zur Volk-erziehung der israel. Jugend Oderungarns zu geben und der Erste zu sein, der in der Zempliner Gespanyschaft die Errichtung einer israel. Schule ermöglichte. Raphael Kästendaum, von dem Volke Refoel Blecheschitzer und von seinen christlichen Freunden Marron in Pelejte, einem Dorfe unweit Ujhely in derZempliner Gespannschaft gelegen, genannt, war einer der redlichsten und zu gleicher Zeit sonderbarsten Menschen seiner Zeit. In einem Dorf« in Szanzer Kreise geboren und einer armen polnischen Familie entstammt, wanverte er in seiner frühesten Jugend au« Polen nach Ungarn und verlebte al« Bauerndurfche in. der Aewpliner Gespannschaft seine Jugendjahre. In dieser guten alten Zeit, wo Ungarn noch al« da« Land, in welchem Milch und Honig fließt, galt, wo nach patriarchalischer Sitte der Knecht am Tische de« Herrn speiste und der Ständeunterfchied noch nicht so wie heute ausgebilbet war, konnte e« unserem Köstenbaum nicht schwer fallen, an die Gründung eine« eigenen Heerde« zu denken, und da Raphael an Sparsamkeit gewöhnt war und sich schon al« BÜblein durch eine seltene Rechtschaffenheit auszeichnete, so war e« ihm bald vergönnt ein Weib in der Person der jungen, aber nicht sehr, lieüenswütdlgen Tochter de« Günzer Gutspächker« Phrol heimzuführen. Da; die Ehe kinderlos blieb, so erfolgte schon nach wenigen Jahren die Eheschelvung und gar zu rasih ging Hästendaum eine neue Berlsindung mit der ebenso schönen^ al« geistreichen Tochter de« damaligen Homonoaer Rahdinen ein. Nachdem in jenen glücklichen Tagen die Wohnung Raphael« mit Fremden angefüllt war und die^junge liebenswürdige Hausfrau die alte weltberühmte Gastfreundschaft der Magyaren hoch anschluz, so wir'st'^Du, mein freundlicher Leser, zur bessern» Orientirung Dich in jene Tage zurückversetzt denken und mit mir einen Ausflug, wenn auch nur im Geiste, in die Wohnung Kastenbäum'« unternehmen. Ich führe Dich an einem Sommertag«! von Ujhely, dem Liedling«orte Kastendaum'«, nach Pelejte, seinem langjährigen Wohnorte. Da« Hegyaljagebirge steht in feinem schönsten Fqrden, schmucke vor Dir, die Felder und Wiesen prangen mit' ihren goldnen Früchten und die buntfarbigen Schmetterlinge eilen mit gewaltiger Hast an Dir vorüher, al« wollten sie sich ihre« kurzen Leben« doppelt freuen. -Die Rede, die Ziesvr der Hegyalja, schaut bescheiden Dich an und! sinkt ihr Köpfchen ermüdet von ihrer Bürde zur Erve.! Die Arbeiter, varuater recht schmucke jüdische Bauerndurfchen, die Monate laug im Schweiße ihre« Angesichte« chr Bcol erwarben, ziehep unter Musikbegleitung einem Bavertrgule zu und überreichen einem Manne von mittlerer Größe, in halb polnisch zerriffene«. Gewand gehüllt, «inen Kranz, den er schüchtern empfangt und seinem Weibe einen PZink giedl, die sogleich den Tanz eröffnet. > Doch dieser mir der den magyarischen Frauen eigenen Grazie ausgeführte Nalionattaoz und noch dazu mir! o,m schönsten aller Jünglinge, verscherzte unserer jungen Hausfrau die Liebe ihre« Manne« und der hinkende schlichte i Landmann, sein Lebelang von Eifersucht geplagt, wurde s nun gar zu bald von einer Leben-Verachtung ergriffen, die ihn niemals mehr verließ. Du befindest dich in einem niedrigen Stübchen, -essen Fußboden nicht' gedielt und durch dessen Fensterlein da« Tageslicht nur spärlich dringt. Obwohl da« armselige Model alle«, nur nicht eine' reiche Wirtschaft vermüthm laßt, so war doch Jedermann überzeugt, daß hier dre^reichstr Israelit Zemplin« wohne. Bei all dtesie Emsigkeit, di« unseren Raphael weder Tag noch Nacht rasten ließ, ruhete am Saddalhe da« Tagewerk gänzlich, und wer da« glückliche Familienleben unserer Gukspachter km Hegyalgagebirge kennt, ihr« Musterwirthschaften gesehen und ihr emsige« Thun und Schaffen belauscht har wH wir, wird mit mir ein so reiche« und doch so unglückliche« Hauch wie da« de« Köstenbaum war, dedauern und «lnsehen lernm, daß nicht im Reichthum da« Erdenglück begründet ist. Nur die gebildeten Ujhely« gehörten zu den intimen Freunden Kästenbaum'-, und da diese Getreuen dem Ehasfidismu« abhold waren, so stand denn auch unsir^K. bei hem damaligen allmächtigen Heiligen in Ujhely 'in nicht sonderlicher Gunst; verschmähte doch dieser mit den Engeln in jöerbindung stehend« Grei«. di« Annahme eine« Testament«, welche« über Hunderttausend Fl. zu wohlrhätigm Zweck« verfügte. „Ich will mit Blecheschitzer Refoel, der Mit dem S«ten (Satan) zu thun hat, nicht in Berührung kommen, ich »ig nicht Stiftungen von einem Frejinde