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Jüdisches Volksblatt · 1863-01-01 · 17 (1863) · p. Seite 56

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
10 (1863)
Issue
17 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 56 (sequence 2)
Language
German
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— 66 Juden in Jampola (in Wolhynienauibracto, in Folg« brr schändlichen Verleumdung des BlurgedraucheS, wurde im Aufträge unserer berühmten Rabbinen der vier Gouvernements in ihrer außerordentlichen Versammlung, die in Lrodv wegen dieser Angelegenheit abgehallen wurde, beschlossen, meinen Onkel Eliakum auS Jampola nach Rom ju senden. Nach vieler Muh« und Anstrengung gelang «S ihm endlich vom damaligen Papste Benedict XIV. eine Bulle, in lateinischer Sprache abgefaßt, von Ihm eigenhändig unterschrieben und mit seinem Siegel besiegelt, zu erhalten. I" dieser Bulle, die an das ganze -polnische Königreich adreesirt war, erklärte der Papst, daß die Beschuldigung, als ob die Juden christliches Blut zu ihren Osterfeiertagen denölhigten,' eine vollkommene Lüge fei, und daß man in der Folge auf diese schändliche Verleumdung nicht achten solle. Eine versiegelte Copie diesepäpstlichen Schreibens, welchegedruckt und mit einer polnischen Hebers,tzung versehen war, befand sich bet meinem seligen Vater. (Er bekam ezum Geschenk von meinem odeng,nannten Onkel Eliakum, der lange Zeit bei ihm woknre.) Oie Original-Bulle, auf Pergament geschrieben, befindet sich noch jetzt in Medschibesch (im Podolyer Gouvernementbei Eliakum'- Nachkommen. Bei ihnen befinden sich noch viele ander« Oocumente im Betreff dieser Angelegenheit, die sie von Eliakum al- Erbschaft empfingen "); denn dieser Letztere lebte sich- Jahre in Rom, wo er die Zuneigung und die Freundschaft des Papste- und der Cardinäle genoß, und ununterbrochen sich mit dieser Anyelrgenh. it beschäftigte. Dieser Rabbiner war ein großer Gelehrter und ein sehr kluger, unerschrockener Mann und stammte von der berühmten Familie de- Joseph-ben-Samuel-Halevy ab, welcher mit vielen seiner Glaubensgenossen auS seinem Vaterland« — Spanien, zur Zeit Ferdinand'- und Jsabella'- vertrieben ward, waaudem Briefe an den gelehrten Joseph Binzenhausen au- Berlin bekannt ist, der in der periodischen Zeitschrift „Meassef" (der Sammler) vom Jahre 1830 abgedruckl ist." Oie Vorsehung selbst hatte, wie man sieht, den Tramm Lewinsodn zum Anwalt für unser Volt gewählt in dieser gräßlichen Beschuldigung, die den Juden so viel unschuldige- Blut kostete. Ein anderer Onkel unseres Lewinsohn, mütterlicher Seite, Namens Meer-ben- Joel au- Oubno, berühmt durch seine Wohlrharrn, bestrebte sich diese Beschuldigungen zu widerlegen. Mau trifft seinen Namen sehr oft ln dem Buche: Docun-Jud. in Polonia, Darsav. 1763, an. (Forts, folgt.) Fraukl's Amtsjubilüum. Am 15. Mär; feierte Dr. Ludwig August Frankl in Wien sein 2-jLhrige- Amr-jubilaum al- Sekretär und Archivar der dortigen israelitischen Kultu-gemeinde. Bei dieser Gelegenheit geben die „Wiener Mittheilungen" von diesen wichtigen Acten befinden stch einige.bei dem Berdyezewer Bauquier Herrn Jacob Joseph Halperin, der dieselben zum Ueberseyen ins Russische;u geben versprach, um sie in der kürzeste» Frist zu veröffentlichen, welchem versprechen er aber leider bijut Stande nicht nachgekommen ist. Deine Briese »vm 4. Rar; 1857 und 1858, die »viere Worte bestätige», fände» wir umer den Papiere» des verewigten Lewinsvhn. folgende» Uederdlick seiner Wirksamkeit in obigem Amte: Frankl übernahm 11,000 Aktenstücke von früheren Zeiten, die im wilden wüsten Chaounter Staub und Moder durcheinander lagen. Er ordnete, sichtete, führte ein Archiv «in, schuf erst ein Kanzleiwesen, was ihm die Vertreter in einem besonder» BelodungSdekrere hoch anrechneten. Das war des AesthetikerS Arbeit. Der praktische Arzt führte ein Bad im jüdischen Krankenhaus« ein, der Dichter veranlaßt« zu diesem Zweck, eine Akademie im Josephstädtec Theater und schaffte ein ReinertrLgniß von 800 fi., der Gefuhlmensch nannte daS Bad zu Ehren seiner verstorbenen Mutter Theresiendad. Der Man» der Wisft»schaft de- , schenkte die Bibliotheken der Religion-schule und de-! Krankenhauses mir nahezu 1000 Bänden. Ader auch der Geschäftsmann. der zur Praxihinneigl, blieb nicht : unthätig. Sein Werk ist die Einführung der Wiener Leichen-! dofordnung, der Gemeindematrikel, der Manipulation in der Kanzlei, wofür ihm die Belobung der Vertreter zu Theil geworden, und in Folge dessen er zum Mirvorstande der Gemeinde mit Einstimmigkeit erwählt wurde, und diesen Ehrenposten so lange oehitlt, binach ben neueren Gemeinoestatuten die Beamten von der passiven Wählbarkeit ausgeschlossen wurden. In gleicher Weise hat er durch 11 Jahre als Vorsteher und Sekretär de- Handwerkervereins sich uneotgelUlch verwendet, und ist noch al- Sekretär des Kuraeoriums fürdieFaaniJeiteles'sche Stiftung de- Siechenhausewie der neuen Waisenstiftung unentgeltlich thatig. Dem gegenüber ist'- wieder der poetische Sinn für Alter« rhumcr, der so manch« schätzbare Antiquität unserer Gemeinde dem Untergänge entrissen hat. Der alte jüdische Leichenhof 1 wurde auf Frankl'- Anregung restaurier, er ließ die Grab,; schriften kopiren, veröffentlichte sie unter Begleitung nicht! unerheblicher Notizen und eröffnet« dem künftigen Geschicht-, forscher eine zuverlässig, Quelle für wichtige Daten. Daß! er die Bilbniffe der Veneter aufrüheren Zeiten anzuschaffen j und gleichsam einen Ahncnsaal de- Vorständeherzustellen bemüht war, dankt ihm vielleicht ein späte- Geschlecht «den . -so sehr, wie die gegenwärtige Generation der Oelmalec. Wir führen auch diese Kleinigkeit an, weil sie den Mann mit*' fernem archivacischen Smne und seinem biographischen Launen keantzeichner. Seine Reise nach Jerusalem, um die historisch gewordene Stiftung der Frau Elist von Herz, Lämel: eine Lehranstalt daselbst in- Leben zu rufen, ist schon so oft besprochen worden, daß wir unS die Mühe füglich ersparen können. Gesagtezu wiederholen, und wenn auch hierdei der Dichter, den die Wanderlust üderkommt, nicht zu verkennen ist, so war der Gemeiade-Sekrerär, der al- Bevollmächtigter deal- 'Kurator fungirenden Wiener Gemeindevorstandenach Jerusalem ging, doch schon im hohen Grade dabei milwirkrnd. Al- Letzterer brachte er für den hiesige» Leopolvstädter Tempel einen Grundstein mir, der auf dem Ziou gebrochen ward, zwei Thorogrtffe au- Zebemholz, ein schweresilbernes Schild u»d zwei silbern« Thoraufsätze, deren Inschrift zeugt, baß sie vor zweihundert Jahren in Jerusalem geschmiedet wurden, den« der Poer tan« der sinnige» Symbole nicht vergesse». Als Humanist har er «in Schülerprämium für die kleinen jüdischen Dolköschulfrequentanten gestiftet, zur Zeit des italienischen Kriege-e^verarilaßt, daß das iftaeftrifche Krankenhauzur Aufnahme vo» verwundeten österreichischen Soldaten hergerichtet wurde, und im Jahre 1818 dir Vertreter zur

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