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Jüdisches Volksblatt · 1863-01-01 · 16 (1863) · p. Seite 63

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
10 (1863)
Issue
16 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 63 (sequence 3)
Language
German
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63 als in politischer Hinsicht, und vielleicht mit der Zeit meine übrigen Manuskripte veröffentlichen zu tonnen. Den Hauptzweck, den ich durch mein Werk jtT erreichen wünschte — ist die Erziehung und die Bildung der jüdischen Jugend zu verbessern, welche bis jetzt sehr vernachlässigt wurde, und siNd erst von der künftigen Generation die Früchte der jetzigen Saal zu erwarten. Das Lernen dem Zwecke und den Auforderungen des Geistes und des Herzens mehr angemessen, hauptsächlich in der heiligen Religion unserer Vater, muß in Zukunft statt der unsystematischen Lehrmethode treten; mir einem Worte, daS Kind muß derart erzogen werben, um ein Mensch, ein Israelit und ein Bürger zu sein. Diele arme Kinder müssen auf Staatskosten in Institute oder privatim erzogen werden, damit sie mit der Zeit dem ^Staate nützlich sein . können, indem sie verschiedene Professionen erlernen, sich mir Ackerbau beschäftigen, im Heere dienen werden u. s. w. . Jene bedeutenden und. schädlichen Mißbräuche, die man als Fanatismus, MmtiziSmuS und Rohheit betrachten muß, und die gegen unsere Gesetze sind (wie, mit GotleS Hülfe, in diesen meinem Werke bewiesen ist. und habe ich belobende Zuschriften Seitens christlicher wie jüdischer Gelehrten empfangen, die sich in der Einleitung des odenbenanntrn Werkes befinden); jene schädlichen Mißbrauche müssen auS Israels Mitte entfernt werden, damit der Aberglaube und die sittliche Verdorbenheit, die vom Chassidi-mus erweckt wurde^ sich in der Folge nicht erweitern sollen zum Schaden deS Gedeihens deS göttlichschönen Baumes der heiligen Lehre und Sittlichkeit. Die DolkSlehrer müssen ihrer. Bestimmung näher gestellt werden, wenn sie vollkommen ihrem Berufe entsprechen sollen. Sie müssen das Volk zur Erfüllung feiner Pflichten als Bürger und Familienväter anfeuern, besonders durch religiöSsit'tliche Predigten, und eS zu allem Guten durch ihre Beispiele entflammen. Wenn, wie zu bemerken ist, einige Abschriften dieses Werkes, welche erst 6 Jahre sich unter meinem Volke befinden, einige Beispiele zur Selbstvervollkommung hervorgerufen haben, wie viel ist noch von mehreren hundert Exemplaren zu erwarten, besonders da meine Brüder sich überzeugten, daß ihr/Vervollkommnung Ew. Kaiserliche Majestät so wünschenSwerth ist?" Dieses Schreiben fand sich noch unter den Manuskripten L'S- Im Uebrigen fand daS Werk großen Beifall sowohl in Deutschland, wie eine Kritik in der damaligen Zeitschrift „Sulamith" beweist, als auch im Jnlande, da viele geachtete Männer ihn mir Dankschreiben beehrten. (Forts. folgt.) Bilder aus Ungarn. Lon I. I. Rosenmeyer in S. A. Ujhely. (Fortsetzung.) Wenn in früheren Jahren unsere chassidischm RebdeS im Geldnehmen ihr Seelenheil sahen und in anderer Beziehung wenigstens im Ungarlanbe ein harmloses Leben führten, so ist eS deute, seitdem Redde Mordche auS Tevarne, ehemaliger Branntweinbrenner und dermalen Großsiegelbewahrer der ersten Engel Gottes, sein Spiel treibt, ganz anders geworben. Die heiligen RcdbeS sind nun einmal die Schutzgeistec brr Unglücklichen von Sünden beladenen Sterblichen und ihnen allein ist es nach der Meinung älter Mütterchen und überspannter Köpfe vergönnt, Verzeihung zu erflehen. Ein Gebet vom König David gebetet findet vor dem Throne deS Allerhöchsten leichter Erhörung. als daS eines gewöhnlichen Erdensohnes und nachdem Rebbe Mordchai auS Tevarne 'David Htzsn in höchst eigener Person ist und al» solcher von seinem Schoellgäbde auSgegedrn wird, so ist selbstverständlich fein Gebet ein wahrhaft göttliches, das schon als Elches Erhörung -finden muß.- Die Tollkühnheit unserer RebdeS, die um ihren Zweck zu erreichen Allezu opfern bereit sind, ihre! Verbindung mit allen Schichten der Bevölkerung, selbst mir der Mehrzahl der orthodoxen Radbinen, die größtenrheilS auS Furcht, bei der Masse unpopulär werden zu können, mit dem ChassidiSmuS liebäugeln, ist die Ursache, wenn diese Sekte täglich. wachst und nach und nach alle glaubenSireuen Israeliten Ungarns in ihr Lager zu bringen droht.'!Was aber unsere orthodoxen Radbinen bewogen haben mqä, die Chafsibimfrage nach mehr d.nn 20jährigem Schlafe ans Tageslicht zu ziehen, ist eine Erscheinung, dir Rebbe Mordche und mir ihm alle gute Juden Polens und Ungarns gehabt und die von Mund zu Mund gehend einer abermaligen Mittheilung würdig ist. ' „Es war in der' Nacht von «3“! «mmdt»", so erzähle u^»S unser Freund und hoffnungsvoller Redde in Hommona, ,^alS ich in Begleitung mehrer RebdeS, unter ihnen Redde Mordche auS Tevarne, Rebbe Herfchle auS LiSzka und einige ändere treue Anhänger, fammtlick gute Jüben die «hßo rjq'r fein wollten. Don der Wichtigkeit des heutigen Ganges überzeugt hatten wir drei Tage hinter einander die vorgefchriedenen Waschungen vorgenommen untf war Niemand unter unS, der nicht 7 mal sich im Bade unter» getaucht hätte.') Anfangs ging Alles in der größten Ordnung vor sich, der Mond nickte unserem freundlich zu und da wir unS alle deutlich im' Monde gewahrten, waren wir alle cineS glücklichen neuen JahreS gewiß. Unsere Freude sollte doch nicht lange, dauern und mit alle wurden bald so bestürzt, daß keiner den andern in« Gesicht zu schauen wagte. Ader auch der Mond wölkte njdjt Zeuge dieser soavecdaren Erscheinung sein, er verkroch sich hinter die Wolken und wurde für unS unsichtbar. Wir gingen der Stimme nach, die sich uns immer deutlicher und deutlicher näherte und die wir bald als das GekrLH der Hähne erkannten. Wir trauten kaum unserem Ohre, näherten uns jener Erscheinung und siehe vor unS standen verwünschte Geister, die in Thiergestalten gebannt ihrer Befreiung harrten. Wir erkannten in ihnen große V2N 7'S^n, Männer, die fleißig da» GotteSwoct auf Erden studirt, doch unS Chassidim bespöttelten und die Heiligen verschmäheten. Unter der Bedingung einer emsten Buße sprachen wir sie vom Banne loS und die Unglücklichen fanden durch unS jene Ruhe, die sie seit Jahren vergebens gesucht." - Die Versammlung, welche mit Spannung dieser Miltheilung gefolgt war, beschloß: mit allen Mitteln! dem Treiben der Chafsidim entgegeujjttreten und durch Studium der Gotteslehre die Masse vom Chassidismus abzuleuken. *) Mangel an Reinlichkeit kann man nnseren Lhasfidiw nicht zum Borwurf machen, sie baden im strengsten Winter, selbst täglich einigemal im Flusse.

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