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Jüdisches Volksblatt · 1863-01-01 · 16 (1863) · p. Seite 64

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
10 (1863)
Issue
16 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 64 (sequence 4)
Language
German
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Dock genug, wende» wir uns ab von den adenreuerlichen Treiben der Qtaffibim und besuchen wir adermal» die Hoch^ilSgäste, denen sich auch die Radbinen, um die Freuden de» Feste» wenigstenteilweise zu genießen, bei. gesellt haben. Eine Hochzeit im Magvarealande überkrifft an Gemüthlichkeit Alle» wa» wir in dieser Beziehung erledk. Schon am Saddatd vor der HoähzeitSwoche feiert die Synagoge da» Fest und laßt den Bräutigäm bald nachdem er den SegenSspruch über die heilitze Tdora gesprochen mit Mandeln und Rosinen bewerfen, um gleichsam die Süßigkeit der Ede symbolisch darzustellen. Die Hochzeiten fanden auf dem Lande größtentheil» am Dienstage statt, da dieser Tag al» besonder» glücklich auf die Worte der Schöpfungsgeschichte 31c s on'on.^ fußend angesehen wird. Zwei Hochzeiten an einem und demselben Tage sind verpönt, da da- Glück nur dem zuerst Getrauten günstig ist. Kein Brautpaar geht ohne Begleitung der Zigeuner zur Trauung, da die schwarzlockigen von der Sonne gebräunten heimatlosen Männer mit ihren wilden stielancholischen Zaudertönen bei allen Feierlichkeiten im Magyarenlande nun einmal anwesend sein müssen.» Die Trauung findet in den »rtbodoren Gemeinden in der freien Gotte»nalur auf einem Hügel, in der Nahe der Synagoge, aber keineswegs, wie hie und da behauptet wird, auf einem Mistberge stakt, da die Rabbinen diese feierliche Handlung in der Synagoge nicht gestatten. Die Braut, geführt von ihren Gespielinnen, erscheint am Hochzeitstage im Nakionak»magyarischen Eostüme, wenn auch der Bräutigam im Todtenhemd seine zukünftige Ehehälfte unter dem Trauhimmel zu erwarten hat. Dort eilt an un» eine Gruppe von schwarzäugigen Mädchen vorüber, die in ihr kurze» Leibchen, schmalrändigen Hut und vielfach geschmückte» Gewand gehüllt, de» Blickewürdig find. In ihrer Mitte die Braut, deren Haar in rokv, weiß und grünen Bändern geflochten, heute doppelt reizend aussirht. Hier gewahrst Du eine Gruppe von Jünglingen, die noch herausfordernder al» die Damen an dir voüdereilen, e» sind die Brautigamführer, deren Pflicht e» ist, den Tanzfaal zu schmücken und für heute Abend die Gaste zu bedienen. Soll - die Freude de» Tage» voll fein, so darf der Schalksnarr nicht fehlen, der tn radbrechend,n Reimen, sowohl in jüdisch-deutscher, al» magyarischer Sprache die Gäste während der Mahlzeit zu unterhalten hat. Erst gegen Mitternacht beginnen die Narionaltänz« und manche» Mütterkein, wehmüthig ihre» Brautkranze» gedenkend, hüpft leichten Sprunge» mit dem betagten, dem Grade nahestehenden Gatten. Anekdoten. Ern kalmudisch gelehrter und witziger Kaufmann wukde von einem Missionair besucht. Er bat ihn, da er jetzt keine habe, am andern Vormiltag wieder zu tonuyen. E< geschah. Al» der Missionair in da» Zimmer eiagetreren, schloß der Kaufmann die Thüre ad, und sagte: „Herr Prediger, Religion-fachen nehme ich nur in der ernstesten W«se. Sie sind gekommen, mit mir zu diSputiren. Gut. Oer Disput muß ein Resultat haben. Sehen Sie — auf den Tisch weisend — hier habe ich eine Schüssel Wasser und ein Messer — entweder S i e überzeugen mich, und dann sollen Sie mich sofort taufen, oder ich üderjeuge Sie, und bann lassen Sie sich sofort beschneiden." — Diese mit äußerstem Ernste vorgetragenen Wort« setzten i den Missionair in Schrecken, und er stotterte: „Ja, mein Herr, so ernst habe ich vie Sach« doch noch nicht gemeint, dazu muß ich mich noch mehr vordereiten — lassen Sie mich gehen — ich werde wiederkommen ...— „Gut," sagte der Andere, öffnete die Thüre und ließ ihn hinaus. Der Missioaalr kam nie wieder. Bei einer Wahl sagte der Obige, al« man ihn über den Ausfall defrug: „Nun. die Wahlurne ist eine umg,kehrte Papiermühle, man thut Papier hineii», und e» kommen Lumpen heraus " > Bor Jahren fuhr derselbe mit mehreren Juden zur NeujahrSmesse nach Leipzig. E» war ein Tropf darunter. Nun war e» gerade der vorletzte Chamukka- Tag, und e» dämmerte, al» man kur; vor Leipzig war. „Was fangen wir nun," Hub der Einfältige an, „mit den Ehamukkalichtern an t" — „Habt Ihr denn welche bei Euch?" frug unser Kaufmann. — „Gewiß, ich habe neun WachSlichterchen .bei mir." — „Da» ist schon", antwortete jener. „Der Din ist, wenn man in einem Wagen fährt, der einem nicht gehört, und der also nicht wie sein Hau» angesehen werden kann, baß man die Wachslichter an die Krempe de» Hute» befestigt, und da wir Andern Mützen aufhaben, so müßt Ihr Euren Hut dazu hergeden." — Biel Protest««», denn e» war ein neuer schöner Huk — »< half nicht» — die 9 Lichter brannten bald an der Krempe de» Hute», wo sie freilich viel Unheil anrickteten, und so fuhr man, mit den Lichtern am Hute, in Leipzig ein . . Allgemeine Zeitung JuteutbumS 'J*o. 15. lb»>3. Leitende Artikel: Jean Paul, und Smanuel II. (Schluß.) Literarischer Wochenbericht. ZeituogSnichrichten: Deutschland: Darmstadt, Franksurt a. M. Preußen: Franks»« a. d. C , Au» Westphalen, Oppeln. Oesterreichischer Kaiserstaat: Hermanmiestetz, B'rliy, Au» Böhmen. Schweiz: Endlagen. Italien: Au» Oberitalien. Rußland: Warschau, Au» Kurland. Amerika: Chicago. — Nachtrag: Brüsiel, Smyrna, Bern, Kopenhägen, Dirschauyy Zu beziehen durch jede» Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler. vierteljährlich yA Thalcr. Verantwortlicher Redacreur I. H. Lüdrr. «nt*g »on~fc a ,»,irl»er'» t» r«iv»i». — Dr»a *en 9. »re» lr» I ix retvji».

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