Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1863-01-01 · 16 (1863) · p. Seite 62

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
10 (1863)
Issue
16 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 62 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/4908862-5999384-6026590--2406-4910773
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

dachte. —, Auf Wunsch seiner Eltern, aber gegen seinen eigenen Wille», verheirarhere sich damals Lewinfohn und siedelte später nach Radziwillow über, wo er sich mit Uedersetzungen auS dem Hedräischen ins Russische beschäftigte und von den Juden feiner guten Eigenschaften, wie seiner ungewöhnlichen Talente wegen geachtet wurde. Wahrend des vaterländischen Krieges des Jahres 1812 leistcre er unserer Regierung in seiner Eigenschaft, eines Translators bei dem berühmten Radziwillowrc Kriegs - Polizeimeisier, General GirS, sehr wichtige Dienste, und rechtfertigte in vollem Maße das Vertrauen der Behörde. In Folge anhaltender physischer und geistiger Beschäftigung litt er damals an einer Nervenkrankheit, und dieset Umstand sowohl, als sein Durst nach Wissen, bestimmten ihn, nach Beendigung des Krieges nach Galizien zu gehen, als dem nächsten. Land von d.er russischen Grenze.' Hier, war er in Lemberg und in Tarnopol zu der Zeit, als der berühmt« Gelehrte Joseph Perl Dicerror der pon ihm gegründeten israelitischen Schule zu Tarnopol war; spater lebte er längere Zeit in Brody, wo damals das Haupt - Centrum der Thäligkeit der Schüler der Mendelssohn'schen Schule war und von wosich die Bildung unter den übrigen Juden Galiziens verbreitete. In Brody befand er sich im Kreise wahrhaft gebildeter junger Leute, eifriger Vorkämpfer der zeitgemäßen Bildung. Dort bereitete sich unsere künftige Generation vor, welche einige Zeit später die Bildung von dort nach Odessa verpflanzte. Im Kreise gebildeter Männer, wie eines Ngä)mann Kr schmal, Salomon L. Rappaporr, Lazac Landau, Leon Landau, Leon Mieses, Joseph Perl, ve. Isaak Erter, I. Michel Manis, deS gelehrten Ür. M. Letleris, Samson Bloch undBermann Blumenfeld, Verfasser der schönen deutschen Uebersetzung des' Buches Jjod, vervollkommnete er sich im Laufe einiger Jahre im Talmud. in der neuhebräifchen Literatur, imErlernung älterer und neuerer Sprachen und Wissenschaften. Er wurde bald der Liebling der gebildeten israelitischen Gesellschaften Galiziens und in Brody fand ec Gastfreundschaft hauptsächlich im Hause des allgemein geachteten undgebildeten B. T. ui?) seiner Brüder, die gegenwärtig ihren Wohnsitz i« Odessa haben, und bei denen stets Versammlungen aller gebildeten Israeliten dieser Epoche Stau fanden. So legre er im Verein mir Gleichgesinnten den Grund zur dortigen israelitischen Realschule. Dem allgemeinen Wunsche der Besserdenkenden Krzemenetz'S folgend, kehrte Lewinsohn um das Jahr 1818 nach seiner Vaterstadt zurück. Hier boten ihm die reichsten Leute und besonders die achtbar«, ihm verwandte Familie^Landesberg, ihre Kinder zur Erziehung an, und er unterzog sich mit Eifer diesem Berufe. . Noch zur Zeit seiner Anwesenheit in Galizien stellte er sich die Aufgabe — sein Mögliches zur radikalen Umbildung der Erziehung der jüdischen Jugend in seinem Vaterlande deizurragen. — Da er den Wunsch hegte, auf die ganze Masse der westlichen Juden zu wirken und der hedräischen Sprache, wie den jungen Schriftstellern feiner Nation zu nützen, so gab er seine erste wichtige Arbeit: „Teuda-be-Urael“ (Mahnung an die Israeliten) heraus. Sobald nur die Coaservativea Krzemenetz's, welche die Mehrheit bildeten, von dieser nützlichen Absicht L's erfuhren, so verfolgten sie ihn auf jedem Schritt. Dieser Umstand, der ihn zweifelsohne unangenehm berührte, trug viel dazu bei, ihn zu einem vollkommenen weisen Reformator auSzudiloen. Da» Schicksal wollte eS, daß er sich mit den Leiden der großen Männer erst bekannt machen sollte, und er lernte sein Volk in Rußland durch bittere Erfahrungen kennen, dis er die Stellung einnahm, zu der er von der Vorsehung berufen ward. III. Nachdem er eingesehcn, baß es ihm nicht möglich sei, sein Weck „l'euda-be lsrael' foctzusetzen, und in der ersten Aufwallung deS Zornes über die Undankbarkeit feiner Mitbürger, suchte er irgend eine Gelegenheit, um Kezemenetz zu verlassen, und da er von den ersten und reichsten Berdyczewer Handelshäusern eine Einladung erhielt, nach Berdyczew zu kommen, so beeilte'e? sich dieser Einladung Folge zu leisten. Diese gedildelen Familien übertrugen ihm mit Vergnügen die Erziehung ihrer Kinder und verschafften ihm auch Mittel sich mit seinen Werken zu beschäftigen, die er zur Beförderung der Bildung unter seinem Volke herauSgad. Berdyczew, das Centrum der Thärigkrir der Juden in den westlichen Gegenden Rußlands, Ham zu jener Zeit auch in moralischer Beziehung einen großen Einfluß auf dir Masse dieses Volkes. Dies Alles hatte Lvor Augen, sind die Einladung- ^rach Berdyczew war für ihn sehr erwünscht: indem er auf Berdyczew wirkte, wirkte er auf die ganze westliche Gegend, da er auch andere Ortschaften besuchte, wie z. B. den zu damaliger Zeit reichen Flecken Tulczin. Ee unterließ keine Gelegenheit, seine GlaubenSbrüder von der Nothwendigkeit einer radikalen Umbildung der Erziehung der israelitischen Jugend zu überzeugen; seine schwache Gesunddeit aber erlaubte ihm nicht seine Thäligkeit zu entwickeln. Mit einem berühmten Namen und vieler Erfahrung kehrte er im Jahre 1822 wieder nach Krzemenetz zurück. Einer der ersten Berdyczewer Kaufleute, der ihm in Etwas nützlich sein wollte, übertrug ihm die Erziehung seiner beiden Söhne, die ec ihm, zum Eintritt in das Krzemenetzer Gymnasium, mitgab. Uno dieser Umstand trug viel dazu de«, daß ec schon im Jahre 1822 im Stande war, seine Riesenarbeit ».l'euda-be-Israel" zu beendigen. Dank den hochherzigen Bestrebungen der Besserdentenden seiner Nation, deren Namen L. mit Dankbarkeit im Vorworte erwähnt, erschien dieses Werk im Jahre 1828. Nach allerunterchänigstem Bericht des Chefs der geistlichen Angelegenheiten auswärtiger Confessionen, D. N. Bludow, wurde Allerhöchst befohlen, dem Verfasser dieses Werkes 1000 S.-R. auszuzahlen. In der mißlichen Lage, m der L. damals sich befand, war es für ihn eine reiche Belohnung. „Allerdurchlauchtigster Monarch!" — schrieb er an S. M. den KaiserNicolauS Pawlowitsch, — „gleich dem Greise, der von Hadrian beschenkt wurde für einen Kord Früchte von dem Baume, den er selbst auf seine alten Tage für seine Nachkommen gepflanzt hatte, empfing auch ich von Ew. Kaiserlichen Majestät ein Geschenk, wenn auch für unreife, aber Mit derselben Mühe und vielleicht in einem noch schwachern Zustand gepflanzte Früchte meiner Arbeit — ein Geschenk, baß mich in den Stand setzte, mein Werk dem Druck zu übergeben, welches den Zweck hat, meine Mitdcüver zur Verbesserung mancher Sitten und Gebrauche zu ermahnen, sowohl in moralischer

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.