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Jüdisches Volksblatt · 1863-01-01 · 16 (1863) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
10 (1863)
Issue
16 (1863)
Date
1863-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Zur Jüdisches Bvlksblatt Belehrung unk) Unlerhullung auf jüdischem stebiete. Hkrausgegkbrn von Rabhiner vr. Ludwig Philippsou in Bonn. lNo. 16. 1863.) %Un bitte Zcitjcbriii erfAtint »«beuUich eine Wummci. Preis des Iahftong« l Ldlr. dieruljahri«? \e Ngr. Alle Buchhandlangen. Postä und Zeinlngteroediliencn uehmrr; Bestellungen an. [10. Mrg. 1. <§jiarfal] Isaak Ber Lewinsohn. Eine Biographie von Ä. Hausner. (Aus dem Russische» de« „Zion" von Leon A. Trachte nb erg.) I. Isaak Ber Lewinsohn wurde am 2. September 1788 in Arzemenetz im Wolhynier Gouvernement von der nickt reichen aber anghsebenen Familie Lewin*) geboren. Noch im Anfang des hörigen Jahrhunderts siedelte fein Urgroßvater („Jekusiil Salvmon" au« Osrrog im Wolhynrer Gouvernement) nach Lrzemenetz über, wo er auch starb und eine zahlreiche Nachkommenschaft hinterließ. Von seinem jüngsten Sohne Isaak, Schwiegersohn des „Salomon Hakohen", der durch seine Gelehrsamkeit, seinen Reichthum und durch auSgedreitete Handelsgeschäfte bekannt war, wurde „Jehuda", der Vater von Z. B. Lewinfohn geboren. Folgendes schreibt Lewinfohn über seinen Vater in einem seiner Werke, welches sich noch als Manuskript vorfinbet"): „Im Alter von zehn Jahren de- Jehuda Lewin starb fein Vater, d. h. mein Großvater Isaak. ES war rm Jahre 1766. Die Mutter und die Brüder bemerkten in meinem Vater ungewöhnliche Fähigkeiten und gaben ihm eine ausgezeichnete Erziehung. Rach Berlauf^einiger Zeit wurde diese Familie das Opfer des wechselvollen Schicksals. Der älteste Bruder meines Vaters, Namen« „Ehalm", rin Mann, der seiner Rechtlichkeit wegen von seinem Volke ge« achtel war, war in einer Sache compromittirt, in Folge der schrecklichen und falschen Beschuldigung de« Gebrauchs christlichen Blutezu den Osterfeiertagen. Ein polnischer Edelmann, der auf Chaim'S Reichthum neidisch war und der lange darauf sann, ihn zu verderben^ beschuldigte ihn diese« schrecklichen Verbrechens. Man schleppte meinen unglücklichen Onkel, seine Frau, deren Linder und seine zahlreiche Familie ins Gefängniß, und man gab ihnen erst Hann die Freiheit wieder, al« sie ihr ganzes Vermögen «ingedüßr. Dies geschaht im Jahre 1774. — Mein seliger Vater Lewin war von allen seinen Bekannten, sowohl von Judenal» von Christen, seiner Rechtlichkeit wegen in allen seinen Handlungen geachtet. Er verständigte sich leicht in der polnischen Sprache und sprach überhaupt rein und deutlich. Wiewohl von vielen Handels- *) Siehe „Beth-Jehuda" von I. B- Lewinsohn. WUno, 1858. I. Theil. **). Die Vorrede zu „Eschkol-Hasofer". Das Manuskript befindet sich bei seinem Neffen, Jakob I. Lewinsoyn in Odeffa. gesHäfren, in Anspruch genommen, bestimmte ec sich doch täglich eine gewisse Zeit zum Studiee». Obgleich er die Grammatik btt hedr. Sprache nicht kannte. so schrieb er doch eia sehr schön,» Hebräisch. E' liebte die «im hebräische Poesie, wie auch die Erzählungen und Ausweiche unserer Weisen; allen Eommentaren der heiligen Schrift zog er" eine einfache und deutliche Erklärung vor. De» Talmud mit allen seinen Eommentaren kannte er gründlich. — Einst fuhr, «r in Geschäfksangelegenheiten, und zu -seinem Unglück stürme der Wagen auf der Straße in demselben Angendlicke um, als eine herrschaftliche Lutsche eines polnischen Edelmanns hinzukam. Der Fuhrmann meines Vaters erschrak und lief davon; er selbst aber, da es ihm um sein Eigenthum bange war, blieb mit dem Edelmann allein zurück. Dieser Letztere war «in aufbrausender Herr. (Zu jener Zeit betrachteten sich die polnischen EbeLeure al» unumschränkte Herrscher, drückten Jeden, und Niemand wagte sogar über ihr barbarisches Benehme» Llag^ zu führen: einen Juden zu tsdten, gehörte bei ihnen nicht zu den seltenen Falim.) Dieses Ungeheuer erzitterte vor Wuth, stieg au», denz Wagen und schlug mir einem Stocke so lange auf den Lopf meines Vaters, bis die Dimer den Wagen auf einen freien Platz gebracht hatten. Seitdem litt mein Vater au Lopffchmerzen und dis zu. seinem Tode war er zu keiner Beschäftigung, fähig." II. Isaak Ber Lewinfohn lernt« Anfang« bei den Haus- Melamdim (Hauslehrer) unter Leitung seines gelehrten Barer-, und zwar mit solchen Fortschritten, daß der durch, seine Gelehrsamkeit berühmte Rabbiner von Lrzemevetz, David Zewi. ihn zu den besten Schülern zählte. ^AlS Lnabe von etwa zehn' Jahren besaß er viele talmudische Lenntniffe und kannte glle 24 Bücher der heiligen Schrift auswendig. Derart eröffnet« sich ihm schon früh der Weg zur hebräischen Literatur, in der eihm bestimm« war. mir ber Zeir selbst »ine hervorragende Stellung einzunehmen. Achtzehn Jahr« alt erfreute er sich des Ruhmes eines Aetehrren. Er lernte damal» auch russisch. trotzdem daß das Studium dieser Sprache, nach den Umständen der 'Zeit, bei den polnischen Juden im Allgemeinen und bei denen von Lrzemenetz insbesondere, als ein gefährliches, ja/ bei den Orthodoxen sogar —^ als ein verbrecherisches betracht,r wurde; zur Ehre Lewinfohn'» muß ,s gesagt werden, baß er der erste unter den Juden ivit, di« die russische Sprach« erlernte«, zu einer Zeit, wo Niemand noch daran

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