Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 10 (1863)
- Issue
- 15 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 59 (sequence 3)
- Language
- German
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59 Gesicht mit Enthusiasmus und Schrecken fort); und in jenem Augenblicke siel mir der erhabene Psalm des Säugerkönig« ein. Mich Gott entziehen i Wo, wo, großer Gott! könnte ich mich dem schrecklichen Hauche deines Zornes entziehen? Im Himmel? Lu bist da. Im Abgründe? Ich finde dich dort. Auf dm Flügeln der Morgmröthe? Auf dem Schaukeln der Wogen? aber da würde mich deine Rechte ergreifen. O Schrecken! o Schauder! An jedem Orte, in jedem Augenblicke werde ich dm Gott finden, den ich verworfen bade. Gehe, Berfluchrer! (so glaubte ich in meiner innersten Seele zu Horen) gehe nicht bloS aus diesem GotteShause, sondern auS seinem großm Tempel, auS der ganzen Schöpfung. Elender! gestehe es dir nur! welches war die geheime Ursache deiner Abschwörung? Es war der Stolz, ewar der Ehrgeiz. Der Dieb, der für'S Brod stiehlt oder auch au< Laster, ist weniger abscheulich, al< du. Und meine armeHamili«! — und dies« Infamie war in meinem Herzen schon vollbracht! o edler Stolz meiner Jugend! o süße alte Erinnerungen! Ich habe die Unschuld meiner Seele verloren, ich bin mir selbst ein Gegenstand der Verachtung, des Abscheu'-! Ich fing an, schmerzlich zu weinen. Ich verließ den Tempel, ich irrte einige Zeit ganz allein, aber der Sturm meiner Gedanken folgte mir. Ein wilder Vorwurf peinigt mich; da- Geheimniß weine- Verbrechens zittert in meinem Herzen, ich mußte ein «in befreundetes, liebende- Herz niederlegm, eist eine neue Qual, aber ein Anfang der Versöhnung. Aber eS genügt nicht, mein guter Vater. Mäßiget diesen Vorwurf, der mich martert; habt Mitleid mit mir. Ich werde der Eurige sein, der Eurige für immer; ich werde de- Gottes Israels, des Gotte« de-Universumsein. Ader jene Vergangenheit — ach! entfernet dieseschreckliche Phantom s>on mir! . . . Und diese Worte sprechend, brach er in neue- Schluchz» aus, warf sich dem Rabbiner an die Brust, welcher sich erhob, um ihn in seine Arme zu drücken; und da- Haupt senkend weinte er im Stillen. Von jenem Tage an pflegte Herrmann, ohne di« christliche Gesellschaft zu verlassen, mit Liede und Sympathie den Umgang mit den Mirdrübem, und war einer der Eifrigsten für die Ehre, da- Wohl, dem Fortschritt Israel«. L. Seligmann, Rabbiner. /Bilder aus Ungarn. IV. Bo^l I. I. Rofenmeyer io S. A. Ujhely. (Fortsetzung.)*) Ewar Ml Mitternacht und noch immer harrten wir mitten unter den Hochzeit-gästen der hier in Abony anwesmden Rabbinen, die in ernstm Gesprächen vertieft einsam fern von den Freuden de« Festes in einem Lämmerlein faßen. Nach dem Rathe de« weifen vom Emst de« LedenS frühzeitig ergrauten Rabbi JeremiaS.au« .... sollte Alle« in größter Stille abgemacht werben und so geheim wie er gekommm, wollte er auch die Verhandlung geehrt wissen. Nur mir Müh« gelang e< uns Zutritt zu jener Versammlung zu erhalten, in.welcher die wichtigsten Fragen der magyarischen Juden verhandelt werdm sollten. Von dem hoffnung-vollen Sohne degeistreichm Vater« geführt, gelangte» wir durch drei groß« Säle hindurch in ein Lämmerlein, in welchem di« ersten orkhodor« Rabbinen Uagam« saßen und verhandelten, und da die ehrwürdig«, Gestalten eine- Besuche« würdig sind, wollest Du, mein freundlicher Leser, mir im Geist« folgen und Dir dieselbm vorführm lass«. Oden an sitzt ein ehrwürdiger Grei« in halb polnischem Costüme, sein graue- Haar, der tiefer auf seinem Gesichte beginnende Emst, sagt Dir, daß Du e« mit einem Manne zu thun hast, der die Schattenseiten de- Ledm« sattsam gekostet har und al« würdiger Sprosse seiner großen Ahnen nichtversäumte eimr Sekte mit Energie entgegenzurreren, die ihn gern al- Wundermann verehr« möchte. S. A. Ujhely, Jahre lang Sitz de« großm Rebden Moscheh Teiteldaum, vermlßt nur ungern seinen Heilige», und da sein gegenwärtiger Oderrabbi ~3. Lov nicht« mehr haßt als das Wallfahren zu guten Jüden, so verlang« die Mütter wenigstens «iüe al« Gegenmittel gegen die Unart« ihrer Linder, doch unser Rabbi enrgegaete kalt, daß auch sein Töchterlem ei« Amuler bedürfe, da e« ununterbrochen »»eine. Ganz in l er Nähe gewahrst Du eine ehrwürdige Person- Mann in den 5ver Jahr« mir röthlichem Wüchse und imposanten Aeußern, sich hi» und h rr wieq nd, die Wort, de« Sohne-de« min lavfch nd. E^ ist der Rabbi Abraham Benjamin Schreiber au« Preßburv/, der in der talmudischm Welt eine seltme Berühmtheif^rlangt hat. In der Ecke de- Zimmerhar sich der Rabbi Diamant au- Betseneiworf, unweit Eperiegelegen, niedergelassen, eia hageres Ätnnleia mit geistreicher Physiognomie und seltenem Rednettaleure Obwohl in Mähr« geboren und nicht ohne vhilofophische- Wissen, gehört er der strengorthoboren Schul« an, bi« nicht ungem hie und da mir dem Chassidi-mu-i liebäugelt, insbesondere dort wo Chassidismus bei der Masse gleichdedmtmd mir wahrer Frömmigkeit ist. Da wir feit Jahr« in die Mysterien der Chaffedi« . «ingeweiht fijib und durch verwandtschaftliche Bande dem hoffnungsvollen Heilig« in Homonna nicht ferne steh«, war euns nicht schwer', obwohl erst in der zwölften Stunde eingpfühtt, dem.Gange der Verhandlung zu folg«. W§hr«d daheim Redde Herschle in LiSzka *): ruhig, wenn auch l abgemagert und mehr eine« Gerippe alt Menfch« älmlich, die überreicht« Guld« «insteckr, di« er ’ jedoch nach Versicherung feiner Verehrerinnen fofort wohlrhätigm Zwick« widmet, derierh« dahier in Abony Hst! spät in die Nacht hinein di« erst« «tthodopea Rabbinen Ungarn«, wi: die Masse zu belehr« und di« M«ge vom Wallfahren tbzuziehen sei. (Forts, folgt.). lichkein einen Barte, hohem ') LiSzka. im Templinei ein berühmter DallfahttSott der LhaffiLünfreuude Tomitate gelegen. *) Siehe Nr. 5 und 6 dieser Blätter.