Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 10 (1863)
- Issue
- 15 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 60 (sequence 4)
- Language
- German
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Ein Jude als Inhaber ves eisernen Kreuzes. < Ein halb Jahrhundert ist jetzt schon verflossen, La rief zum Kampf eia KönigSwort baS Land; Auch ich Hab' mich dem Auge angestbloffea. Mich ziert das Kreuz am schwarzweiß seidnen Band. Dem FreibeitSkampf had' ich mein Blut gegeben. Er sollte bringen unS der Gleichheit Glück: — DaS eh'me Kreuz, das ihr mir habt gegeben, ES drückt mich schwer, o nehmet eS zurück! Und als der Feind verjagt mir Schimpf und Schande, Ergab ich mich mit Lust der Wissenschaft, Mich fesselten an sie die starken Bande, Ihr weiht' ich alle meine Geisteskraft — Vergebenwar mein eifervolles Streben, AuS jeder Bahn wies man mich hart zurück: — DaS eh'rne Kreuz, bas ihr mir habt gegeben. Es brückt mich schwer, o nehmet es zurück. Soldat zu sein gestattet' ich dem Sohne, Er zeigte dieses Standestetsich werth; Doch stieß man ihn zurück mir schnödem Hohne, Aler den Rang de» Offiziers begehrt. In niedrer Stellung stießet jetzt sein Leben, Der trübe Kummer spricht auseinem Blick: — DaS eh'me Kreuz, das ihr mir habt gegeben. Es brückt mich'schwer, o nehmet eS zurück! Mein zweiter Sohn, bas Baufachzu studire«. In froher Hoffnung ging er nach Berlin; Doch ach, verschlossen find ihm alle Tbücen, Gebrochtten Herzens muß er wieder zieh'n — Aum Trost fand er die Bahn für sein Bestreben Im fremden Land zu Freiheit. Ruhm und Glück: — Das eh'me Kreuz, das ihr mir habt gegebm. Es drückt mich schwer, o nehmet eS zurück. Heut abermals erschallt ein Ruf von oben. Man ladet mich zur KönigSkafel ein; Die Kameraden fühlen sich erhoben. Ich aber kann nicht heitern Sinnes sein; Ich dmke heut' an mein verfehltes Stredm, An meiner beiden Söhne Mißgeschick: — Das eh'me Kreuz, das iht mir habt gegeben, Es drückt mich schwer, o nehmet es zurück! Münster, am 17. Marz 1863. S. Marx. AuS Danzig, im Februar. Hirsch Lewin Perlbach, gebdm 14. Thischn 5546 (25. Sept. 1778), gest. dm 2-. Teberh (16. Januar) zu Lltschottlaab vor Danzig, war bis über sei« 83. Jahr hinaus die Zierde und der Stolz seiner Gemeinde, obwohl er selbst sich niemals zierte und jedem Stolze abhold war. Echtes Gottvertraum,'' innige Religiosität bewahrte ihm einen Gleichmuth im Glück wie im Unglück, die er beide in vollem Maß« erfahrm.; Gewissenhaft beobachtete er die ReligionSgcsetze, auch wenn er auf Reisen sich dadurch die schwersten Enrbehmngen auferlegen mußte. Nicht von der strenqstm Killte, vom schlimmsten Wetter ließ er sich zurückhalten täglich die Synagoge zu besuchen, selbst als er wegen Altersschwache und Gebrechlichkeit sich dahin führen lassen mußte. Er beschrankte seine Bedürfnisse buchstäblich auf ein Mindestes, um, wie er sagte, mit dem U,duzen seine Schulden zu bezahlen, d b. den Armen Gutes zu thun. Bedeutend war die Zahl von Familien und Personen, di«! von ihm feste Pensionen bezogen; aber besonders liebre er es, den Armen Bedürfnisse in »»turn zu liefern. Er stellte ihnen Gewerdscheine, er ließ Holz und Torf fahren, j er hielt für sie eine Garderobe, er lieferte den armen Brauten die Federn zu ihrm Betten, er bestellte bei der Köchin einige Schüsseln mehr, weil er Gäste erwarte und reservirle sie für diejenigen, von benen^r sagte: Sie müssen sich einmal Etwas zugute thun. So viel wohlrhätige Vereine auch in Danzig sind, er war Mirgkied aller, selbst der . ( Zrauenvereine, so oft eine Eollecre zu machen war, der Sammler wurde mit Freuden von ihm empfangen und ging nicht leer aus. , Es läßt sich denken wie Viele — Christen sowohl wie ' Juden — für dieses Leben zitterten und für dessm Ver»! längerung beteten, seitdem er sein achtzigste- Geburl-tag-, [ fest auf seine Weile gefeiert hatte. Jeder Tag, an dem l eS hieß: Herr Perldach lebt noch, brachte Freude in taufend i Herzen. Endlich aber erschien doch der Tag, der Allen I Schrecken und Trauer dringen sollte. Man brauchte am 16. Januar, nicht zu fragen was geschehen, man lae« auf den Mienen: Der alte Herr Perlbach war nicht mehr. Am 19. Januar waren es nicht bloS leidliche Kinder, die an seinem Grade weinten, sondern eine unübersehbar« Schaar von Kinbern. DaS Wetter begünstigte keine längere Grabrede, aber es war auch allegesagt in dem einen Verse, den der Rabbiner, Herr 1)r. Stein, über seine Leiche auSrief ri->:'-7dr2 inrrs« 3« veo D'Birp „Wir | sind Waisen geworben und ein Vater ist nicht mehr, unsre! Mütter sind Wittwen." (Klagel. 6, 3.) Anekdote. Zu einem Manne, der sehr schlecht horte, sagte Jemand-: „Der N. soll doch wieder gute Geschäfte machen?" — die Antwort lautete: „Ja, wie ich höre." A4lgem eine Zeitung deS Zu denk bum«. No. 14. 1*63. Leitende Artikel: Zum 17. Mär;. — Ob Kreis- oder Lokalrabbjner. — Die Thatigkeit de« Israelitischen Centrai^Lon« fistcrrum« von Frankreich. — Au« Rußland. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Itzehoe, Mainz. Kassel. P reuß/aT'Boan. Thorn,Granden^ Insterburg. Oesterrrichischer Jratfftlffat: Innsbruck, Wien. Schwei;: Zürich. Bern. Biel. Frankreich: Pari». Türkei- Loastannnopel. Australien: Sidney. Kaukasien: Temir- Chan-Schora. Aegypteu: Kairo. Marokko: Tetnan. — Nachtrag: Amsterdam, Au« Polen, Endingen. S3T Zu bezirken durch jede« Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich \ Tbaler. Verantwortlicher Redacreur I. H. Luder. *crba Ha«(iauiitiei'( S>6t«Bblaiig üt Leirii-. — Druck wb «. ftrtvfing ht Leipzig.