Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 10 (1863)
- Issue
- 13 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 51 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/4908862-5999384-6026587--2392-4910762- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 51 Die Protestantische: Die Juden müssen verachtet werden, ich denke eS. Alle Drei: So seien wir alle hierin verbunden in einem Lunde der Liebe und Eintracht, mir vereinten Kräften die Juden zu hassen, zu verketzern, zu verhöhnen, zu beschimpfen, zu verfolgen, da- Volk gegen sie zu Hetzen, die Gebildeten gegen sie einzunehmen, und alle Pforten ihnen^ zu verschließen, wo und wie wir nur können — rührende ' selige Eintracht, aber — Ader treffen wir undraußen im Freien, Soll sich der Zank und der Streit erneuen... (Eilen ab.) (Wird fortgesetzt.) -Edler Wettstreit zweier Rabbincn Moses Milhaud, geboren zu Cargentragegen 1760, Verfasser mehrerer hebräischer Schriften, Mitglied degroßen SanhedrinS von Paris, bewarb sich, als das Eonsistorium von MarfeilleS gegründet wurde, wie Carmoly in den Arcb. Isr. erzählt, um die Großradbinerstelle. Er befaß die Sympathie mehrerer Wähler, welche seine veinah elende Lage verbessern wollten. Ader Mose- Milhaud hatte eine zarte Gesundheit, feine Stimme, war schwach und feine Kleidung zu sehr vernachlässigt. Er besaß in dieser Hinsicht eine merkwürdige Sorglosigkeit: ,« war der wahrhafte israelitische Diogenes. Er halte überdies mit einem mächtigen Mitbewerber zu kämpfen, Mardochai Roquemartine. Diese Gründe und noch ander«, welche wir gleich erläutern werben , erwarben Letzterem die Majorität der Stimmen. v Indessen, diese beiden Bewerber um das Großradbinat waren zwei Jugendfreund,; sie waren Beide Mitschüler und einflußreiche Mitglieder der neuen israelitischen Akademie zu CargentraS gewesen; da sie sich gegenseitig liebten, wollte keiner, wo möglich, auf Kosten deS Andern den Sieg davon tragen. Belebt von diesem Gefühle der gegenseitigen Achtung und deS Wohlwollens kamen sie unter sich überein, daß derjenige, der gewählt werden würde, dem Andern den dritten Theil seine- Gehaltewährend seineganzen Lebenadgeden sollte. Ich muß noch bemerken, baß datnalder Gehalt von den Gemeinden de- Sprengelselbst g„ tragen wurde, und diese- Uebereknkommen, gekannt und bewilligt von den Wählern, nur ehrenhaft »bar. Die Wahl ging vor sich und der Rabbiner Mardochai wurde fast einstimmig gewählt. Rabbiner Mos,- Milhaud bekam dian seinen Tod die übereingekommene Summ« von dem Gehalte, was seine traurige Lage sehr erleichterte. *> *) Es tarnt die» den modernen Rabbinen zum Muster dienen. In der jilugsteu Zeit haben sich Dinge ereignet, die dagerade Segenkhcil bekundeten. Anekdoten. Auch ein Vergnügen! Bon Moritz Grltirfeld. Heutzutage, wenn der Jom-Kipur im Herannahen iffhvrt man von Manchen, die der Religion noch nicht ganz und' gar den Rücken gewandt haben, so viele „O ui d Ach" au-sioßen. Dasind aber keine ,,£) und Ach" 6 i Reue und Buße, sie brücken nur ein« kleinliche Furcht v>x^ dem vrrhängnißvollen Tage, der da kommen soll, auS. D n ganzen Tag in der Synagoge sein und beten und fasten -- fasten von einem Sonnenuntergang zum andern — damit! viel sagen, zumal bei denen, die de-Hungernungewohnt, sind, indem sie ihr aufgeklärter Geist alle anderen Fasttaje albedeutungslose ignoriren läßt. Bor dem Jom-Kippr aber bezeugen sie noch eine gewisse unbeschreibliche Scheü; ihn müssen sie nach Möglichkeit halten, von den 365 Tagjn diesen Einen wenigstendem Allmächtigen zum Opsser bringen; — warum auch nicht- — Früher aber, nsie ganz anderwar e-! Da gedachte Keiner de« Fasten-, däwill sagen, e< war ihm dies die größte Kleinigkeit; tra waren die Meisten ln dieser ernsten Zeit von wahrer, aufrichtiger Reue durchdrungen; da war die Seele voll edter Vorsätze; da flehet« man auder Tiefe de- Herzenzi^m Himmel um Vergebung, Gnade, Erbarmen und krümmte sich wie ein Wurm vor dem Allerhadenen; hä that män aufrichtige Buße, >nd schwere Kasteiungen waren /N^ch an der Tagesordnung. Ader zu Mancher Trost« sei jegesagt und geklagt, daß eauch zu jener Zeit Gemeindien gab, in denen die Frömmigkeit nicht zu Haufe war. In ein« solche wollen wir den geneigten Leser führen. Äa «S ihm auf den Namen derselben nicht ankommen mäg, so wollen wir diesen aus Rücksichten der Zartheit verschweigen und sie mir dem üblichen N. benennen. Diese Gemeinde zählte-ungefähr 40 jüdische Glieder, lauter- Unwissende und Dummaufgeklärte, wenn wir nicht eit ehrwürdigen Greis dazu zählen wollen, der seine Zeit d^ch wenigstenmit fleißigem Lesen von allerhand adergläudift Mährlein auSfüllte, und in feiner Einfalt all die fromi und religiösen Gebräuche, ohne sich hierüber den gerings Aufschluß geben, zu können, aufstrengste beobachtete. *— Der hochgelehrte und wahrhaft fromme Rabbi, der kurzem diese Heerde zu leiten hatte, klagte laut und im Stillen sein Leib. Sein Amt war kein deneiden-wetthf-. Doch — dagehört hier zur Sache nicht! Wir sprachen ja von der Jom-Kipur-Zeil. Nun ja, ewar dazuchal am Rüsttage zu diesem hohen Feste dasogenannte „Maltu-. Schlagen" Sitte. Während in anderen Gemein»«» eigenangestellte Individuen sich befanden, um die Schlagfunction für Geld und gute Wort« gewissenhaft zu vollziehen , fehlte ein R. — himmelschreiend genug — jan einem solchen. Doch wozu auch- Hätte er hier doch keine au-gevkhnte Praxigefunden, aa nur zwei, der Rabbi nämlich und jener Greis, an diesen Schlägen Vergnügen fanden, und Ersterer obendrein, wie da« üblich war, diese „ al- Gemeinbegescheuk, also unentgeldlich mir Fug Und Recht zu beanspruchen hatte! Eversteht sich jedoch von selbst, daß wo Nichtist, dort hat der Kaiser — der Rabbi wollt' ich sagen — sein Recht verloren. Miau wußte sich aber zu helfen. Der Rabbi und der Alte