Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1863-01-01 · 13 (1863) · p. Seite 50

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
10 (1863)
Issue
13 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 50 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/4908862-5999384-6026587--2391-4910761
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

sich bis fcfinob« auf 500 Familien, so daß sich die Neuvermählten wegen Mangels an Raum auf den Hradfchin ncue Gebäude und zwar in der Nahe des neuen BelhhauseS errichken ließen. So blieben ne wieder in rudiger Stellung dis im Jahre 1510, wo ihnen ein neu.-S Unglück zustieß. ES war am Schcduorbfeste im Jahre der Welt 5271, nach der christlichen Zeitrechnung im Jahre 1511, als sie «ine neue Gesetzrolle in das neue BethauS geben wollten. Sie trugen nämlich das Sefer vom Hradfchin in größter Feierlichkeit unter einer Chupa auf die Altstadt, wobei sie wahrend de» Tragens auf dem Wege verschiedene Gesänge mit der größten Fröhlichkeit gdsangen. Als sie auf der steinernen Brücke ankamen, schritt ein Tambour von einem ungarischen Regimenie einher und beunruhigte dcn Zug. Di« Portugiesen verwiescn ihn in Gute, die Ceremonien nicht zu stören; der Tambour war. aber so frech, daß er sogar mir Steinen nach ihnen roarf. — Darüber kam eS zu einer Schlägerei, wovon das Ende war, vvß die Portugiesen den Tambour in die Moldau hinabstürzren. Als diese» geschehen, raffte sich der Pöbel zusammen und warf mit Steinen und anderen Gegenständen nach den Juden, so daß einige fchwerverwunder zu Boden fielen. DaS Uedel wäre Noch größer gewesen, wenn nicht bei Zeiten das Militär zu Hülfe gekommen wäre. Auch bewaffnet« Bürger waren herbei' geeilt, welche endlich dem Krawall auf der Brücke ein Ende machten. Unter Bedeckung mußte sich der Zug in. di« Altstadt flüchten. Gegen Abend rottete sich der Pöbel wieder zusammen und wollt« die Judenstadt stürmen. Snwarfen Steine in die Fenster und wollten in die Haus, c dringen, aber der Bürgermeister Josef Hlasky besänftigte bas Volk und versprach, er werde sich alle Mühe geben, diejenigen zu entdecken, die Hand an den Tambour legren, um sie zu bestrafen; die Andern aber, die unschuldig seien, solle man' in Ruhe lassen und nicht in ihren Feiertagen stören. DaS Volt ließ sich besänftigen und ging auS einander; doch blieb die Judenschaft ganzer acht Tage unter Milirärbewachung. So hakten die Prager Juden.wegen eines blinden ReligionSeiferS einen traurigen Schebuolh. Vier Männer von ihnen, die den Tambour in den Fluß gestürzt hatten, sollten mit dem Tode bestraft werden; nur di, Fürsprache wichtiger Männer auS den deutschen Juden Prag» und andem Großen der Hauptstadt verschafften ihnen eine Linderung deS Unheils, so daß die Todesstrafe auf sechs Jahre schweren Kerker» gemildert wurde. Die Regierung beschloß aber, um weitere Unruhen zu verhüten, die Portugiesen von der Kleinfeite in di« Altstadt überzusiedeln. ES kam auch ein königlicher Befehl, daß binnen sechs Monaten alle auf dem Hradfchin wohnenden Israeliten auf die Altstadt ziehen sollten; wer ein eigenes Hau» hat, der mußte e» an einen Christen verkaufen, und wer dieses Gebot Üdectritt, sollte 100 Schock böhmische Groschen Strafe zahlen. Während dieser Frist bauten sich die Juden neben der neuen Synagoge gegen 40 Hauser, und al< die 0 Monate vorüber waren, hatten sie alle ihre Wohnungen auf der Kleinseite, wo sie beinahe 15 Jahre gewohnt hatten, verlassen, und waren in die Altstadt hinüber gezogen. Zum Andenkrn an diese» traurige Eceigniß (die Juden nennen e» Geseras Tambour) wurden von Ihnen einige Selickoth (Gebete) verfaßt, welche einen Tag nach dem Schebuorhfeste gebetet werden follfen. Auch nach Verschmelzung der Portugiesen mit den deutschen Juden wurde noch lange Zeit der Gebrauch hinsichtlich der Selicholb von den böhmischen Juden beibehalten. Auch die. Stiftung von einem reichen Portugiesen , daß man immer mit Musik Freilag Abend» den Sabbath empfangen (mekadel) solle, erhielt sich. Die Portugiesen halten sich mit den einheimischen Juden verschwägert, und nach hundert Jahren war der Name „Portugiese'^aänzlich verschwunden. Nur die von ihnen erbaute Altfchule sowie die eingeführten Gebräuche (Minhagim l geben noch ein Andenken von ihnen. Bei der Belagerung Prags durch die Preußen im Jahre 1757 fielen drei Bomben in die Altschule, die aber zum Glück nicht zündeten. Zum Andenken sind diese Bomben in di« äußere Mauer ^eingemauert worden. Bei Erbauung der Geistkirche anno 1650 mußten auch 2 Fenster, w.lche an der Außenseite gegenüber der Kirche angedracht waren, auf hohen Befehl zugemauert werden; noch heute sind dort die eisernen Gitter zu sehen. So blieb die Synagoge bis anno 1837, wo sie in einen regulirten Tempel der Kultusgemeinde Prag» umgebaut wurde. Der erste Prediger darin war Itr. Sach», nach dessen Abreise nach Berlin kam Herr I)r. Kampf an seine Stelle, der noch heute diese» wichtige Amt ehrenvoll bekleidet. P. Gallerte moderner Subjekte. 4. Die Wiener Kirchenzeitung. Die evangelische Kirchenzeitüng. Die protestantische Kirchen« zei tung. ^Tressen auf eiuander und prallen zurück.) Die Wienersche: Wiek wen seh' ich? was wollt Ihr? Ihr, die ich hasse, die ich verabscheue .... Die Evangelische: Schwester, ja, SchrSester an Seel' und Leid — ich. ich . . . weiß ich doch nicht, ob ich Dich mehr bemitleide, oder mebr mißachte . . . Die Protestantische: Stille, Ruhe, ich mag Euch zwar Beide nicht leiden, hadere und streite mit Euch nach Herzenslust — aber, erst müssen wir dock, da wir un» einmal getroffen, uii'ehen, wo wir un» befinden, auf : welches Gebiet un» ein feindlicher Dämon — denn über | die Existenz de» Satans und seiner Genossen seid Ihr j doch einverstanden — zusammengebracht, ob uns nicht j gemeinsam ein feindliches Geschick bedrohe ....! Die Wienersche: Wie? Wo? Auf jüdischem; Boden stehen wir? Seht doch das Aushängeschild . . . . den Juden gehörig? den Juden, die auf ewig verdammt sind, ich will es. i Die Evangelische: Den Judfn, die unselig bleiben! in Ewigkeit, ich glaub' e».! . Die Protestantische: Den ^JudeU, die verstockt, selbst gegen mich hartnäckig, und darum ausgeschlossen auf > immer vom Heile, ich denk' e», we^l ich je» glaub«, und! glaub' e», weil ich es denke.! Die Wienersche: Die Juden müssen ausgerotrer 1 werden, ich will ,». Die Evangelische: Die Juden müssen unterdrückt werden, ich glaube es.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.