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Jüdisches Volksblatt · 1863-01-01 · 13 (1863) · p. Seite 52

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
10 (1863)
Issue
13 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 52 (sequence 4)
Language
German
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52 stellten sich im Borhofe deS Gotteshauses zur gegenseitigen Ausübung der Erecution ein. Aus gebührender Ehrfurcht vor dem graue» Haupte erbor sich der Raddi, dem Greife zuerst den freundschaftlichen Liede«- and Leibesdrenst zu erweisen» Er wurde arccylirt. Der fromme Lite legte sich «orfdmftS* gemäß mit dem Haupt gcn Norden, den Beinen gen Süden, jedoch so, daß sein Angesicht den Erdboden berührte, während die Rückseite offenen Spielraum ließ. Der Rabbi erfaßte den verhängnißvollen Riemen von Kaldleder; denn ein solcher mußte es nach Vorschrift sein. Ein so heilige» Werk wütde der Weihe entbehren, weNn die Schlage durch profanes Zählen des „Aleph Beth" oder gar deS „ein», zwei, drei" fielen. »Ran bedient sich hierbei eines kleinrn Gebet«, de» „Wehucachums", au« 13 Worten bestehend, welche« man dreimal wiederholt, so daß e» an der Zahl 39 macht, und schwingt diu.Riemen mit jedem Wort nach dem Bestimmungsort. Also murmelte auch der Rabbi diese ominösen Wort« in semen langen Bart hinein, und es folgten der Reihe nach die 39 Valuta .auf die Rückseite deS frommen Dulder«. Dieser erhob ''ffch. al« der Riemen sttllstand, unter Beistand feine« Peiniger«, der übrigen« höchst gelind verfahren war, und quittirte durch einen zwischen O und U schwankenden Seufzer dankend über den richtigen Empfang. „Nun", sprach der Rabbi, „bin ich an der Reihe. Nehm't dt« Riemen und thu't desgleichen an mir, wie ich an Euch gelha»!" — Der Alte zögerte. „Wie darf und kann ich", «arf ec ein, „an Euch so was thun?! An Euch, was Ihr seid doch kein Mensch — <damit wollte er ihm wahrscheinlich ein übermenschliche« Präbirat beilegen) „nein, das kann, das darf ich nit — es ist mir fnegeb (zuwider)' nein, nein -— Euch muß schon ein Andercr — Gott muß Euch' schlagen — ich bin nit rrujo (würdig'. A-uch Hab' ich das mein Leb'tang noch nit gerkan — wie soll ich da --" Der Rabbi fiel ihm hier in die Rede, beruhigte ihst über sein Bedenken und überzeugte ihn von der falschen Anschauung, worauf denn Jener nichts einzuwenbm vermochte und sich zum Gegendienst dereit erklärte.'— „Da ibt bas Euer Leb'cag noch nit gethan bab'r", — wandte der Rabbi sich an ihn, „so muß ich Euch darauß aufmerksam machen, daß ihr dabei den WeKurackum saget und mir jedem Wort den Riemen fallen lasser."-— „Gut, gut." — Da schrie der Rabbi ein mächtiges „Oajeinu" und schnellte mit einem gewaltigen Satze empor. < . Für Manchen der geneigten Leser dürfte vielleicht!d^ Mittheilung nicht überflüssig sein, baß hier ein ungeheures > Mißverständnis obwaltete. Es giedt nämlich zwei Wehurachum- Gebete; das erste, wonach 'der Schläger sich zu richten hatte, wie bereits aagedeuter, au« 13 Worten bestehend, welches vom zweiten, wie es sein Name „Langer Wekurachum" sagt, bei weitem übertroffen wird. Dieses Letztere wählte fälschlich der alte Mann. *— I Will vielleicht Jemand genau erfahren, für wie viele . Jahr, der Rabbi ein geschlagener Mann war. so darf er ' sich die Zeit und Müde nicht verdrießen lassen, di» Worte 1 bis zur betreffenden Stelle zu zählen. Wer aber hierzu ' nicht sonderlich aufgelegt sein sollte, dem sage ichs aus i purer Gefälligkeit, daß der Rabdi noch viele Jahre über -.fein gequältes Leben hinaus davon genug hatte. Ein Diener hatte von seinem Herrn bei jeder guten! Gelegenheit den Ausruf gehört: „Alle jüdische Kinder" z. B. „sollen so ein Stück Braten haben", oder „solch' rin HauS bewohnen", oder „ so «inen Rock bekommen". Einmal fragt ihn sein Herr: „Brennt das Feuer, Johann?" — „Alle jüdische Kinder sollen so brennen!" lautere die naive Antwort. Ein Pole har sich fallit erklärt, und mit seinen Gläubigern accördirt, aber verschieden, wie er mir den Leuten fertig ward, dem Einen gab er 4O°/0, dem Andern 30, dem Dritten 20%. Als er di« nächste Woche mit dem Kaufmann Bernhard handelt, sagt dieser zu dem Polen: „Ihr seid doch ein Lump." — ..Worum e Lump?" — „Ihr habt Mendel & Co. 40% und mir nur 20% gegeben." — „Nu, loßr's gut sin, ich wer' eS euch schon zu gut thun." „Wie wollt Jhr'S mir zu gut thun, Ihr handelt doch bis auf's Btur." — „Schon gut. Das nächste Mal kriegt Ihr 40, und Mendel & Co. ner 20%." Man denke sich nun den Rabdi in ganz derselben Stellung, in der sich 'vor einigen Augenblicken Jener befand. Er spricht andachtsvoll sein Sündenbekennmiß vor sich hin — schon ist er damit zu End«, und noch immer ruht die Zuchtruche nicht — er verfällt wiederum in tiefes Nachdenken über feine Sünden, baS ihn alles Andere um sich vergessen laßt — er schweift in höheren Wellen — noch immer fällt Schlag auf Schlag. Es mochte «ine geraume Zeit verstrichen sein; denn schon finden sich Leut« zum A'bendgottesdienst ein — da ermannt sich plötzlich unser Rabtzi. und frägt den überaus gewissenhaften Peiniger: „Seih Ihr noch nicht fertig, mein Lieder?" — „Ich halt' erst -p nri*n" lautete die naiv, Antwort. Allgemeine-Zeitung desZudenrhum». No. 12. 1W3. Leitende Artikel: Da« Judenthum de» 19. Jahrhundert« und da« Shristenthum. (Fortsetzung.) — Iran Paul und Emauuel 1. II. (Fortsetzung.) Zeitungsnachrichten: Deutschland: Hamburg. Itzehoe. Preußen: Berlin, Berlin. (Schlußfolgt.) Lesterreichischer Kaiserstaat: Wien, Lemberg, Krakau. Schweiz: Endingeo. Rach trag: Bonn. Frankfurt ä/M.. Jitzehoe, Percelli, Warschau. Prag, Au» dem Aargao. * Zu beziehen durch jede« Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler. vwneljäbrlich y» Thaler. Ler anno örtlicher Redacreür I. H. Luder. Werlaq vo» Va»«»trr»«r'» i» d^»z»g. — Druck vo» ®. Srt&fing in Vtipii«.

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