Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1863-01-01 · 13 (1863) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
10 (1863)
Issue
13 (1863)
Date
1863-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/4908862-5999384-6026587--2390-4910760
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Jüdisches VolkSblatt. Zar Belehrung unk» AnteehnNung auf jüdischem ^ekiete. Herau-grgeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippsoll in Bonn. r.\» < » i o/»0 1 «o» dieser Aeiltchrtt, erschet,» wocheE» ei,«-Nummer. Prei« de« Jahr. v . A [Wo. 1.r. 1863.J -•« ‘ IrÄÄ *e,l5mter l>0. iahrg. 1. Quartal.] Die Erbauung der Altschule*) zu Prag durch die Portugiesen im Jahre 1500. Unter der Regierung Ferdinand des Katholischen im Jahre 149V wurden alle Mauren und Juden aus Spanien und Portugal vertrieben, Letztere »»änderten nach allm Gegenden der Welt aus und ließen sich nieder, wo sie nur em Asyl fanden. So geschah es, daß auch nach Böhmen gegen hundert jüdische Familien kamen, um da einen Aufenthalt zu finden. j£U schickten auch zwei der Vornehmsten aus ihrer Mitte al» Abgeordnete zum damaligen königlichen Statthalter in Prag, Herrn von Bozmital, mit der Bitte, ihnen in dem schönen Böhmerlande einen Wohnsitz zu gewähren. Sie ließen ihm dabei sagen, daß sie portugiesische Emigranten seien; sie würden dem Lande nicht zur Last fallen, vielmehr durch großes Vermögen sowohl an Geld als auch anderen Kostbarkeiten, welche sie aus Portugal mit sich gebracht hätten, de» reichern. — Der Statthalter schrieb wegen den portugiesischen Juden an den König Wladislaw, der gerade in Ungarn war; der gute König erlaubte ihnen in Prag zu wohnen, und da sie eine Bitte emrelchten, daß man ihnen einen besonderen Platz in der Stabt anweifen möge, so wies ihnen der Statthalter auf dem Hradschin (Kleinseite) einen geräumigen Ort an, wo sie ihre Wohnungen aufschlagen könnten. Sie beschenkten den Statthalter für den großen Dienst, den er ihnen erwiesen hatte, mir einem reich mit Diamanten besetzten, in Portugal gearbeiteten Geschmeide. So kamen die Portugiesen im Jahre 1494 in der Hauptstadt Böhmens an und bezogen den ihnen angewiesenen Platz am Hradschin, wo sie einzelne schöne Hauser aufdauten. — Die Ankömmlinge waren meistens Männer von großer Gelehrsamkeit und schöner Statur und waren reich an Gold und werthvollen Kostbarkeiten. Sie wurden gern von den Böhmen gesehen, besonders von denen, die eS gewohnt waren, bei den Juden Geld auszuleihen, wie denn zur damaligen Zeit das Israel. Volt gryßtenlheils Geldgeschäfte trieb. Di« «ingewanderten Portugiesen fanden in kurzer Zelt Zutritt bei allen Großen des Reiches, weil sie aufrichtiger in ihrem Geschäfte waren, als die einheimischm Juden. So nahmen sie täglich an Vermögen zu und es währt« nicht lange, so hatten sie beinahe den ganzen Handel auf der Kleinseite inne. Sie verwendeten aber auch große *1 Nicht;u verwechseln mit der viel altern „Altneuschule". Summen auf schone Häuser, welch» sie bauen ließen und de» welchen sie auch nach Be»kf Handlungs-Magazin« anlegte». Zu dieser Zeit war auch die portugiesische Judengemeintze die reichste in Böhmen; ihr erster Rabbiner vor Rah» Jizchat den Schlomoh Alph^si, em großer Gelehrter im Talmud und vieldewandert in her hedr. Sprache und Literatur« Nach seinem Tode hatte diese Gemeinde die gelehrtesten Rabdinen meistens von portugiesischem Stamme; einer von ihnen war Rabbi Elifer Aschkrnasi, dessen herausgegebefle Werke das groß« Wissen des Verfassers bezeugen, welcher wie seine Vorgänger ein Portugiese war. — Später wurde auf dem Hradschin eine Synagoge erbaut, worin der Gottesdienst öffemlich abgehalteo wurde. Die angesiedelten Emigranten lebten eine lange Zeit ruhig utrd glücklich unter dem Schutze der Regierung. Als aber dann die ReligionSstreitigkeiten in Böhmen ausbrach^n, wurde auch den Porugiesen ihr öffentlicher Gottesdienst untersagt. Die Ursache dieses Verbotes war folgende: Die Juden (die Cingewandrrten) hatten in ihrem Re» ligionsrirus den Gebrauch, ihre Gebet«, besonders an Sabdalh, und Feiertagen mit großen feierlichen Gesängen zu verrichten. Dieses verdroß die Hochwürdige Geistlichbeit und die katholische Narioy, und diese brachten es bahsa, daß den Juden verboten wurde, den Gottesdienst ryit Gesängen abzuhalten.Da sich aber die Portugiesen in ihren Religionsgebräucken nicht stören lassen wollten, 1 fo entstand von dem Pöbel ein kleiner Krawall gegen .sie, welcher aber von Seite der Regierung.-glücklich unterdrückt wurde. Um aber solchen Unruhen in der Folge vor« zudeugen, wurde beschlossen, den Juden einen andern PlaH einzuräumen, wo >sie ihren regelmäßigen Gottesdienst nn, gehindert adhalten konnten. Es wurde ihnen auch wir^ich in der Geistgasse, wo früher nur ein großer Holzga«« war, »in Platz angewiesen, wo sie eine neue Synagoge bauen konnten. Ihre Wohnungen und Handlungen erlaubte man ihnen noch immer auf der Kleinseite zu besitzen. Auf dem ihnen aagewiesepen Platz« in der Geist^lsse bauten nun die portugiesischen Jude» eine schön« Gynaäoge nach hem Modell derjenigen, welch« kn Toledo in Spanien war. Im Jahre 1503 stand da« Gotteshaus ln vostem Glanze aufgedaut und wurde, mit feierliche« Ceremonie» eingeweiht. Diese Synagoge ist eine der schönsten Präg«, sie har 15 Klaftern in der stäage und 6 Klaftern in der Breite. Neben diesem Gotteshaus« wurden auch »och einige Häuser zu Wohnungen für Gemeinde« und Sy« nagogeadiener gebaut. — Die portugiesisch« Judengemeinde in Prag vermehrte

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.