Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 10 (1863)
- Issue
- 12 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 46 (sequence 2)
- Language
- German
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—- - Hymnen zu singen. Die schönen, geschmeidigen und volltönenden Stimmen dieser Orientalen, wie, man sie im Occibent gar nicht kennt, verlieren sich allmählich in der Ferne und verstummen durch den Schlummer. Eine tiefe Ruhe folgt auf di« allgemein«, lärmende Freude. Am Sadbath geht man nur au«, um den Tempel $u besuchen oder um irgend eine Prerigt zu hören. .Fast Jeder bleibt zu Hause und beschönigt sich mir heiligen Studien; die Ungelehrten rezitiren Psalme oder andere Gebere. Ader kommt die Nacht ra;c dann wird die Heiterkeit allgemein. Man ergötzt sich, singt, spielt, trinkt u. f. w. bi« spat in die Nacht hinein; und im Sommer singt man laut im Chor auf den Terrassen, die jede« Hau« besitzt, und zwar di« zum Lage. Die türkische Poiize» kümmert sich um solche Kleinigkeiten nicht. Ucbrigens ist die" Freiheit, ja fast Zügellosigkeit, deren sich unsere Glaubensgenossen in der Türkei erfreuen, ohne. Grenzen. Ein Beispiel unter unzähligen. Kürzlich feierten wir, wie auch bei uns, da« schöne rvrn r'nviv-Fcst. Da wurde denn in der Nacht die Menge der rr^r;rn und brr;rn n'CN-Q von den zahlreichen Synagogen im Triumph mit FackeldrgleiruNg durch die Straßen getragen, umgeben von einer gedrängten Menge, die Pismonim und ander? der Gelegenheit angemessene Gebete sang. Da« Viertel Haskv» ist ungefähr' 10/000 Fuß lang, wenn man Piri Pascha und Jeni-Mahale, die zu demselben Viertel gehören, dazurechnet. Die Juden in Konstanrinopel haben ihre Wohnhäuser in den verschiedenen Vierteln, die wir oben genannt haben; aber ihre Chan« ihre Tscharschi« und Magazine sind zu Stambul, Galara ober Pera. Dort werden die Geschäfte gemacht, und dorthin degirdt man sich auf den Dampfschiffen, weiche die Stadt den ganzen 'Tag durchfahren, oder auch in Kalks (Böten.. Wir wollen diese Skizze nicht beendigen, ohne von den sechzig kar ai t ischen, Familien zu sprechen, die sich im Südosten diese« Berge« dicht bei uns Juden niedergelassen haben, mit denen sie im besten Einvernehmen leben. Wir wollen Nicht« weiter erwähnen, al« baß sie am Vorabend de« Jan-Kippur O-—i: 72 in ihrem schönen Tempel di« zur Mitternacht bleiben, von der tiefsten Finsterniß umgeben, da ihnen ihr Gesttz. verbietet, zum Gebrauche de« Festes, selbst am Tage vorher. Lichter anzuzünden; und, was noch merkwürdiger ist, sie fahren nicht« desto weniger in den Gesängen und Gebeten ihre« Machsor«, die sie auswendig wissen, di« zu der genannten Stunde fort. £. in Konstantinopel. Nach kem Franz, in ken ^rcl». Israel. _V Der Bergiftnngsprozeß in Berlin. Lckluß, Nach der Anklage ist dem Angeklagten di« Wegnahme ivohl z»zutrau«n, denn Wett hat wiederholt nach seiner Enr- ' fernung etwa« von seinen Sachen vermißt, den Angeklagten einmal im Besitze eine« gestohlenen Taschentuches getroffen, sodaß er seinen Leuten untersagte, den Angeklagttp in seiner Abwesenheit einzulassen. Mädec hat die« zwar bestritten, namentlich auch, daß er >emal« den Nam^n Morphin« pnruM gehört, doch har auf mehreren bei ihm gefundenen: Zetteln «ine genaue Beschreibung diese« Gifte« gestanden, * noch ehe ihm darüber etwa« mitgerbeilt war. Er machte E darauf den nichtige» Einwand, daß diese Beschreibung nur ' zufällig eine richtige lei. Bei einer Hausi'uchusig ist unter Mädec'« Sachen .Morphium purum gefunden worben, von derselben Beschaffenheit wie das in brr Kaffeemaschine ge» funbene.. Diesen Umstand vermochte der Angeklagte in keiner Weise aufzuklaren. Das Motiv, welches den Angeklagten veranlaßt har, sich an dieser Vergiftung zu betdeiligen. fand die Staatsanwaltschaft, abgesehen von anderen Momenten, in dessen bösartigem Charakter. Mäber wird von Personen, die ihn kennen.,als roh, dem Trünke ergeben uno dabei von hämischer Gesinnung geschildert. Er baue, wie die Anklage anfühcre, allen seinen.weiblichen Dienstboten nachgestellk, uns wenn sie ihm nicht zu Willen waren, in der Weist Rache g.übr> baß er ihnen auf da« Butterbrot streute und sich freute, wenn ihnen die Lippen davon schmerzhaft angeschwollen waren. Der Angeklagte führte nun aus, daß er die Vergiftung nickt veranlaßt haben könne, da ec hierdurch seine Kundschaft vertrieben haben würde. Dem entgegen verwies der Staatsanwalt auf Den Umstand, daß die Speisen und Getränke nicht von ihm, sondern von ver verehelichten Krafft geliefert waren; er rvnnle also den Ruf seine« Geschäfte« durch den Umstand reinigen, daß da« Gift sich im Gefäße der Krafft befunden habe. Am Vormittag de« 7. Juli soll Ser Angeklagte in der Küche gesagt haben: „daß er den Juden heul« eininal einen Schabernack spielen wolle", und al« einig, Personen bereit« erkrankt waren und von dem Tapezier Rostnfeldt gefragt wurde, wa« denn in dem Kaffee sein kenne, erwiderte er: „In dem Kaffee ist nichts", sowohl ,c nach feiner eigenen Angabe gar keine Kenntniß von oer Sache haben konnte. Auch al« ihm gemeldet wurde, bast in seinem Locale eine ganze Gesellschaft erkrankt fei,-ging er nicht, wie es seine Pflicht gewesen wäre, der Sache auf denHÄrund, sondern begab sich, ohne sich um die ganze Angelegenheit zu bekümmern, in sein Zimmer. Nach seiner Verhaftung bat >Dec Angeklagte, wie durch mehrere aufgefangene, in Zablen'chrifr verfaßte Zettel nachgewiesen ist, den Versuch gemacht, die Sache zu verdunkeln. So har ec au« dem Gefängnisse heraus an seine Angehörigen einen Zettel gerichtet, in. welchem er um Erkaufung von Zeugen bat. die für MH) Tblr. entlastend für ihn aussagen sollten Diese Correspond.nz har Mäber mit seinen Angehörigen durch den Mitangeklagten Heym geführt, dem dafür Geschenke zugesagt und ertheilt worden sind. Mäoer wurde am 18. Juli v. I. in die von Heym beaufsichtigte Station verlegt und hat diesen'zu drei verschiedenen Malen zu Aufträgen benutzt. Er har durch denselben verschiedene, sowohl schriftliche wie mündliche auf die Sache bezügliche Bestellungen an seinen Onkel, den Angrklagten Engelhardt, unv seine Tante, die Angeklagte Krumpf, gesendet, welche dem Heym dafür verschiedene Male Belohaungen und Geld gegeben haben. Diese letzter» Thatsachen wurden sowohl von Mädec wie von Engelhardt und der Krumpf erngestanden, obwohl Mäber nicht gewußt haben, will, daß Heym etwa« Pflichtwidrige« rhue. Wa« dagegen di« Vergiftung anlangt, so ist schon oben angeführt, daß Mädec. leugnete; er will sich um den Hochzeirskaffee gar nicht bekümmert haben und verdächtigte verschiedene Personen. Er gab an, daß der Bräutigam, dessen Hochzeit gefeiert worben, erst ein andre« Mädchen habe heirathea