Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 10 (1863)
- Issue
- 12 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Bolksblatt. Zur Kelehruttg 11 nfi 21 nt<’i t>nIIunu Herauegegeben von Nabbiner 1)r. Ludwig Philipptson in Bonn. aus jüdischem Gebiete. ...» , , .»..»» i *Un bidct 3citf(brift erscheint w«b«nlU» «»t ♦iutn I'JlO 16. loOD*l »-»'S« r rblr. «icrlüjähriz 7* Rgr. «ll« Bu»b L 3 une .^eimBglejKCiiicncn nrbmen BcncÜUnzen an ’Muini ict. Prcr» d«< Jahr ll». Jahr®, i. Quartal.] Der Berg Haskoi oder Vas Jsraelitenquartier in Konstantinopel. In det letzten Zeit hak »die israelitische Presse das Publikum so oft von unfern Glaubensgenossen in HaSko'i unrerhalten, daß es unfern Lesern vielleicht angenehm wäre, sich eine ausgedehntere Kenntniß von diesem bevölkerten Stadtviertel -zu verschaffen, welches nur von Juden bewohnt wird, die übrigens auch in vielen andern Vierteln dieser ungeheuren Stadt, besonders in den Quartieren Ballade, Ortakoi, KuSkuntschuk, Galata, Pera u. s. w. sehr zahlreich sind- Ihr wißt, liebe Leser, ober Jbr wißt eS vielleicht auch nicht — was übrigens ganz einerlei ist, weil ich so frei sein werbe, es Euch zu sagen — baß die türkische Hauptstadt durch das Meer in zwei Hälften gelhMt wird; auf der einen Seite durch den Bosporus, der Skutari und den ganzen asiatischen Theil der Stadl Stamdul von Pera und Galata trennt; auf der andern durch da-, Goldene Horn, , einen kleinen Meerbusen, der ungefähr 20-000 Fuß lang ist und an dessen Ende sich die „Euro» päischen Süßwasser" befinden, eine.Promenade, auf welcher sich an schönen Tagen die Aristokratie aller Völker vereinigt , und die der Sultan bisweilen selbst besucht. Auf dem linken Ufer des Goldenen Horns befindet sich der Berg HaSko'i. Die Häuser beginnen, wie überall in dieser Stadl, unmittelbar am llfer deö Meeres und erheben sich im Amphitheater übereinander bis zum Gipfel des Berge- und über ihn hinaus. Die untere lange Straße, welche dem Meere entlang geht, ist ein ununterbrochener Eßwaarenmarkk) wo da- Ohr betäubt wird von dem Geschrei der Verkäufer, die die vorzügliche Güte und Billigkeit ihrer Waaren rühmen. So beginnt ungefähr jeder Tag in diesem Viertel. Am Morgen, ein wenig vor Sonnenaufgang rufen die Boren aller Synagogen, die fSchamaschimS) die Gläubigen singend zum Gebete. Die GoneStempel füllen sich sofort, welches Wetter es auch sein möge, und die Gebete «erden mit einer Innigkeit angestimmt, die augenscheinlich jedeweltlichen Gedankenbar ist: rnnOKn vuox? ». Nach Verlauf einer Stunde zieht sich die andächtige Menge zurück, um andern Gläubigen, die ihr Nachfolgen, Platz«zu machen, und dieselben Gebete beginnen von Neuem. Wenn einige Zeit später da- Geber beendigt ist, entfernen sich diese Leute nun ihrerseits von dem heiligen Orte, um hn Nachzüglern zu überlassen, und der Gottesdienst erneuert sich wie beim ersten und zweiten Male.. Wie gesagt, kfin Ereigniß' könnte diesen unveränderlichen Lauf der Divge unterbrechen. Ganz ebenso gehr eS in allr»^, den zad reichen Synagogen dieser Stadt zu. De, Verfasser dieser Zeilen bewohnt ein-Haus, ^V«s fast am Ufer des Meeres liegt; feine Fenster gehen aiuf -> einer S ite auf den großen Berg HaSko'i, der mit mehrere» Tausenden jüdischer Häuser bebaut ist, von welcheq ein großer 1 Theil ohne alle Kunst aus zusatmnengefügisen Brettert gefertigt ist. Ich erlaube mir zu , behaupten, »aß ein Mensch, der ein auch nur geringes Gefühl für heilige Dinge har und dessen Herz nicht ganz und gar vom Unglauben vertrocknet ist; ein Mensch, um eS kurz zu sagen, der nicht in seiner Seele den Stachel de- Sarkasmus und auf seinen Lippen ein sardonische- Lächeln bereit har, wenn er da- Geschöpf feinem Schöpfer eine tiefgefühlte, ergreifende Huldigung Vorbringen siehe; ein solcher Mensch wird, sich mit hingerissen fühlen von der allgemeinen heiligen Inbrunst, wenn er Ha-iko'i deren hört, wenn er deutlich dies« taufend und aber raffend befreundete Seelen vernimmt, wie sie in vhll» kommeäem Einklänge unbi untadelhafter Reinheit der Aussprache ] 6«n %Ufrl)6d)fhn anderen. Oft wird er für Augenblicke die Verschiedenheit der Bewohner diese- Berges ver* gessen; di« Menschen wsrl m vor seiner begeisterten Einbildungskraft verschwindet; er wird mit Enthusiasmus au-rufen: „Siehe, ein Hai iger Berg, der betet, der da- Lob -e- Höchsten singt/ die Hülfe d«S Gotte- 2-rael'S anruft, der Hymnen und Danklieder anstimmt zu Ehren de- Herrschers de- Weltalls." \ WaS ich eben in schwachen Farben und mit Worten, di« der Wahrheit weit nachstehen, geschildert habe, fischet in jeder Gebetszeir, aber besonders Samstag-, am Morgen und Abend, Statt. Dann scheint der Berg zu zittes»; da- Gebraust wird noch in weiter Entfernung gehört. Sprechen wir nun vom Freitag-Abend; da muß man HaSkoi sehen! — ES ist etwas Ergreifende-, Machtigr-TX schwer zu beschreiben. Denkt Euch einige Tausende jüdischer J Familien, wie eine jede eine Lampe, die von einer Glaskugel umgeben ist, anzüader; daun brennen also mehrere Tausende von Flammen auf diesem Berge und deleuchtm ihn in feenhafter Pracht in seiner ganzen Ausdehnung vom Fuße dis zum Gipfelt Ueberall herrscht Schweigen; die Straßen sind verödet; die vollkommenste Abendruhe dauert fast eine ganze Stunde. Ist diese Zeit verflossen,^ so ertönen plötzlich wie durch Zauber zwanzig» bifunfimdzwanzigtaustnd Stimmen, jalS ob sie durch «ine Zauber» ruthe hervotgerufen würden, um dieSemirotb und Ddnk-