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Jüdisches Volksblatt · 1863-01-01 · 11 (1863) · p. Seite 42

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
10 (1863)
Issue
11 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 42 (sequence 2)
Language
German
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42 - ihrer Q><fübie fauiöem fu untxrboblen ihr traurige» fdncf und den Zweck. der sie hierhergeführr. Sie machte einen tiefen Eindruck auf ihre Zudörerin; diese erkundigte sich auf'S Genauste nach allen Umständen, und versprach, wenn sich dies Allesso bewahrheitete, woran .sie nicht;werf!e, darüber nachzudenken, wie cen Wünschen Scheda'» genügt werben könne? Nach einiger Zeit theilte sie denn auch Schebamir, daß sie ihren Mann, wenn auch mit vieler Müde, bewogen habe, Scheda eine Zusammenkunft mir Joseph zu gestatten, wenn seine Zrau erlauben würde, baß. diese in einem ihrer Zimmer vor sich gebe, zuvor wolle .r aber Scheda selbst sprechen'. Joseph gehörte nämlich zu der Elasse von Sträflingen, welche nicht zu Arbeiten im Freien verwendet wurden, sondern im Innern de» Hau'eS fabrikmäßige Arbeiten zu machen halle, und zuweilen mußte er, da er eine gute Hantz schrieb, Adschnfren fertigen. Deshalb erschien er niemals außerhalb der Anstalt und durfte frische Luft und Bewegung jeden Lag eine Stunde nur im großen ummauerten Hofe genießen. Der Inspektor inquirirte Scheda aufs Genaueste; er verglich ihre Aussagen mit dem. wa« Joseph zu den Akren gestanden hatte, und die Mdereinstimmung war eine fo vollständige', daß jeD« Zweifel aus ihm schwand. Er gab daher Befebl, Joseph in vaS Zimmer kommen zu lassen, wo sich Scheda befand, und verließ dasselbe. Man haue dem Joseph nicht mitgekdeilt', wohin er gebracht würde; ec glaubte, vom Inspektor einen Befehl erkalten zu sollen, und trat daher unbefangen in das Gemach. Wie. wurde ibm «der, als er sich plötzlich Scheda gegenüber sah! Er stand einen Augenblick wie angedonnert; bann machte sich seine Bewegung in einem unbeschreiblichen Ausschrei Luft, er legre seine Hände vor sein todtendleicheS Gesicht und sank wie zerbrochen auf einen Stuhl nieder. Er fühlte sich wie vor seinen wahren und höchsten Richter gestellt, dessen llrtheilspruch — ein DerdannungSspruch fein müsse. Scheda war nicht minder ergriffen; ihn in einem solchen Zustande, in der Siräfling»- rrachr. mit dem kränkelnden Aussehen, welches bei ,edem Emgekerkerren sich emstellt, so zerknirscht und so ohnmächtig — es war zu viel für ,hr lunges, liebevolles Herz. Aber bei ihr stellre sich die erleichternde Thräne eher ein, und o.mn trat sie leise zu ihm, legre ihre Hand auf sein Haupt und sprach sanft: „Joseph, ich liebe Dich noch immer/' Wie elektrisch durchzuckte dieS Körper und Ggist des Gefangenen; er nahm die Hände von seinem Angesicht, die Röche war in sein adgemagerreS Antlitz gesti<gen, und er rief mir einer wilden Hast au«: „Und warum lhust Du dies. Schedas Was willst Du noch von mies Habe ich Dich nicht schon unglücklich genug gemacht i Habe ich nicht Schmach und Elend über Dich'gebrachti Habe ich nicht all' Deine Mahnungen in den Wind geschlagen i Habe ich nicht an Gort und an Dir gefrevelrt Laß' mich und fliehe vor mrr! Die Pest de» Bösen hat mich ergriffen, har mich vergiftet und wird mich gänzlich verzehrend Ich bin den dösen Mächten verfallen und Nicht» kann mich mehr rerren. Laß mich büßen meine Schuld und mich bann unbemerkt in einen Winkel der Erde flüchten, wo ich sterbe. Geh' verlaß mich. Dein Anblick macht mir noch mehr Schmerz und erstickt mich; . . tzr machte eine adwehrende Bewegung und senkte bann sein Haupt abermals in seine Hände. Scheda schwieg ein« Zeit lang. Ibr Herz fühlte die ganze Qual des jungen Manne» mit, frohlockte abec dennoch, da sie m ihr die Erkenomiß seines Vergehens und eine aufrichtige Reue;u gewahren glaubte. Endlich hob sie an: „Ja, Joseph. Du hast schwer gefehlt. Du hast .in wirkliches Verbrechen begangen, Du bist schuldig. Du mußt büßen, nicht btoS durch die Strafe, die Tir auferlegr worden, sondern auch im Innersten Deiner Seele. Ader Du kennil doch die Verheißung unseres GorreS: Der Ewige ist allbaemherzig und gütig und vergieb: Missethar und Schuld. Daran halte fest und glaube, wenn Du genug gedüßet uns ail die bösen Gedanken und Neigungen aus Deiner Seele wie Schlacken hinweg geschmolzen hast. Dich daran noch einmal aufrkchten zu können." Joseph schüttelte da» Haupr, und sagte: „Nein, Scheba, ich dm Deiner unwerlb für immer. Du bist so rein wjie bas olaue Himmelsgewölbe, in mir und um mich aher ist es wie finstre Gewitterwolke- Den schwarzen Flecken, der an mir hafttk, kann das längste Erdenleben nicdr mehr adreiden, und er soll sich nicht auf den reinen Spiegel Deine» Leben» auSdreiren. Laß mich, gied mich auf!" Scheda antwortete gelassen: „Es hat mich viel gekostet, d,s zu Dir zu dringen. E» ist nicht mein Verdienst, sondern eine Fugung Gotte», die mich so gure Menschen finven ließ, welche mir hierzu behülflich waren. In dieser Fügung aber kannst Du einen Fingerzeig de» barmherzigen Gotte» erblicken, daß er Dich nicht verloren giedr. Uno wie dürfte ich die» nun^rbun? Wären mir diese Mauern verschlossen geblieben, hätten alle meine Mühen diese Pforten mir nicht geöffnet, so hätte ich glauben müssen, daß Gott unsere Trennung für dieses Erdenleden will. So aber hat seine Gnade mir alle Wege geebnet, um Dich , wieder zu sehen, hat mir e« leicht gemacht, daß ra, Deine, Du meine Stimme vernehmest: wie sollte ich oa zagen, mit Dir in Verbindung zu bleiben, v.m sein iScschick mich in zartester Kindheit beigeselll. Ich w.rde von Zeit zu Zeit die Ecläubniß erhalten, wieder zu Dir zu kommen. Ja, Joseph, ich will Dir helfen ringen, ich will Dir keine Vorwurfe ersparen, ich will D»r Dem Vergehen nicht verhüllen. Nein! Du sollst e» nur um so klarer erschauen. Du hast mit bewaffneter Hano an der Thüce Deine« Nächsten gestanden, der Nichts an Dir verschuldet hatte, um ihn seine» Eigenrhum» und, wenn e» so unguücklich ausgefallen, seines Leben» zu berauben! Welch' eine Stätte des Friedens ist diese» Gefängmß für Dich gegen die fluchecfullre Hölle, in die Du hättest gerachen können! Mit Dir war der Schatten Deiner verklärten Mutter in der gefährlichsten Stunde Deine» Leben«, daß e» so und nicht ander» gekommen. Dies will ich Dir sagen und immer wiederholen. bis Dein Geist au» den Schatten zurückgekehrt sein wird, in welche er sich verloren hak. Schmerzt Dich meine Gegenwart, so nimm die« mit hin, und zugleich für eine Bürgschaft, baß es mit un» noch besser werden könne." Jede« Wort Scheda'» brannte sich rief in die Seele Joseph'» ein; aber e« wehete ihm dennoch daraus wie der ' Hauch eine« fernen Frieden» an, e» fiel wie ein zarter, zitternder Lichtstrahl, der erste de» dämmernden Morgens in die finstre Nacht seiner Seele. Oie Zeit, die ihnen vergönnt, war verstrichen; der Inspektor trat ein, und Scheba entfernte sich. Sie reichte Joseph nicht die Hand,

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