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Jüdisches Volksblatt · 1863-01-01 · 11 (1863) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
10 (1863)
Issue
11 (1863)
Date
1863-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Bvlksblatt .BdeOrung uiiü Unteehattung auf südlichem Zebiete. HerauSgcgeben von Rabbiner Or. Ludwig Philip-so« in Bonn. L'Jfo. 11. 1863.] Bon tictcr 3«t1 itrift erfarfnt wöckentlich eine Anmut rr. Prti» d«S .,abr» gang» l Tvir. Bieneljätri^ 7 U Agr.' Slllr Buchbanklua.irn. poü-mter und ZeirnugServebitiönen nehmen B«ftellu»iten an. [10* .Jahrg. 1. Quartal. | Verbrechen und Liebe. (Schluß., Scheda war sich wohl noch kaum bewußt, was sie in jenem Flecken zu deg-.nnen habe; aber sie vertraute der aütigen Vorsehung. Sie gekörte zu den unverwüstlichen Naturen, welche in sich bei allen Schwierigkeiten die Zuversicht des Gelingens tragen, sobald sie in ihrem Unternehmen ein gutes, gotlgefäüiges Weck erblicken, die bei jeder schweren Bürde, welche sich auf ihre «Schultern gelegt, daran festhalten. daß nun eine Zeit kommen müsse, wo sie ihnen abgenommen würbe. Ihr Entschluß stand feit, Joseph zu retten, nicht etwa, daß sie ihn seiner Strafe entziehen und die Flucht ihm ermöglichen wollte, nein! seine Seele wollte sie retten und sein jugendliches Leben noch einmal dem Besseren zuwenden. Diese Gedanken begleiteten sie auf ihrer Reise, und das Geschick begünstigte sie. Nach den Erkundigungen, die sie eingezogen, wohnte in dem Flecken eine kleine Anzabl jüdischer Familien, unter denen ein gewisser Meyer als ein rechtschaffener und wohlgesinnter Mann ihr gerühmt worben. An Diesen wandte sie sich gleich nach ihrer Ankunft, und begab sich in sein Haus. Sie ersuchte ihn um eine Viertelstunde Gehör, berichtete ihm offen von allen ihren Verhältnissen. und daß ihr Wille sei, in diesem Flecken einen Dienst anzunehmen, um hier so lange die Strafzeit Joseph'- dauern würde zu verweilen. Meyer war von ihrer Erzählung betroffen und schien der Sache sehr abgeneigt zu sein. Irgend eine Verbindung aus seinem Hause mit. einem der Sträflinge zu unterhalten, war ihm durchaus widerwärtig. So sehr er daher auch den Mulh und die Treue des Mädchens bewunderte, so war er doch anfangs entschlossen, ihr Verlangen abzuweifen. Als ' er aber Scheda in das klare Antlitz- und das unschuldige Auge sah, als er di, Thranen gewahrte, die von ihren Wangen rollten, alS sie ihn anflehete, nicht zu vergessen, daß eS hier gelte, einen jungen verirrten Glaubensgenossen, der keinen Annehmer in der ganzen Welt habe, zu retten, konnte er nicht widerstehend Längere Zeit noch versuchte er es, Scheda selbst von ihrem Entschlüsse abzubringen; er machte sie darauf aufmerksam, daß sie sich wahrscheinlich selbst für^ ihr ganzes Leb»» unglücklich mache, einem vielleicht ganz verlorenen Menschen so fest anzuhangen, der unverbesserlich, doch immer wieder auf den Weg de- Verbrechens verfallen würde. Hiergegen war sie aber längst gewaffner. Sie sagte: „Ich will ihn nur sehen und sprechen. Uederzeuge ich mich, daß ihm nicht mehr zu helfen, daß er im Trotze des Verbrechens verhackt, so will ich, wenn auch mit gebrochnem Herze», von -ihm scheiden. Leuchtet mir aber nur ein Hoffnungtstrahl^ ihn aus seinem Wirrsak zu erlösen, so hat mir Go t . die Aufgabe und hie Pflicht gegeben, eS zu vollbring«. Ich will nichts weiter erlangend alS ihn von Zeit zu Ze t einmal sprechen zu dürfen; niemals soll er die Schwelle Ihre« Hauses überschreiten, und ich gelob« Ihnen feierliU, daß sch mich in dem Augenblicke, wo ich an fein« t Besietung verzweifle, von ihm auf immer trennen werde i' Unter hissen Bedingungen widerstand der gerühr e Meyer nicht länger, und nahm sie in seine Dienst. Freilich kaitt hierzu, baß er in seinem Hause einer Gehilfi» sehr bedurfte', sowohl in der HauSwirthschaft alS im G - schäfte, da seine Frau feit längerer Zeit kränkelte. Dennoi) wollte er eS erst einen Monat mit ihr versuchen, ob s e auch für seine Verhältnisse passe, und meinte, daß f e während dieser Zeit seiner Frau von ihrer Lage und ihre» Zwecken noch nichts zu sagen brauche, um sie nicht z» beunruhigen, und damit sie sich ihr erst werth und geacht t mache. Scheda nahm sich alles dessen, was ihr aufgetrage» wutde, mir dem gewohnten Eifer und mit Hingebung an; sie wartete der Kinder, pflegte die Frau, hielt die Wirt!« sch.,ft in strenger Ordnung und war dabei jeden Augei - blick bereit, im VerkaufSlokake ihrem Principal, beizustehen, wobei sie sich gefällig und gewandt gegen die Kunden zeigt!. So machte sie sich bald unentbehrlich, und stand nicht ai, der Frau ihr Geheimniß mirzutheilen. Mit feinem Tak e gab ihr diese die Mittel und Wege an, um zu ihrem Zie t zu gelangen. Der Inspektor der Strafanstalt war ei i» sehr gewissenhafter, und darum bei der Eigenthümlichke t seiner Stellung strenger Mann, der eine Abweichung voi» Reglement nur in einem. äußersten Falle gestattete. . D e Frau desselben hatte Alles, was die Oekonomie der Anstalt betraf, unter sich, und kam daher sehr häufig in daS G:- schäft Meyer'S, um Utensilien zu erkaufen. DaS einzi \t »Mittel daher, die Erlaudniß zu erhalten, Joseph zu seh n 'und zu sprechen, war,' die Frau deS Inspektors dafür u interefstren. Scheda halte nun bald öftere Gelegenhe t, der Jnfpektorin ihre Dienstgefälligkeit zu zeigen, und fi b . die Gunst derselben zu gewinnen. Es war däher st >r natürlich, daß/ als Scheda mit ihr einst-im Laden fih allem befand und ti< Jnfpektorin sich mit ihr unterhie t, diese sie fragte: „LiebeS Kind, warum sind Sie beim immer so traurig? Theilen Sie mir doch den Kummer mit, der fie in Ihrer Jugend schon so niederdrückt V* Diese Worte fanden Scheda nur allzudereit, ihr H r; der Dame zu erschließen, und mit all' der Wabrbastiqk-ir

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