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Jüdisches Volksblatt · 1863-01-01 · 9 (1863) · p. Seite 35

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
10 (1863)
Issue
9 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 35 (sequence 3)
Language
German
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— 35 — nämlich ein geeigneter Verbiaduag-weg auder großen Lagerstätte im Wadle-Schech zum Schauplatze der Gesttz, gebung zu fehlen, der doch durch die Worte erheischt wird: „Mose führte da- Volk. au< dem Lager Gott entgegen". Dieser Verbindungsweg ist nunmehr im Wadi Sebaijeh gefunden worden; denn zwischen 6 di- 600 Fuß breit zieht er sich von der gleichnamigen Ebene bl-7' in den Wadi Scheck, hinein, der von der Ebene aus m einem Stündchen erreicht wird. Längst vor der Ankunft in der Ebene tritt den audem Wadi Herannahenden der Sinai» qipfel vor Augen.') Die Edm« selbst ist auf 12,000 Fuß Länge und 14 bi- 1800 Fuß Breite au-gemessen worden. Bei der Aufstellung de- Volke-, soweit eS für den Act in Betracht kommen mochte, konnten außerdem noch die anstoßenden aUmäblia sich erhebenden Höhen benutzt werden. Daß wir aber dagroße DvlkSlager selbst nicht eben da suchen wo di« Offenbarung erfolgte, damit schließe» wir uns dem Wortlaute deheiligen Texte» an. theilde- Ausdruck» halber, daß Mose bas Volt au» dem Lager > Gott entgegenführte, tdeilde-balb. weil Mose wahrend seine- Verbleibenoben auf dem Berge den Augen de- Volkentrückt zu denken ist; denn die Anfertigung degoldenen Kalbeverlangten sie, weil „sie nicht wußten wadiefem Manne Mos« widerfahren" sei"), und al- Mose mit Josua vom Berge heradstieg, wurden sie de- Kalbes und d,S tanzenden Volkeerst dann ansichtig, „alsie nahe zum Lager kamen". ***) Nach alledem hat der traditionelle Sinai in den Oert» lichkeiten selbst eine wesentliche Stütze; Aie letztere» enrfprechen so sehr dem Texte der Schrift, baß wir glauben möchten, die bis in- 4. Jahrhundert nachweisbare Tradition reiche in noch viel weitere Zeilfernen zurück und lehne sich an die Erinnerungen dewandernden Volke-, getheilt von den Midianitischen in der Wüste seßhaften Freunden, selber an. Diescheint um so mehr berechtigt, je weniger wählerische Willkür gerade hieher gelenkt werden konnte. Erst wenn man auf dem Scheitel des Sinai steb: (wie. ich schon anderwärts bemerkt), begreift man waihn vor seinen Brüdern auszeichnet. Es ist kein alle seine Umgebungen überragender Höhepunkt, wodurch ec etwa eine unstär irrende Forschung auf sich gelenkt und an sich ge» feffell hätte: wol aber ruht und thront er zugleich inmitten der erhabenen Bergnatur wie «in der Alltäglichkeit ent» rückte- Heiligthum. > Allerdings könnte der sogenannte Horedgipfel, im Nor» den des Mosi-berg-, der Lage nach in Concurrenz treten. Die Ebene er Rahuh erscheint wie ein au-erlesener Lagerplatz degroßen Volke-, und die Stirn de- Horeb, bei Graul. mein Reisegefährte im Zahre 1853, widmete sich einer näheren Untersuchung der Ebene und des Wadr Sebaijeh. Siehe , bei ihm S. 217 fg. Ich selbst besuchte wol wiederholt vom »loster au» über den sogeaanntea Hutberg die Ebene Sebaijeb.; doch nur flüchtig und ohne zu geoauern Terrau-studieu zu kommen. *) Strauß giebt an, daß im Wadi elwa° noch 16 Minuten I lang der Dschebel Mula im Gesicht bleibe. Lu» Graul'» geuauen j Mittbeilungeu hierüber ergiebk sich ein bei weitem längerer Zeit« j raum dafür, nur daß da, wo der Wadi de»- -losterberg umdiegt, ' auf eine kleine Strecke die Spitze de» Dschebel Mula sich verl birgt. 2 Mos. 32. 1. ' "') 2 Mo>'. 32, 15 fg. btn Arabern es Sufsafeh genannt, beherrscht die Eden» mir hoher feierlicher Gestalt. Dagegen spricht aber, daß dies« Spitz« über mehrere zackige-Höhen hinweg weit meht erklettert als erstiegen werden muß, und daß beim Verweil»» daselbst Mose gar leicht' jederzeit da< Lager übersehe» konnte. Da dennoch solche Grürw« schwerlich Bedeutung gehabt hätten, wenn evor Zeiten eine freie Wahl de» Sinai gegolten hätte, so liegt darr«, daß der imposant? Schauplatz kein traditionelles Ansehen erlangt, »in neuer Beweis für uralt.» Ueberkommm der herrschenden tUtorL lieferunq. | J- Anekdote ' \ f von Moritz Grünfeld. t Zwei polnische Chaflidim harren ebm da- Gotteshauv,klaffen.« Sie standen mitten auf dem Markte in eifrige« Gespräch. Schon waren ste im Begriff sich zu trennet^ al» der Ein, zum £trt«rn sich waubr,: „ Hör' nur" sagte er. „'s Scholen wird pir ntc verderben. wirst de« später effen; da erinner' ich mich mit *inem Mal', daß wir haben zu machen 'ne nöthlge Schadde-ufwartung/' — „ ne Schaddesuiwarmng? Zu wem?" fragte der Andere. — „Weißt nicht", enviederte Jener, „wir sind doch schon lang' mit gnvesen bei dem Meschummeb dort!" -t- ..Nichtig, richtig, den MesHmmed muffen wir doch auch 'mal mechabded sein — ich geh mit." . Zwei Chaffibim zu einem Meschummeb?. Ist danicht auffallend- Scheint danicht eine Ironie auf di« gange Ehaffidimwelt? Ist daschon je «rbört qewesen, daß zwei Ehaffidim auf einmal so sehr^ über alle Rücksichten Hinang» fchrrtten und sich so sehr vergaßen- — Still nur, .dq- ' Staunen hierüber wirb sich bald gelegt habe«, wenn moja weiß, baß dieser Meschummeb keine unwichtige Person im Orte war, baß seine Stimme, bei der hohen Genchtsda^ keit einen hohen Einfluß übte, daß er diese bei jeder Ge,,- legenheir zu Gunsten der Juden benutzte und sie vom harten Druck und den schweren Fesseln, unter deaenste schmachteten, zu defreien bestrebt war. Kurz dieser Mr» sch um me b war der Wohltdäter und Schutzengel der gesammttv Iudenschaft im Kreise. — Ist'- also zu viel, wenn zwei Ehaffidim ihn dafür mir einem Besuche beehren wollen? -f- Gewiß nicht. — i Dieser JOTann saß, einen Stoß Acten vor sich, in seinem Zimmer am Schreibtisch und bemerkte eben lste beiden Ehaffidim auf sein Hauzuschreirea Da gad."chin die.augenblickliche Laune ein, sich schlafend zu stellen, ukn zu sehen, wie die Herren sich wohl bei diesem Anblick de» aehmm würden, und er Ugtc sein Haupt auf die au4Aedr,treten Papiere. Oie Ehaffidim treten in» Zitpnttr. Sie betrachten den Vermelntlichschlafnchr« ein« Weile, tti» Schmahl da» Wort erhebt: „Setz' mir einer, wie der aa« sitzt und schnarcht — liegt der nit gerad' so wir unser groß« Rebben, lehawdil, über der Gemore? — Ich möcht ihn wecken — nicht? — meinst «ir auch so?" -f- „Wecken? — Gott behüt'", wandt« Schadl ein, den Hund schlafen!" — „Ja, ja, lassen wir schlafen 'den Hund" — stimmte Jener bei.! Während sie sich anschicken da- Zimmer zu verlaffek, räuspert sich der Schlafende, hebt da- Haupt empor, wischt

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