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Jüdisches Volksblatt · 1863-01-01 · 9 (1863) · p. Seite 36

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
10 (1863)
Issue
9 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 36 (sequence 4)
Language
German
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— 36 — sich die Augen, und wie er die Bewert ge« »hu, heißt er sie freundlich willkommen und Platz aehn m. — „Der gnädig, Herr haben geschlafen. gut geschias n. baß wir, soll ich leben, unsere Freud daben drüber gl habt, daß der gute herzige Herr Kaden können rukn Arbeit, waS Sie haben" — schmeichelten fi n der fielen Zene. — D.r gute Mann, den jene freche „Hunds - Be nerkung" der undankbaren Chassidim tief empören mußte, t atre ihnen vermöge seineausgezeichneten Scharfsinnes, der ihn bald das Rechte finden ließ, «in« Vergeltung zugeda gl. „Ja. ich. dad' wirklich gut geschlafen", meint er, „und dabei einen merkwürdigen Cholem (Traum) gehakt." — „Darf man nit wissen, was das ist gewesen fi r'n Cholem fragten neugierig die Chassidim. — „Wissen ja — warum nicht t aber ich furcht' euch nur zu deteidi jen, wenn ich i renn ,Warum der Herr den polnischen nberr war, zu >ae» Traumes ohnr '»großer an 'n frommen ar gehabt, wie de: seinem ,hn euch erzähl', und das rhu ich nicht gern/ nit gar i ’n Cholem ii n Cholem - will so gütig sein und verzählen, wollen wir ge n zuhören." — Er thar'S ihnen also zu Gefallen. Da eres, wie wir oben sehen, liebte, m Juden Sprache, in der er nicht unbecha reden, so wollen wir auch die Erzählung möglichst wortgetreu wiedergecen. „Mir cholmr', baß in Gorkowo bat gnfi Kotzen, der hat gehabt vergeben seine Tochte Bocher, 'n wohlen ferner. Der Bocher dapflegt zu sein, erst drei Jahr' ä oft Schwäher, und wie die drei Jahr sind um ewesen, hat zu ihm der. Schwäher gesagt: „Mein Sohn, seit ist, daß Du auch lernst Dein Brot verdienen, baß Du mal machest 'n Geschäft. Nun trifft sich g'rad die Leipzu er Meß'. Hier hast Du blanke zehn Tauend Rubel und kauf dort ein Schaure." Mein lieber Locher nimmt d e zehn Tausend Rubel und fahrt te Leipzig. Der Jung' ist aber gewesen n S'aucher, wie ich heut bin 'n Raw. Wie er da har Alles gesedn' widbeln und wabbeln voll Menschen und T'chaure, ist ibm geworden schwarz und finster vor den Augen und er hat »ich: gewußt, wo ' ein, wo 'raus. Und wie er so 'rumgehr mit ’n blutigen köpf, kommt zu ihm 'n feiner Mann zu geh'n undfrag , was er denn sucht? -- „Kaufen will ich, kaufen sic zehn Taufend Rudel, aber ich'weiß nicht wasi" sag, der Locher. — Der Mann, führt ihn zunächst in ein Beinhaus und bestellt zwei Schoppen. Wahrend sie trink n und gemüthlich mitsammen plaudern, leben sie wie in S'rore einem Mann für ein ganz kleines Hündchen fünf gold'ne Ducaren niedrrlegt. Dem Bocher aber fallt daa »f, baß man für 'n so kleinen Hund so 'ne Srang' Gold ahlr. Der.feine Mann, welcher kein and'rer war, wie eia verschmitzter Makler, erklärt dem Bocher, den er schm für 'n großen Schlemibl erkannt, daß in Polen ein Hund«!rieg ausgebrochen und die Hund' daher im Preist sehr gestiegi n, und es sei jetzt bas Hundgeschäft oas beste Der leichtgl«! udige'Bocher bekommt Lust zu dem Geschäft, und den klugen Makler kostt's nicht viel eine Meng' Hund' au zutreiden. Kurz und gut, das Bocherchen hat gekauft HÜ!!d' für sein ganz Geld und ist heimgefahren und har aofge chlagea ’n großen Laben und hat sich 'reingestellt mit feiner lebendigen tfeUg .nVioiM | S'chaure, und er hat gemußt leben und seine Hünb' haben gemußt leben, und kein Mensch ist gekommen kaufen. Das ist gewesen 'n schofel Geschäft. — ' 'j-'j Nun. hat wieder gewohnt in Schlrpkowo ein Jüd'. Der. hat auch geschickt seinen Eidam ke Leipzig mit zehn | Tausend Rubel. Der Bocher hat aber sein ganz Leb'tag 1 noch nicht gehabt gekauft was ’n Groschen werth, und so : har er sich von einem durchtriebenen Makler dazu bringen i lassen, für sein ganz Geld einzukaufet 'ne ganz schofle S'chaure - Chassidim. Er har gah gemeint glücklich, fährt heim'mir seinen Chassibim und fitzlagst auf noch 'n größer Gewöld, wie jener erste Bochkr. Die Chassibim ' aber haben dem mehr Wirthsckaft gemacht, wie Jenem,! die Hund'; — 's hat Keiner nach ln Chassis gefragt. So hat gesessen der große Schlrmihl mir seinen Chassibim, die sich haben benommm wie mefchsugge, und er hat nicht gewußt nicht hin, nicht her. jj>a$ ec soll anhcben mit ihnen. * Wie die Schwäherhaben gesehen/daß die Eidamsich ' daben gewaltig eingrdowelt, har Jeder gesagt zu dem . seinigen: „Jetzund ist wieder die Leipziger Meß', fahr' hin und vertäust dir S'chaure oder verhandes sie auf andere." — Run kommt Jeder, der mit seinen Hünd', Jener mit feinen Chassidim ke Leipzig, 's hat sich aber kein Abnehmer gefunden; denn solche Neronim wie die. häben sich jetzt nicht gehabt eingestellt. ' Wie sich so der Eine mit seinen Chassidlm sein Leben verwünscht, kommt zu gehn 'n Makler. „Was schreit und jammert ihr so/ — wißt, ihr könn’l mir euren Chassibim noch n gut Geschäft macken. Dort har eiser Hünd', mir dem konn't ihr rauschen." Der Bocher vdller Freud' — denn lauschen darf er doch — gehl mit. Hkan kann nicht bald i eins werden, poeil.der mit seinen Hund noch viel Geld d rein l will; aoer der kluge Makler bringt Isie schon zusammen. ' Man fängt an einzeln einzulauschen:! „Da 'n Chassid — da ’n Hund — ’n Chassid — da ’n Hund" — und so fort. Zuletz noch zwei Chassibim, aber nur ein Hund übrig. Was da rhunll Der mir den Chassidim aber besinnt sich nicht lang' und ruft au-: „E KeporezweiChassidim fü» einen Hund!" — Die beiden Chassidim sahen erst lden Mefchumed, dann einander mir großen Augen an und fanden dagegen nichts . einzuwenden.! i i A.lgemeilie Zeitung des Jute^ibums. No. 8. I*tf3. L eilende Artikel: Eine Glimmt au» Holland. — Gutl achtliche Bemerkungen. — Au» Gebilden: Wie verball sich ha« Judeurbum zur bildenden Kunst. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Weimar, Zweibrürken, AuS Süvdemfchland, Gießen.j Preußen: Breslau.! Lesterreichischer Kaiserstaat. Wien, Pesth, Au» Süd- '■ Ungarn. (Schluß folgt.) Frankreich:! Metz, Pari». Danemark: Korenhagen. Nordamerikas Philadelphia.! yy Zu*heziedeu durch jede» Postarm uud jede Buchhandlung.! Jährlich 3 Tbaler, vierteljährlich T^aler. Lfiraniwortlicher Redaereur I. H. Luder. »«r'e in veivn»- - Druck von ts- 7 r eyl, Qg ,u reich

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