Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 10 (1863)
- Issue
- 8 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 30 (sequence 2)
- Language
- German
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30 hastmic aOfrmaK geholfen. Wer sollte denken, d iß eia so ,ungeunerfahrene- Mädchen so gut zu cathei verstünde und einen so richtigen Einblick in das Leben baue. Diemacht aber nur Dein -herzige- und fr mme- Gemüth unDdie unerschöpflich« Güte, die Du fü i mich hast. Du 'bist mein guter Engel, und gewiß, ich werde e- Dir schon einmal lohnen können. Geh Du n ir jetzt wieder nach Hause und sei unbesorgt. Zn einigen Lagen komm ich zu Dir, und da wird sich die Sach schon gemacht haben." I W Die Umwandlung, die mit Joseph vor sich getzangen, ''und der zuv.rstchrliche, fast fröhliche Ton, mit welchem er zuletzt gesprochen, erleichterten Scheda nicht nur, lsondern breitete auch wie ein Gefiihl de- Glückedu> ch ihre Seele. Si, stand vor ihm, hob ihr nicht gerade chöne-, aber von unendlicher Herzensgute und Sanftmuth i edlicheS Gesicht zu ibm auf, faßte seine Hände und sprach: „So ist es recht, Zosivd, nur Murh gefaßt, wir sind ja noch fo lung, und können noch viele glückliche Tag sehen. Gott i,t der Baker der Waisen, und wenn die Menschen un» verlast,n, er verläßt un» nicht, so lange r ir seine Wege wandeln. Also Joseph, strebe weiter, a er nicht wahr, Lu vermeidest alle» Unrechtes" „Laß' mich nur machen, Mädchen. Ich will al« Handwerk-grselle in die Welt hinaus und rin W nderbuch muß ich und will ich dazu haben." „Und wenn Du es hast, so überläßt Du mir die Freude, Dich mit dem Röthigen und wenn e noch so wenrz sein wird, au-zustatten." Jostph nickte, .und Scheda verließ ihn bernbigt und darum beglückt. Einige Tage später hatte sich die Sache gen acht, und Joseph kam zu Scheda, um ihr anzujrigen, biß er ein Wanderbuch erhalten werde. Ewar ihm l iedurch seinen früheren Meister gelungen, der da- Buch >on einem zum Lode erkrankten Gesellen im Hospital erhi U, besten Signalement not-dürftig auf Joseph paßte. F eilich verschwieg er Scheda, daß er nun de- Gesell« i Namen annehmen »nd mit diesem auch gewissermaßen in hie Bechältniffe besseldea sich versetzen mußte. E-1 war eineder auf Joseph lastenden Geschicke, so m» Lug in dl« Wel: hiaau-zurrelen ununter einer fatschen Gestalt sie zu durchwandern. Ader welcher Au-weg I war ihm geblieben f Vor Allem kam edaher auch daräuf an, daß seine Absicht ein Geheimniß bleibe, damit nicht dir Polizei ihm auf die Fährte käme. Er dar daher Scheda, Kiemanbem davon zu sagen, und ersuchte sie, keine etvaige Vorbereitungen zur Reise für ihn zu machen, die i n verrathen könnten. Dennoch fachte sich Scheda unter der Hand einig« Gegenständ« zu feiner Au-rüstung für dawenige Geld, daihr noch zu Gebot« stand, zu vers Haffen, und stellte sie ihm zu, ohne daß er sie verweigern konnte. Seine Abreise war auf vierzehn Tage später festgestellt, diwohin er sich auch vollständig wieder erholt und rrkräftigr hatte. Gegen Abend vor dem Tage, an welchem er in aller Früh« seine Wanderung antretea vollle, kam er zu Scheda, um Abschied zn nehmen. Sie wollten zuvor einen kleinen Spaziergang machen, i nd nahmen ihren Weg nach einer einsamen Gegend, wo sie ungestört sich unterhalten und da- Wort der Trenn aug, sprechen konnten. Schebä sollte dann allein zurückteh tu, während Joseph in einem weiten Bogen die Stabt umging, und zum letzten Male seine Kammer in der Dorstadt auffuchte. Man stand jetzt in den letzten Tagen de- März, da- Weller war mild/ und der Frühling halte bereitsein Werk und seine Arbeit ' begonnen; die Erde war schon mir dem ersten Grün überzogen, die Baume schimmerten von schwellenden Knospen, und einige Singvögel belebten schon die laue Luft. Au solcher Zeit hebt sich da- Her; de- Menschen voll Sehnsucht, bas Auge schweift verlangend in die Ferne hinau-, und die Seele ist von Ahnungen kommender Freuden erfüllt. Demungeachter fühlten die beiden jungen Leute, wie sie nebeneinander die bekannten Pfade schritten, sich schwer bedrückt, und wenn Joseph, dem hinter dem Schmer; der Trennung doch'die Lust der nahen, freien Wanderung durch da- Leben im Herzen wob, oft die- Skillschq-eigen unterbrach, indem er mit erzwungener Geschwätzigkeit die wachsende Fülle des Frühlingbeschrieb, so kam kein Wort über die Lippen Scheda'-, in deren Auge sich manche Thrane gewaltsam zerdrückte. Sie gelangten endlich an einer Stelle am Saume de- Walde-, wo sie sich;ü verabschieden und ihre getrennten Wege einzuschlagcn gedachten. Hier ließ sich Scheda auf einen Baumstamm nieder, während Joseph mir h-lb abgewandrem Gesichte neben ihr stand. Endlich begann sie: „Lieder Joseph, wir muffen unnun verlassen. Wann werden wir unwieder treffen? Wir hatten bihierher in der ganzen Gotte-welt nur unallein. Du wie ich haben keine verwandte Seele auf dieser Erde, : Niemanden der unliebt, der unmit wahrer Freundschaft ansähe. Jetzt verliere ich auch Dich. Du wirst Dich überall zu Hause finden, Freunde und Genossen; ja, ich dm nicht so eigennützig, dienicht von ganzem Herzen zu wünschen. Ader wahabe ich? Wableibt mir übrig i Wer kümmert sich um mich, und von wem! wünschte rch dienuri Jetzt erst bin ich ganz verwaist.. Sie legre ihr Haupt in ihre Hände und ihre Zähren flössen unaufhaltsam. Joseph war tiefergriffen: er harre diewohl ganz empfunden, aber zwischen dem stillen Gefühl, und der lauten Au-sprache ist «in so großer Unterschied. „Theure Scheda," fing er an, „gied Dich orm Schmerze nicht zu sehr hin- Ich komme wieder, sicher, ich komme bald wieder, und dann, dann wollen wir mir Gone» Hülfe uns niemals wieder trennen. Ja, ich gelobe Dir ..." „Gelobe nicht-, Joseph," fiel ihm da« Mädchen in dir Rede. „Du sollst nichtversprechen und nicht-zuschwören. Du sollst immer nur lhun, was Du frei im Herzen hegst. Auch ist enicht die-, wamir am schwersten in der Seele liegt. Darf ich esagen, Joseph, in diesem schmerzlichen Augenblicke, in dieser schweren Stunde, die unauf lange Zeit trennt V* „Rede, liebe Scheda. Rede, was Du nur willst, ich will Allehören und beherzigen." „Ja, Du wirst wieder kommen- Eine Stimme in meinem Innern sagt mir, daß Du wiederkommst. Aber wie wirst Du wiedrrkommeni Ein traurige- Schicksal hat Dich bijetzt verfolgt und e- Dir sehr schwer gemacht, aufrecht zu bleiben. Ader bist Du frei von aller Schuld daran? Du hast eine so heftige Gemüth-art, wa- Dich dettifft, daregt Dich so gewaltig auf, baß Du Deiner nicht Herr bist und Dich zu Handlungen treibt, di« Du zu bereuen hast. Werbe nicht döse, Joseph. Ich mache