Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 10 (1863)
- Issue
- 8 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 31 (sequence 3)
- Language
- German
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«; 1 Dir («in« Borwürfe. Aber Deine äufonft bekümmert. mich und Dein Glück macht mir schwere Sorge. O,! Joseph bleibe gut; wa- Du auch zu tragen hast, bleibe j «in ehrlicher Mensch; gedenke Deiner rechtschaffnen Mutter 1 und Deinebraven Vater». Denke an mich, und wie ' mich, wenn Dir ein Unglück begegnet, dies grenzenlos ' unglücklich machen würde. Kehrst Du auch noch so arm und so hülflozurück, aber Du bist redlich und brav ■ geblieben, und ich werde Dich mir jubelndem Herzen em«! pfangen. Aber wenn Du mit Schätzen beladen heimkämest,; aber sie wären durch döse Thal erworben, ich würde vor Gram untergeben. Willst Du mir daher etwas geloben, so sei es dies, daß Du der Pflicht getreu bleiben und I Dein eigenes Gemüth beherrschen wollest!" ' „Etst dies mein Vorsatz, Scheda, es ist mein fester Vorsatz, da« versichere ich Dir. Ich habe viel gelernt in den letzten Zeiten und will es nicht vergessen. Aber wenn Du es auch zehn Mal nicht hören willst, ich gelobe dennoch, daß ich Dir treu bleiben werbe, und ba$' die I Hand, die Deine sterbende Mutter in die meine legte, mir gehören soll für das ganze Leben'/' Er hatte die Hände Scheba's ergriffen, und diese hatte sich von ihrem Sitze erhoben. „Ich nehme dieses Gelübde, Joseph, an, soweit es mich betrifft- Ich werde fDid> | stets im Herzen tragen. Ich nehme es aber nicht an, soweit es Dich angeht. Du sollst frei sein und wenn Du dereinst nicht ander» kannst, so mögest Du es thun.! Laß uns vor allem -nur unser werth bleiben, und da» - Uebrige wollen wir Gott anheim stellen/' Joseph aber fuhr heftig auf. „Nein, Scheda, so laß ich Dich nicht' Ich Hab« Dich geliebt von meiner frühesten Kindheit an, diese Liede soll mich auf allen meinen Wegen begleiten und diese Liebe soll meine ganze Zukunft sein../' Er umschlang sie mir'seinen Armen und küßte sie heftig. Sie ließ ihm eine Zeit lang gewähren, dann aber entwandt sie sich ihm, drückte seine Hände heftig, rief ihni mit erstickter Stimme zu: „Lebe wohl, Joseph, Gott segne und schütze Dich," wandte sich um und eilte auf dem 1 Pfade fort, der durch eine Krümmung des Waldes sie ’ nach Hause führte und seinen Blicken eützvg. Joseph ' rief ihren Namen wiederholt aus, ging einige Schritte j ihr nach, dann aber blieb er stehen, trocknete mit seiner! Hand eine Thräne aus seinen Augen und schlug langsam; den andern Pfad ein. (Forts. folgt.) Michel Goudchaux. j (Äiu dem Französischen tu den Arcli. UraäL) j (Schluß.) j Die Aufopferung von Michel Goubchaux für die ' öffentliche Sach, war unverbesserlich. Seine Uneigennützig- \ teil war es nicht weniger. Wer weiß es nicht, daß er j jedes Gehalt für seine Ministerfunctionen zurück»ies? Wer! weiß es nicht, daß er seine Opferfähigkeit so weit trieb, au» eigener Tasche den Wagen bezahlte, welchen er statt der Equipage des Ministers, deren er sich nie dedlenen wollte, nahm? In allen diesen Zügen findet man Eiacinatus und Fabricius vereinigt, und man kann nicht überrascht sein, daß 107,780 Wahlstimmen ihn kurz« Zeit vorher zu den schwierigen Functionen des Volksvertreters beriefen. Dom 24. Oktober desselben Jahres an reicht« Mit »es Goubchaux definitiv seine Entlasst«- ein. Er trat wie >et in da« Privatleben zurück, -um mir unermüdlicher Mensch >»» liebe bann zu wirkm. Die Unglücklichen jeder Art i no jedes Landes, welche er unterstützte, sind unzählige. Er war nvch glücklich, wenn er sich ihnen widmen kam k; ohne seine Mittel gänzlich zu erschöpfen! Unglücklit »es Weise, — und dies hatte seine Familie und befpnterch sein« Gattin, die immer unruhig und. aufmerksam nar, vorhergesehen, — «rtftt seine Gesundheit dadurch ei,ra schrecklichen Stoß. Vergebens wurden die Bäder i o« Uriage, Mont d'Or, Vichy, Suchvn versucht, um sej ik» geschwächten Körper wieder zu kräftigend Oie Jllus on haue nach und nach diese Seele, der ein Ideal nothwendlg n an verlassen, der Körper hatte sich unter der Last von T iu° schungen unter den Stürmen des öffentlichen Lebens nnd unter den Anstrengungen der Menschenliebe gebeugt. I Eigentlich müßte jetzt nun eine Schilderung der Kanaille folgen, in welcher diese große Seele sich über die C ni* täufchungen des öffentlichen Leben» tröstete. Aber va von uns hätte davon nicht alle Einzelheiten erfahren, — wer nicht kennen gelemr die Stimm« und die R irtj: schlage des Vaters, di« sich, zum verttautm Lehrer s« n«r Töchter und zum Freunde, zum Gefährten seines Sol n« machten, — die patriarchalische Achtung, welche er siin^r Umgebung «inflößte durch seine Gerechtigkeit, feine mi den Urtheile und durch die Abwesenheit jeder Klage, Hbfi inmitten der quälendsten Schmerzen. O, wenn ich die Bescheidenheit derjenigen nicht zu verletzen fürchtet«, « lch, länger als ein Jahr, jede Nacht an dem Bette best» interessanten Kranken wachte, so würde ich anfütrep, welche Bezeugungen der Dankbarkeit und Bewunde urjg sie von Allen, welche si, umgaben, empfangen har fui die unermüdlich« Pflege, durch welche fle dies kostbar, Srb^n zu verlängern verstanden hat. < Möge es genügen, getreu und aufrichtig ln b esin» kurzen Bildö de« Mannes gewefm zu sein, der rinn der Führer meiner Jugend war, denn Michel Goubchaux wtrr besonders ein Freund der Jugend, weil sie wahrha tüwr als das gereifte Alter ist. - Ich wollte meinem Gn »tffti folgend diese unvollkommene Huldigung demjenigen bri igsn, der, ehe er mein Verbündeter wurde, mein Wohlthäteo wjar und der so sehr das Wort von Bauvenargues gerechtßertigt hat: „Nur starke und durchdringende Seelen konnsa die Wahrheit zum Hauptgegenstand« aller ihrer Leidenschaften machen." M. Ein Gespräch. in« V1' apw Der Lehrer sprach: „Du willst die Besserung verschiebt»? Wohlan, es sei, so lang es selbst Dir mag beliebe»; Nur wolle einen Tag vor Deine» Tod bedenken, Daß endlich doch den Sinn Du mußt zum Bessern lenken." „Wie," lächelte ersttnntt der Schüler, „kann ich famrft Dm Tag denn, der mich einst von dieser Welt soll trennen?" Der Lehrer sierach: „Und kannst Du diesen nimmer wlffm, Dann sei der Besserung, men» Lieder, heut befliss«!" > r 4