Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 10 (1863)
- Issue
- 8 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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/ £'> Jüdisches Kolksblatt. Zur .Krlrfiruim uni) 31 nlerfmftiinn aal jndlschpm ^pöipIp. Heraurgrgeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippsoa in Bonn. «e» vieler er^betat »MeaUift ei»« -l»««er. Vrei« de« I«dr . »c».«» i »ca vieler Aemarnr «ikmuii »Meauto et*« wi«««t. vnti (H m«>< r« ik <■ , ■ j. . , « [Wo. s. 1863.] * -Lll0. Jahrg. 1. tynrtzl] Verbrechen und L-ebe. (Fvnsttzung.) Joseph sank auf sein armseliges Lager zurück, seine Hände falteten sich krampfhaft, er schloß die Augen. und nur bas Stöhnen, das unwillkürlich von Zeit zu Zeit au» seiner Brust hervorbrach, zeugte von bgm Kampfe, der in seinem Herzen wüthete. Da trat Scheda an ihn heran, ergriff seine Hände, wischte den kalten Schweiß von seiner Stirn und sprach: „Beruhige Dich doch, Joseph, sprich mit mir im ruhigen Tone, laß uns die Dinge üdeclegen, wie sie sind, ich will die Vorwürfe zurücknehmea. rhue Du «» auch mir Deinen Beleidigungen, laß uns wieder Freund« sein." Sie rückte den Schemel an sein Be« und setzte sich darauf. „Ich hätte Dir zwei Vorschläge zu machen, Joseph," hob sie wieder an, ,,b«nn ich habe darüber nachgesonnen, weil ich voraus wußte, daß die Krage, was Du beginnen solltest, unter uns zur Sprache kommen würbe. Du weißt, ich habe ein kleines Vermögen; ich will es mir Dir theilen. Ich bin jetzt groß und stark genug, um zu meinem Lebensunterhalte das zuzuverdienen, was mir dadurch ausfallen würbe. Du weißt, so lange ich denken kann, haben wir Alles was wir besaßen als uns gemeinschaftlich gehöy'g angesehen, und so kannst Du mir Fug und Recht Deine Hälfte beanspruchen. Damit fange wieder einen Handel an; da Du bald nicht mehr minderjährig bist, wird man einen Gewerbeschein Dir nicht mehr versagen." „Halt," rief Joseph au», „mit diesem Vorschlag ist es nichts. Nicht daß ich das Hausiren nicht wieder ansangen wollte; mein Stolz ist gebeugt, und ich bin zu Allem bereit, was mich aufrecht erhalten könnte. Aber wenn ich auch so feige oder vielmehr fo niederträchtig sein wollte, einem armen Waisenmädchen ihre kleine Habe zu entziehen, welch« ihr Vater mit seinem Schweiße erworben, so würde es doch Dein Vormund nicht zugeben, und mit vollem Rechte. Noch weniger würde die Regierung mir eine« Gewerbeschein bewilligen, da ich . . er murmelte Etwas in sich hinein, aber Scheda sonnt« es sich schon denken. „Run, so weiß ich etwas Anderes. Du hast ja das Schlosserhandwerk erlernt, so treib« es doch ehrlich weiter. Geh' auf die Wanderschaft, arbeite einige Jahre in der Fremd,. Gott wird Dich behüten, und Dich glücklich zurückfühcen, und wenn Du Dich immer gut aufgefiihrr, so wirst Du Dich auch nieberlasse» können. Du bist ich gewiß «in geschickter Atbeiter, und da wirb es Dir nicht fehlen." „So?" antwortete Joseph, und er erhob sich mit d!»st Oberkörper undstützte seinen Kopf in seine recht« Ha ib „Haben mir denn nicht die Menschen alle Wege verrannt erinnerst Du Dich nicht, Scheda, wie ich bei allen Meist der Stadt umherlief, um bei einem derselben in die Lejr» zu kommen; wie si? es alle verweigerten, und ich da »er meine Zuflucht in die Vorstadt nehmm mußte? Mpm Meister war kein zünftiger; er konnte daher mich weder Lehrling noch als Gesille rinschreiben lassen, man «t mich weder al» das eine noch als bas andere geprüft, und so bekomm« ich kein Wanderduch als Schlossergesi Ile, und kein Meister kann mich als solcher in Arbeit nehmm. Siehst Du nun «in, Scheda, wie fo es kam, baß zum Schmuggler wurde;- siehst Du nun ein, warum 'so hülflos und verzagt bin? Hätte es mir freigestand mj «S wäre niemals so gekommen, und mögen die Menst en mich noch so sehr verdammen, Gott muß mich freisprech m^ der mein trauriges Geschick kennt und weiß, wie «an mir keinen Ausweg frelgckaffen." Schebj» vrpstummte; ihre Rarhschläg« schienen zu; Ende, und sie wußte lange nicht, was sie erwtdem sol le» - „Und wäre es gar nicht möglich," fügte sie zuletzt hinzu, „auf irgend eine Weile Dir zu einem Wanderduche zu; verhelfen? Denke doch .darüber nach, Joseph- Könttt I man sich nicht an die Gnade des Fürsten wenden; f> fst j ein Gesuch ab, ich selbst will mich bemühen, es in di Hände des Fürsten zu dangen." „Auch bas würde nichts helfen, Scheda. Ja d Zunftgesetze kann selbst der Fürst nicht Eingreifen unls rhäte er es, fo würden die Meister es alsbald ln ße» auswärtigen Herbergen bekannt gebe», und ich wäre i oft ' vornherein verrufen, und würde überall mißhandelt . . » Aber Dein Gedanke ist doch gut, Scheda; er zeigt nie doch, daß ich Etwas ersinnen könnt«. Das belebt «ich wieder, den Plan will ich verfolgen. Laß' mich »ub machen, das will ich fertig bekommen ..." ,So sprach er noch längere Zeit fort, »ährmd rii beweglicher Geist beschäftigt war und eigenthöml ch * Entwürfe zu fassen schien. Ad« mir diesem Gedaa m war auch ein neuer Geist über ihn gekommen; die tsi feit Verzagtheit fing an zu »eichm, er richwt» sich »ach «abJ nach auf; da er angekleider auf dem Bette gelegm, staid er jetzt auf, und schritt, wie verwandelt, fast rüstig ist der engen Kammer hm und her. Endlich blieb er >ot Scheda stehe» und sagte: »Habe Dank, Scheba. . )u