Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 10 (1863)
- Issue
- 7 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 26 (sequence 2)
- Language
- German
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26 Entsetzen! neue unbekannte Schaarrn, Sie schänden wulhentbrannt die Heiligthümec; - Mein Volk, fei einig! wehe! di« Barbaren, Sie stürzen deinen Tempel dir in Trümmer. O schwere Nacht! wie wird eS düster! düster! Mein Stamm zerstreut, wo soll mein Blick dich uchen Wo ist dein König'. wo sind deine Priester? Ich höre, dich und deinen Gott verflnchen. Bald hier, bald dort! nur Häuflein die versibwinl m. Und Todesangst im Angesicht, im fahlen; Ich leb' die Henker Scheiterhaufen zünden, Ein Meer von Blut und endlos lange Qualen. O Herr der Welt! wann soll der Jammer enden i Ist doch der LeidenSkelch so voll und bitter. Willst du nicht deinen Engel niebersendrn Und deinen Regenbogen im Gewitters Dank dir ryein Gott! ES schweben lichte Streif« Am nebelgrauen Horizonte wieder; AuS den zerriß'nen. Wolkenmasten kräufen, Wie milder Regen, mild're Lüfte nieder. Und lichter wicd'S auf Bergen und auf Höhen, Nur noch im Thale flüchl'ge Schatten schwanken-, DeS Geistes Ritter seh' ich kühn erstehen. Im blanken Kriegesschmuck« der Gedanken. Der Geist erschloß die mächl'gen Arsenale, Wie blitzen wundervoll die edlen Waffen! Es gilt den höchsten Preis: Das Ideale! Der Mensch, den, Gott im Ebenbild geschaffen. Und. gleiche- Recht! so rauschet die Parole, Und Glaubensfreiheit! lauter die Devise. Heil euch, ihr Helden! Die die Erbenschvlle AufS neue wandeln um zum Paradiese. — Und ob durch Stamm und Glauben auch geschie en Vereint har sie der Strahl der freien Seele. ES tagt! eS tagt! DeS Wahnes Eomeniden Sie fliehn entsetzt in ihre dunkle Höhle. — Genug des Glücks! mein Leib wird welk und w lkec ES kehrt mein Geist zum ew'gen Ursitz wieder. Ich sehe das BerbrüdrungSfest der Völker, — Leb wohl mein Sohn! Gott segne? unsre Brüder He. Moritz Rappä - Der deutsche Jude zur Mendflssohnfeier 1 Ich war ein Knecht, des Reiches Jammerknecht' Sie fragten höhnend mich: „Woist dein Recht Sag' an, auf diese heil'ge, deutsche Erde? Du bist mir fremd! Selbst deiner Sprache Harsch Wehl mich anfröstelnd an, so wie dein Brauch, Drum bleib' gebannt und fem von meinem Her^e!" >ort. $63. „Dir blüht nicht unsre Flur, noch grünt die Au, Dir glänzt nicht unsrer Dome Riesenbau, Zum Himmel steigt aus unsrer Aecker Schollen Der Brvdem auf — er trifft nicht deinen Sinn, Wir pflügen - doch dir lächelt der Gewinn, D» goldne Ernte muß ihn ja dir zollen „Singst du mir mir? Doch nein, du singest nicht. Erloschen ist dir Farbe, Sang und Licht, Seit du an Bad«S Weiden hingst die Harfe! Mir aber quillt aus tiefem Born das Lied,;' ' ÄuS meines Volkes ureigenem Gemüth — Du klagest nur! Doch ist dein Schmerz nicht Larve?" „Du bist ein hergewehleS fremdes Blatt! Den Baum, d'ran es einst grünte, grimmig hat Versengt mir Blitzen ihn dein Gorr der Rache! Nicht schließen wird der unheilbare Riß, Die Zell geht alterSsatt zu Grade, diS Dein Herz und Mund spricht meine heil'ge Sprache." So höhnten sie — ich schwieg! Ev senkte sich Lastend-,wie Blei ein dumpfer Schlaf auf mich; Ich leor' — und doch lag Tod in meinen Gliedern! Und schrie ich schmerzhaft auf, nicht hört'S ihr Spott, Zr«dd klang der unverstandene Schrei — nur Go« Ec sah die Thrän' an meinen Augenlidern. Ihr glaubt nicht, daß ein Wunder mir geschah! Wie ich so lag in schwerem Siechthum da Begann eia Glanzen rings um mich, ein Leuchten, Da warb die Welt so klar mit Einem Mal, Vernichtet warb der Tod vom LedenSstrahl, . Der mein« Augen küßt', die thränenfeuchlen!; Der Tag brach an, die Dämmerung verschwand,! In Herrlichkeit erglänzte ringS das Land, i- DaS deutsche Land mir seiner Aecker Brvdem — 1 Die Heimarh lag vor mir in stiller Pracht, ' Geendet har die lange, schwarze Nacht, Denn durch die Schöpfung weht der Freiheit Odem! Nun erst begann mit wundersamer Lust Ein nie geahntes Spiel in meiner Brust, Ein Quellen war'S von Kräften und ein Ringen! O Heimath, Heimarh! Klang so traut und lind, Seit ich dich Muster nenne, ich dein Kind, 1 Versteh' ich auch dein Denken und dein Singen! 1 Sprecht nicht mehr von des Orients fremdem Sohn, Und höhnt nicht mehr da» träumerische Zion! — Ein Deutscher bin ich, will ein Deutscher heißen! Zum Kampf erheb ich die bewehrte Hand, > Weh dem, der freventlich dem Vaterland! Vom theu'cen Haupt will eine Locke reißen! „Was ist Dir meiner Wälder Eicheadaum? Du wandelst unter uns als wie im Traum, Ja, wenn du heimbestattest deine Tobten, Gen Osten bettest du ihr bleiches Haupt, Zerbrochen zwar ist Zion und entlaubt. Dorr sind sie deiner Auferstehung Dorm!" I Und fragt ihr mich: Wer nahm von die den Dann, l Wer machte dich, du wundgehetzker Mann, Zu meinem Freund, zum Bruder und Genossen? j Wer lehrt dich meines Wesen- Kern versteh'«? — | Fast dünkt eS mich, «in Wunder ist gescheht» — I Wer hat dir deutsche Herrlichkeit erschlossen?