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Jüdisches Volksblatt · 1863-01-01 · 6 (1863) · p. Seite 23

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
10 (1863)
Issue
6 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 23 (sequence 3)
Language
German
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— 23 Denn wenn ich selbst daelende Gewerbe, daich betrieben, und damir jetzt so sehr zuwider ist, wieder ansangen wollte, so könnte ich e» nicht, denn wie mir «in Spießgeselle, der mich nach Deinem Fortgange besuchte, mitgetheilr, ist unterdeß unser LLndchen in einen Zollverband mit dem benachbarten Staate getreten, und die Pascherei hat somit ihr völlige- Ende erreicht. O, wäre ich doch im Fieder verschmachtet, denn mir kann nicht mehr geholfen werden." ... Dajunge Mädchen war von diesen bald heftig au-gestoßenen, bald in der wiederkehrenden Schwäche kaum hörbar hervorgedrachten Worten so bewegt, daß sie auf einen Schemel niedersaak und lange keine Antwort fand. Endlich faßte sie sich und sprach: „Ich sollte, Joseph, wirtlich die heftigsten Borwürfe über Dich und Dein Benehmen au-sprechen. Wenn ich Deinen Zustand nicht so rief bemitleidete, würde ich Dich verachten und Dir den Rücken wenden. Stall baß Dl? über Deine jüngste Leben-weise und in dem Gedanken au Deine redlichen Eltern Reu« empfinden, und von der Gnade de- Barmherzigen. der Dich die Folgen Deiner Berirrungen überwinden ließ, gerührt, mit den besten und unerschütterlichen Vorsätzen, ein neue- Leben zu beginnen, Dich von Deinem Schmerzen-lager erheben solltest, fluchst Du Undankbarer auf das Geschick und die Menschen, und überlassest Dich der Verzweiflung. Du, ein zwanzigjähriger junger Mann, sowohl mit Kennrniß de- Handelalauch eine- Handwerkversehen, mit geraden Gliedern und gesunden Verstand, Du hast doch noch das ganze Leben vor Dir, und wenn. Du es nur eifrigst willst und suchst, wirst Du einen passenden Weg schon finden. Lasse e- Dich nicht gereuen, daß Du den schnöben Sold verbrecherischen Wandel-, auf welchem Du selbst, lasse rmich offen sagen, so schwer emich auch niederdrückt, eine Mordlhat nicht scheutest, verübt, wenn e» Gott nicht gnädig abgelenkt, an dem pflichtgetreuen Diener der Gerechtigkeit, verloren hast; betrachte dievielmehr wie auch Deine Krankheit aleine Sühne, wodurch Deine Schuld au-gelöfcht worben vor Gott. Ich sage vor Gott, denn vor den Menschen mußt Du Dich erst reinigen, und da» wirb viele Mühe koflkn, wenn Du auch straflobleibst." / „Du hast ganz Recht," erwiderte Joseph heftig. „Uederschütle mich nur noch mit Kränkungen, statt mich zu trösten und aufzurichten. Geselle Dich zu den andem Menschen, die- Alle mich hassen und verfolgen. Watbut'S auch, einer mehr oder weniger? Rach Deinen altvärerifchen Redensarten frage ich gar nicht«. Man hat mich au-gestoßen, verfolgt, gehetzt, man har mir Allegenommen, waich besaß, und da sollte ich mich nicht noch wehren, sondern mich still in den Staub treten lassen? Geh, verlasse mich, ich habe mich in Dir geirrt." Scheda sah ihn lang« an. „Ich vergebe Dir Deine furchtbaren Worte. Ich habe keine Antwort r darauf. Wenn da-, waich für Dich gethan^ nicht von selbst zu Dir für meine Gefühle für Dich spricht, so werde ich mich hüten, Dir davon zu reden. Wie gut ist es nur, baß Deine Mutter dienicht erlebt, sie wäre an gebrochenem Herzen vergangen." (Forts, folgt.) Bilder aus Ungarn. Bon I. I. Rosenmeyer in S. 2. Ujheiy. , (Fortsetzung.) Mitternacht war es bereits, alwir da- Stadrwäldetzen verließen, und da mehrere Freunde vom Lande fich unserem Spaziergange angefchlossen harren, so wurde beschlossen, noch einige Zeit zu oromeniren. Der Lärm der großen Masse verstummte allmählig, die Zigeunermusik tönte immer ferner und ferner in unser Okr und nur hie und!ba vernahmen wir die melancholisch klingenden Lieder. Hätten wir nicht im fernen Hessenlande dieselben 7t2'«-Töne vier-' nommen und wüßten wir nicht gar zu gut, wie schwer sich «ine magyarische Melodie nach dem Au-lande trä^t, wir würden versücht sein, alle cknseck jüdischen Trauettisn» alaudem Magyarenlande stammend anzusehen, t Trotz ihrer sonstigen Derschiedeqheit dürften wohl wenige Ra^iosten so viele gemeinschaftliche Anhaltspunkte haben, aldie JuMen ^nd Magyaren. Wenn eine-theildie äußere Physiognomie eine Verwandschaft ahnen läßt, so läßt sich anderersilrbei der Aehnlichkeit der Sprache, die Philologen auf düs Üjenaorste nachgewiesen haben, bei brr Üedereinstimmung mancher Gebräuche ihre gemeinschaftliche orientaliscl e Abstammung nicht verkennen. Die MitternachtSstuade war bereits vorüber un > nbch immer durchzogen wir gruppenweise die Straßen Pest-. Allelag in riekfter Ruh, die Sterne blitzten und schlm nette« und der blass« Mond, der un< Stunden lang begleitete, wollte ebenfalls schon untergeben. Da in Stg «ittjng einig« einflußreichen Mitglieder der Pester Cultu-ger leinde, hatten wir Gelegenheit einen tieferen Einblick in d e Be», meindeverhältnisse der Hauptstadt de- Landezu gen inqeu. Wir sprachen von der Großartigkeit de- Pester TtMpft-, von seinen vorzüglichen Cullu-beamten, und einjiiEtjg wurde die Meinung geltend gemacht, wie nothweNd g Pest einezweiten Prediger« bedürfe, der auch in magyarischer Sprache da- Gotte-wort zu predigen verstehe. Ünwillkührlich gedachten wir des selig entschlafenen Pester Oberadbinen Dr. Schwab, jenes allgeliebten Rabbi, jenes lelder zu früh »ntschlafmen Manne-, der für die Hebung der Gemeinbeinstirute so viel gethan und in der Th< r Pest zur Mustergemeinbe de- Landegemacht har. I Obwohl Pest dermalen mehrere Gemeindeschulen »nb ein« Musterhauptschule besitzt, an welchen Anstalten recht wackere Lehrer wirken*), so genügen selbig« einer Geneiflb« von mehr al- 14000 Seelen (20 % der Bevölkern, lg) I bei Weitem nicht und dürfen wohl selten so viele Israels Primarschulen gefunden werden, wie gerade hier in der Hau ptstjadt de- Magyarenlande-. Wie es aber kommt, baß ii, «stier so wohl orgam'sirten Gemeind« nsch immer eine M ssioei-- schulfstortwuchem kann, die von mehr al-200 Israel. Knaben besucht wird, vermochte un- Niemand zu deantvorltn; wmn auch nicht in Abrede gestellt «erden kann, >afrj m früheren Jahren diesemodern« protestantische gi suiw«, institut von armen Israel. Knaben noch zahlreicher »«sucht war, alheute. *) Mt Vergnügen erwähüen wir hier- Reich, den Berfaffer de« veth - Sl, Bauer Lederer, Srotzmann. sämmtlich Berfaffer renommirrer Schulbücher. v ackeren

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