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Jüdisches Volksblatt · 1863-01-01 · 5 (1863) · p. Seite 19

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
10 (1863)
Issue
5 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 19 (sequence 3)
Language
German
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I — 19 — Herbergen, als eS sich Jemand träumen ließe. Schau dorr nach dem Fichunwäldchm hin, welches am Abhang eines der wenig steilen Berge, an dessen Fuß sich «ine größere Lichtung befindet, durch -ie ein Bach fließt, sich hinadstreckt, der Bach kann an jeder Stell« durchwatet werben und ist an diesem Punkte ohne einen Steg. Der kleine Bach bildet die Grenze zwischen zweien Staaten, von denen der eine zu den Großmächten, der andere zu den kleinsten Fürstenthümekn Deutschlands g..)ört- Allein dies hindert nicht, baß der Fürst deunbedeutenden Ländchens mit derselben autokratischen Souveränität regiert, wie das mit der Königskrone geschmückte Haupt der Großmacht. Im gedachten Fichtenwalde, der sich rechtS und links an dichtes Unterholz lehnt, welches ihn wieder mit noch umfangreicheren Tannenwäldern verbindet, ist in dieser dunkeln Nacht eine Schaar Menschen versammelt. Es sind rüstige Männer, zum Theil auch Jünglinge, in knapper, derber Kleidung mir großen Wasserstiefeln, «in jeder mit einem ledernen Gurt um den Leib, in welchem eine oder mehrere Pistolen und ein lakrgeS Messer stecken. Neben jeden dieser Männer liegt jetzt auf dem Boden ein Packen, der mit Traggurten versehen ist und jeden Augenblick seinen Platz auf dem Rücken seiyrS Trägers einnehmen kann. Sie sind zu einer kurzen Berarhung vereinigt, die in leisem Geflüster geführt wird. Einige von ihnen sind ohne Packen, tragen aber dafür eine Büchse im Arme und eine mit Munition wohlversehene Tasche über der Schulter. Ein älterer Mann mir werter» durchfurchtem verschmitztem Gesichte scheint da» Kommando zu führen. Eine Viertelstunde später bricht die Schaar auf. Sie »heilt sich in Mei Haufen, von denen brr eine rechtS, der andere links sich wendet; beide bilden eine gerade Linie, und sich fast bis auf den Boden beugend durchkciechen sie langsam, einer hinter dem anderen das Unterholz, bis sie geräuschlos die Tannenwälder erreicht haben. Jetzt gehen die Männer mit den Büchsen vorauf, und erst einige Minuten später folgen die anderen, indem sie jeder einen ziemlichen Zwischenraum bis zum anderen lassen; so ziehen sie sich über den unebenen Boden bis sie an den Bach kommen, den r't eiligst durchwaten, worauf sie, immer so geräuschlos wie möglich, aber mir noch größerer Hast, über die Lichtung eilen, und sich, glücklich darüber gelangt, in die jenseitigen Berge und Wälder schlagen. Wie gesagt, die Nacht war zu günstig für sie, als daß ihnen ein Hinderniß oder Unfall begegnet wäre. Wehe, wenn es anders gekommen! Würbe ein einz«lner Gegner unter sie gerathen sein, so hätte ihn der Tod zu ewigem Schweigen gebracht und seine Leiche wäre in irgend einer niemals betretenen FelSkluft dm Raden und Geiem zur Speise geworden. Wärm sie auf einen Trupp Be» waffneter gestoßen, so hätten ihre Führer ihnen schnell durch Zeichen, wie etwa durch dm nachgeadmtm Schrei von Thieren, sichere Kunde gegeben, ob Widerstand möglich oder unräthlich sei. Im ersteren Falle hättm diese Men» schm ihre Packen niedergelegr, irgend «inen Hinterhalt besetzt, und wären unvermuther über ihre Feind« hergefallm, von denen sie allerdings so wenig wie möglich verwundet oder gerödtet, sondem di« sie gebunden und geknebelt in einen entlegenm Winkel geschafft hättm, wo sie d«n Tag und ihre frühere oder spätere Befreiung erwarten konnten. Doch richtete man sich hierbei nach dm Umständen und selbst vor dem Morde schrecktm diese finsteren Ge ellen der Nacht im Nvthfalle nicht zurück. Erkannten aber jene k'päher die Uebermacht und sorgsam« L Wachsamkeit der Gean", so suchten' die Träger ihr Heil fln schneller gluv,., . rühren sich vor Allem, das Ufer bses Bache« wieder zu erreichm und ihn zu überschreiten,, um innerhalb der diesseitigen Grenzen Schutz zu suchen. B^r» mochten sie dies nicht, so wurden die Packe abgeworf!»» und dem Feinde überlassen, umnur die Personm zu retten. Sie thaten dies dann in völlig vereinzelter Weife, und ließen sich die Gegner dadurch verlockm, sich ebmfakzu trennen und di« Jagd auf die Einzelnen, wie sie ihnen am nächsten warm, zu untemehmen, so kam eS oft zu einem erbitterten Einzelkampfe, der mit dem Tode ty» Einen oder des Andern endete. Weißt du nun, Leser, waS dies für Gesellen sind, die du in dem Fichrenwalde versammelt siehst? .... 8 S sind Schmuggler, die in dieser Gegend zu einer unerhört« n Kühnheit und zum bitterstm Kamst gegm die bewaffnet« n Diener des Staates gelangt warm. Unter diese Rotte war auch Joseph, her Sohn dfr, verstorbenen Wittwe» Benjamin, gerathen. Das Städtchen, in welchem wir uns bis jetzt verweilte r, war dicht an der P . .. schm und A...schen Grfnzte, innerhalb deS letzteren LändchrnS gelegm. Dieser kleine Staat war «ine Enklave des ersteren; da aber damals der deutsche Zollverein >zoch nicht bestand, hatte es! e n besonderes Zollgesetz oder vielmehr noch gar keine Eingang » steuern für fremde Waaren. Der Schmuggelhandel hat e sich daher im größten Maßstabe dahin verpflanzt und b^*" sonderunser Stäbchen zu einem großen Waarendepot gemacht. Die Waaren wurdmvom Au-landr verschrieben, gingen Plont«, birt durch da- P .. . rd)« mit geringer Transitoadgabe urj& wurden dann von da in da- P ... sche hineingeschmuggel^. Da die P... schm Hölle sehr hoch waren, fiel dem Schmuggel ein großer Gewinn ab. Besaß da- Ländchen schon an sich^viele brodlose Arme, die sich, willig dery Schmuggel anbotm, so zog dieser auch auallen umliegendm Gegenden da- Gesindel herbei, und selbst die.oberen Beamten drückten die Augen zu, weildiese-' gesetzwidrige Treiben viel Leben und Geld in damittellose Lattd brachte. Wahalf e-, daß die A ... sche Grenze mit einem dreifachm Cordvn von P ... schm Grmzwächtern umgeben ward, die Tag und Nacht auf den Beinen warm!? Di« gebirgige Landschaft, die großm Waldungm, di« Hülst, welche die Schmuggler bei den Grmzbewohnery fanden, machten alle Bemühungen vergeben») und nicht allzufeltm spielten die schlechtbesoldetm Beamtm mit dm Schmugglem unter einer. Decke. Kam edann wirklich einrnal, daß bst Grenzaufseher einige Schmuggler faßten, oder doch im Besitz ihrer Packen kamen, so stört« dieden Gang dewüsten Geschäftenicht im Geringsten^ und w«der dl« Unremehmer noch ihre Werkzeuge ließen sich abschreckm, am nächsten Tage, wen» die Umstände güastij waren;, da- Wagniß abermal» zu versuchm. Daß badurr > die Bevölkerung ganz und gar demoralisier, daß mitun er die größtm Frevelthaten begangen und gewöhnlich ba» gtwonnene Geld von dm wüsten Gesellen ebm st schnell' wieder verjubelt wurde, i r eine Folge, die Niemand emstlich in- Auge faßte. (Fotts. folgt.) |

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