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Jüdisches Volksblatt · 1863-01-01 · 5 (1863) · p. Seite 20

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
10 (1863)
Issue
5 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 20 (sequence 4)
Language
German
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20 Bilver aus Ungarn. Pen I. I Ro'enmever in S. A. Ujbelll. IV.'- Wir wurden auf unserer Wanderung fast fo lwährend y»n den Karpathen begleitet, von jenen GedirgSzüg n, welche bald als vulkanische Gesteine auftreten und d, nn weindedrckte Hügel bilden, bald sich alS Trachvtberge zi erkennen geben, die in ihrem Schoß« Gold» und Silber ceichthum beherbergen. Obwohl die und da »in kalter Norl wind uns an die Herbstzeit erinnerte, so dor die Ngfl. unS nock immer hinlängliche Gelegenheit, Beobachtungen auf dem Gebiete der Raturforschung anzustellen und die reizenden Landschaften zu bewundern. Die malerischen Gestalten, die unS jeden lugenblick begegnen, die Innigkeit, mit dem der Landmann sein Irlen hoszla (Gott grüße dich) spricht, der oriemalischesto j« TypuS, der sich im ganzen Welen der unS begegnenden Männer, Frauen und Kinder abspiegelt, läßt unS keinen Xugenblick zweifeln, daß wir uns unter Kernmagyaren, ui ter ächten Abkömmlingen ArpavS befinden. , ES war an einem Herbstmorgen, alS wir verließen, um unS über GöngyoS nach Pest, der Hauptstadt des MagvarenlandeS, zu begeben. Im Gedirce herrschte daS beittrste Leben, Städte und Dörfer warn wie auSgestorben, nachdem eS eben galt, dir HerbsteSk, nigin, die Traube, zu lesen. In GöngyoS, einem vor mehr als 20t-«» Juden bewohnten Marktflecken, lernten wir einen recht gebildeten Rabbinen kennen. Die Syna« oge ist im alten Stil« ierlaubt und die Gemeinde fast doppelt so zahlreich, alS die Erlauer. Nicht weit von GöngyoS liegt Azod, eine klein« alte Gemeinde, deren Rabbi ergraut ist und noch h« ne wie vor Jahren dem Materialismus huldigt, und sict auf Alles eher versteht, als auf Hebung der geistigen Aus ande feiner Gemeinde. Es war bereits Mittag als wir Gödölö erreichten, «inen kleinen Marktflecken mit mehr alS 2500 6 inwohnern, unter welchen nur wenig Juden. DaS rei end schöne Lustschloß drS Baron Sina mit seinen köstlici en Anlagen mahnte unS hier, wenn auch nur auf wenig Stunden, Halt zu machen. Die Buchen« und Eicher Waldungen, die Treibgärten mit den lieblichsten Pflanzen er warmen Zone, der Thiergarten, die seltenen Gemälde, d e man unS so bereitwillig zeigte, die alten Waffen, die unS an di« Burgen und ritterlichen Feste erinnerten, w achten unS unseren Aufenthalt,', da wir ohnehin von Stvrpa en ermüdet, doppelt angenehm. Wir setzten in aller % rühe unsere Wanderung fort und hatten bald Pest, die Hauptstadt d«S Landes, erreicht. Wir folgten der gütigen Einladung uafet;S Freundes und Bekannten, begaben uns in den frermdliö st gelegenen Stadttheil, die breiten Hellen Treppen hinan und wurden nicht wenig von den großartigen Sälen überr fcht, die alS *) Sieh« Nr. 3. de« Jüdi'cheu Pollsdlatte« und Nr. 41. Jahrgang 1862,. »ertiz ,02 «ttcsän Lefezunmer benutzt, von vielen angesehenen Männern der Stadt besucht waren. Di« Rührigkeit, mit welcher die jüdischen Zustände deS Jn- und Auslandes besprochen wurden, ließ unS>nichr verkennen, daß wir unS im Izraelila inagyar- Egylet (ungar. ist. Verein) befinden, der, obwohl Jahre lang unterdrückt, heute mir erneuerter Kraft und Anstrengung feine Thätigkeir dem geistigen Emporblühen brr jüdischmagyarischen Zustände widmet. Obwohl der Verein die Hebung und Verbreitung der magyarischen Sprache zum Gegenstand seiner wichtigsten Aufgabe macht, harren wir doch die Freude, sowohl die Zeitung des Judenlhums als das Jüdische Dolksblatt unter den übrigen größ.ntheilS magyarischen Blättern zu finden. Das Lefekadiner im angränzeaben Saale, an 2000 Bande haltend, wie auch , die Redaktion^ des Magyar Izraelila, die sich in diesen Raumen befindet, tragen nicht wenig dazu bei, den Sinn für jüdische Angelegenheiten in der Hauptstadt deS Landes! zu fördern.» Die Vorlesungen, die allwöchentlich von den j gediegensten Kräften der Stadt, insbesondere von unseren; jüdischen Juristen. Medicinern und Pädagogen in magy- | arischer Sprache gehalten werden, sind sehr zahlreich besucht und läßt sich, nachdem der Verein einen eignen Profeffor honorirt, dessen Pflicht es ist, unenegeldlichen Unterricht in der magyarischen Sprache zu erlheilen, mit Sicherheit ein glanzender Erfolg dieses wahrhaft nationalen Vereins erwarten. Gegen Abend schieden wir mit dem Versprechen, noch einmal wieder -zu kommen und gingen mit unseren Freunden; in da» Stadtwäldchen, den Lieblingsort der- Pesier. Ein leichtes Gehölz von Buchen, Eichen und Linden, , umgeben von den herrlichsten Anlagen, dient zum Der- gnügungsplatze. Ringsumher liefen Banke, hingen die herr-! liebsten Gasflammen, spielten die braunen schwarzlockigen . Zigeuner. Das Ganze glich^ sinem Flammenmeere und üder- I.traf Alles, was wir in bieferrRichrung gesehen, selbst den Prctter in Wien nicht autztzenommen. sForrs. folgt.) Anekdote 9. in B. „Wann wird es besser^ sein in den. jüdischen Gemeinden!" rief Jemand im Gespräche mit einem Lehrer seufzend auS. und Dieser antwortete: „Wenn dr-einst die . jüdischen Lehrer beim Empfange der Zeitung des Judens thumS zuerst nach dem Leitartikel und zuletzt nach den Annoncen sehen!!" — Allgemeine Zeitung de« Iudentdum«. No. 4.T»ä3. , Leitende Artikel: Da« Judenthum de« 19. Jadrbundert« und da« Ehrißenrhum. — Tägliche« Geber eine« Arzte» ^vor de» Besuche feine* Kranken. i Zeitungsnachrichten: Deutschland: Hamburg, j Preußen: Gollnb, Bonn, Glogau, Posen, au« dem Re- ' gieruogSbezirk Trier. Würtemberg: wöppingen. Oesteri reichischer Kaiserstaat: Au« Saaz, Krakau. Holland:; Amsterdam, Rotterdam. Schweiz: Aarau, Au« dem Aargau. Bern. Italien: An» Oberiralien. Rußland: Petersburg. Frankreich: Pari«. Afrika: Lapstadt. Eorrespondenz: An« Westphalen, die Petition und Denk- , schrift der jüdischen Lehrer in Preußen betr. (Schluß.) EP Zn beziehen durch jede» Postamt undjedeBuchbaudlung. - Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich yA Thaler. Beraurponlicher Redactrur I. H. Luder. l vuShanriung in ,eip»i«. — Xnut md s. »re, sin, ill reio,,g.

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